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Politik Hat Clinton wegen eines Mannes verloren?
Nachrichten Politik Hat Clinton wegen eines Mannes verloren?
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20:54 10.11.2016
Mehr Wählerstimmen für Hillary Clinton aber weniger Wahlmänner – sie ist nicht die erste Kandidatin, die am amerikanischen Wahlsystem scheitert.  Quelle: AFP
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Washington

Die Mehrheit der Stimmen gewinnen und das Rennen ums Weiße Haus dennoch verlieren – das Wahlrecht in den USA macht es möglich. Grundlage dafür ist das „Winner-takes-all“-Prinzip bei der amerikanischen Präsidentschaftswahl. Das bedeutet, wer eine einfache Mehrheit in einem Bundesstaat erzielt, bekommt alle Wahlmänner des betreffenden US-Staates zugesprochen – egal, wie groß der Vorsprung tatsächlich ist. Die US-weite Gesamtzahl der Wählerstimmen spielt also keine Rolle.

Insgesamt holte Clinton mehr Stimmen als Trump

Würden die Wähler ihre Stimme direkt einem Kandidaten zuordnen, dann hätte Hillary Clinton (59,9 Millionen Stimmen) die zurückliegende US-Wahl gegen Donald Trump (59,7 Millionen) nach aktuellem Stand und 99 Prozent ausgezählten Wählerstimmen mit 200.000 Fürsprechern Vorsprung gewonnen.

Einige Demokraten machen nun Gary Johnson für die Wahlniederlage Clintons verantwortlich, berichtet die „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“. Johnson war der Kandidat der Libertären Partei und konnte mehr als vier Millionen Wähler für sich gewinnen. In vielen Bundeststaaten holte er mehrere Prozentpunkte.

Der Vorwurf an Johnson lautet deshalb: Wäre er nicht angetreten, hätte Hillary Clinton die Stimmen der Libertären Partei bekommen und wäre in Florida, Pennsylvania und Wisconsin vor Donald Trump gelandet – dargestellt durch einen grauen Balken in der Grafik unten. Die Konsequenz wäre gewesen: Hillary Clinton hätte 59 Wahlmännerstimmen mehr zugesprochen bekommen und wäre damit zur Präsidentin gewählt worden. Donald Trump wäre leer ausgegangen.

Deshalb geht die Rechnung nicht auf

Allerdings war Hillary Clinton auch bei einigen demokratischen Wählern nicht besonders beliebt. Vor allem die jungen, gut gebildeten Amerikaner fühlten sich im Vorwahlkampf von Bernie Sanders angesprochen. Wie Johnson verfolgte Sanders eine sozialliberale Politik. Viele der Sanders-Wähler könnten sich also für Johnson entschieden haben und gegen die Kandidatin Clinton, die Sinnbild des ungeliebten Establishment war.

Deshalb geht die Rechnung der Demokraten, die die Johnson-Stimmen dem Clinton-Lager zurechnen, nicht auf. Viele Wähler der Libertären Partei wären ohne Johnson als Alternative zu Clinton und Trump einfach gar nicht an die Wahlurne gegangen.

Teilt man die Prozente Johnsons unter den verbleibenden Kandidaten auf, zu denen neben dem Republikaner und der Demokratin auch noch die Grüne Jill Stein gehört, so hätte Clinton auch dann die drei entscheidenden „Swing States“ gegen Trump verloren – selbst wenn es nur hauchdünn gewesen wäre.

Ein bekanntes Phänomen

Was dadurch das Wahlmänner-System passieren kann, hat zuletzt der demokratische Kandidat Al Gore erlebt. 2000 erhielt er insgesamt zwar mehr Wählerstimmen als sein republikanischer Widersacher George W. Bush. Aber die Wahl verlor er trotzdem, weil er weniger Wahlmänner hatte. 1824 gewann John Quincy Adams, obwohl Andrew Jackson mehr Stimmen hatte. 1888 unterlag Amtsinhaber Grover Cleveland gegen Benjamin Harrison - auch er hatte mehr Wählerstimmen gesammelt, aber weniger Wahlmänner.

Von dpa/RND/wer/fw

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