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14:33 30.03.2018
Fliesenleger bei der Arbeit: GroKo plant Wiedereinführung der Meisterpflicht. Quelle: dpa-tmn
Berlin

Die Große Koalition will die Meisterpflicht in einigen Handwerksberufen wieder einführen - etwa bei den Fliesenlegern. „Wir werden uns vor allem Bereiche anschauen, wo es zu offensichtlichen Fehlentwicklungen gekommen ist“, sagte Carsten Linnemann (CDU), stellvertretender Vorsitzender der Unionsfraktion im Bundestag, dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND). „Wir haben in Deutschland sechs Mal so viele Fliesenleger wie 2004. Aber die Ausbildung ist eingebrochen und um rund ein Drittel zurückgegangen.“

Unterstützung für die Pläne kommt von der SPD. „Ich bin offen, die Wiedereinführung der Meisterpflicht für das Fliesenlegerhandwerk anzugehen“, sagte Sören Bartol, stellvertretender Vorsitzender der SPD-Bundestagsfraktion, dem RND. „Sinkende Qualität, häufige Scheinselbstständigkeit und fehlende Ausbildungsplätze sprechen dafür.“ Die Kunden müssten sichergehen können, dass ihr Auftrag von einer echten gut ausgebildeten Fachkraft ausgeführt werde. „Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier sollte einen Vorschlag erarbeiten, wie man die Handwerksordnung ändern kann, ohne vor dem Bundesverfassungsgericht und bei der Europäischen Kommission zu scheitern“, forderte Bartol.

„Kunden haben Probleme bei Gewährleistungen“

CDU-Experte Linnemann verweist auch auf immer wieder auftauchende Probleme in Zusammenhang mit Reklamationen bei Fliesenlegern. „50 Prozent derer, die sich ohne Meisterbrief selbstständig machen, sind nach fünf Jahren nicht mehr am Markt”, sagte Linnemann. „Für die Kunden ergeben sich dadurch Probleme im Fall von Gewährleistungen.“ Sollte die Meisterpflicht in einige Gewerken wieder eingeführt werden, geht das allerdings natürlich nicht rückwirkend, sondern nur für die Zukunft, so der CDU-Bundestagsabgeordnete weiter.

Mit der Handwerksreform von 2004 war die Zahl der Berufe mit Meisterpflicht von 94 auf 41 reduziert worden. 53 Handwerke sind damit zulassungsfrei, allerdings wird zur Ausbildung in diesen Bereichen unverändert der Meisterbrief verlangt.

Zuvor hatten das Baugewerbe und die Gewerkschaft IG BAU in einem gemeinsamen Brief an CDU, CSU und SPD die Wiedereinführung der Meisterpflicht für das Fliesen-, Platten- und Mosaiklegerhandwerk gefordert. Die von der letzten Reform erhofften positiven Effekte seien ausgeblieben. Zwar sei die Zahl der Betriebe in diesem Bereich von 12 401 im Jahr 2004 auf 71 142 Betriebe im Jahr 2015 angestiegen. „Allerdings handelte es sich bei den ‚neuen‘ Betrieben vornehmlich um eine sehr hohe Anzahl von Ein-Mann-Betrieben, die mangels entsprechender Qualifikation nicht ausbilden dürfen und in denen auch nicht ausgebildet wird“, heißt es in dem Schreiben, das dem RND vorliegt. Den Angaben zufolge ist die Zahl der jährlichen Meisterprüfungen bei Fliesenlegern zwischen 2004 und 2015um 73 Prozent auf 114 gesunken.

„Ein Herzensanliegen des Handwerks“

Handwerkspräsident Hans Peter Wollseifer lobt die neuen GroKo-Reformpläne. Das duale Ausbildungssystem mit dem Meister als tragender Säule müsse erhalten und die durch den Meisterbrief verbürgte hohe Ausbildungsleistung und Qualität handwerklicher Leistungen auch künftig gewährleistet werden. „Das ist ohne den Meisterbrief nicht ohne Weiteres der Fall, wie sich in einer Reihe von Gewerken nach der Abschaffung der Meisterpflicht im Jahr 2004 gezeigt hat“, sagte Wollseifer dem RND. „Vielfach geht die Qualität der handwerklichen Leistungen zurück, seit sich jeder ohne irgendeinen Qualifikationsnachweis selbstständig machen kann.“ In einigen Gewerken werde inzwischen deutlich weniger ausgebildet. „Immer dort, wo solche Fehlentwicklungen erkennbar sind, müssen Fehler der Vergangenheit korrigiert werden“, so der ZDH-Präsident weiter. Die neue Bundesregierung greife mit ihrer Zielsetzung, für einzelne Berufsbilder die Wiedereinführung der Meisterpflicht zu prüfen, „ein Herzensanliegen des Handwerks“ auf.

Von Rasmus Buchsteiner/RND

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