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Nachrichten Politik Habeck gibt den Motivationstrainer
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19:38 17.06.2017
Robert Habeck von den Grünen. Quelle: dpa
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Berlin

Zu den offenen Fragen bei den Grünen zählt jene nach der Zukunft von Robert Habeck in der Partei. Manch ein Grüner sieht in ihm den künftigen Parteichef, andere wünschen sich Habeck gar als Bundesminister, so es denn klappen sollte mit der Regierungsbeteiligung nach der Bundestagswahl im Herbst. Zurzeit sieht es ja nicht danach aus. Die Grünen im Bund dümpeln bei sieben, acht Prozent, und das schlägt den Ökos natürlich aufs Gemüt. Da kommt Habeck, ein Vertreter der derzeit seltenen Spezies „erfolgsverwöhnter Grüner“, gerade recht.

Auf dem bis Sonntag andauernden Parteitag der Grünen in Berlin empfiehlt sich Schleswig-Holsteins bisheriger und wohl auch künftiger Umweltminister seiner Partei als Motivationstrainer. „Es ist so, so super in dieser Partei, dass man sich die Meinung sagen kann, in Solidarität“, schwärmt Habeck am Samstagabend, die Ärmel des schwarzen Hemdes aufgekrempelt, das Mikro wie ein Conferencier am Headset. Den Neumitgliedern in der Halle ruft er zu: „Ihr seid in eine geile Partei eingetreten!“

Doch ein Motivationstrainer, der nur lobt und keine Kritik übt, wäre ein schlechter Trainer. Und so spart auch Habeck am Samstagabend nicht mit Kritik an seiner Partei. In seiner kurzen Rede wird er grundsätzlich. „Wie kommt es, dass uns das Image der Verbotspartei wie Pech am Hacken klebt?“, fragt Habeck die rund 850 Delegierten und liefert die Antwort gleich mit. „Die Welt hat sich geändert, und wir haben die Veränderungen nicht immer nachempfunden.“ Es sei zwar richtig, für Minderheitenrechte einzustehen. „Doch wenn wir Bürgerrechte verteidigen wollen, dann müssen wir uns um die Sicherheit im öffentlichen Raum kümmern“, sagt Habeck und fordert ein selbstbewusstes Eintreten der Partei für mehr innere Sicherheit. Die Grünen dürften sich nicht mehr in Abgrenzung zum Staat positionieren. „Das ist unser Land geworden“, ruft Habeck unter nur mäßigem Applaus. Die Delegierten, der Mittelbau der Partei, war nie Habecks größter Fanclub. Er buhlt auch gar nicht um deren Zuneigung, sondern schleudert ihnen Sprüchen entgegen wie diesen hier: „Freiheit im Herzen nützt nichts, wenn man das Herz in der Hose hat.“

Beinah hätte Habeck den Parteitag, in dem die Grünen ihr Wahlprogramm beschließen, als Spitzenkandidat bestritten. Nur 75 Stimmen fehlten ihm zum Sieg bei der Urwahl. Nun will er den Spitzenkandidaten Özdemir und Göring-Eckardt nicht die Show stehlen, sondern ruft zu deren Unterstützung auf. An seiner eigenen Verankerung in Schleswig-Holstein möchte er keinen Zweifel aufkommen lassen, spricht von sich als „Deichminister“. Den ausverhandelten Koalitionsvertrag mit CDU und FDP, das anstehende Jamaika-Bündnis erwähnt Habeck allerdings nicht. Der Part fällt Schleswig-Holsteins grüner Finanzministerin Monika Heinold zu.

Heinold, die für die Grünen den Koalitionsvertrag ausgehandelt hat, reist jetzt viel durchs Land und wirbt unter Grünen-Mitgliedern für das Jamaika-Bündnis - nicht jedoch in Berlin, bei ihrem Auftritt vor den Parteitagsdelegierten. Das schwarz-grün-gelbe Kieler Bündnis sei „kein Modell für den Bund, keine Blaupause, keine strategische Machtoption“, ruft die bisherige und wohl auch künftige Kieler Finanzministerin am Freitagabend ihren Parteifreunden zu. Viele klatschen da erleichtert. Es überwiegt jedoch Respekt für die Schleswig-Holsteiner Grünen. „Wir sind stolz auf das, was ihr herausgeholt habt“, sagt Spitzenkandidatin Katrin Göring-Eckardt.

Von Marina Kormbaki/RND

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