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Politik Geteilte Gehaltsrepublik: Mehr als nur ein kleiner Unterschied
Nachrichten Politik Geteilte Gehaltsrepublik: Mehr als nur ein kleiner Unterschied
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21:01 03.08.2018
Auf einer Verdienstbescheinigung liegen Euromünzen und Eurogeldscheine. Quelle: Arno Burgi/dpa
Berlin

Wie die Zeiten sich ändern! Um das Jahr 2000 herum hielten die Deutschen die explosionsartig gewachsene Arbeitslosigkeit für das soziale Brennpunktthema Nummer eins. Heute werden vor allem die Einkommensunterschiede als ungerecht empfunden – die zwischen Geringverdienern und Managern, aber auch die zwischen Nord und Süd sowie West und Ost.

Dass sich die Perspektive der Bürger verschoben hat, liegt vor allem am boomenden Arbeitsmarkt. Die Einkommensunterschiede hingegen haben sich in Deutschland wenig geändert, wenngleich es immer wieder Debatten über die Gehälter der Bosse gibt. Die regionale Differenzierung ergibt ebenfalls seit Jahren ein Bild: Süddeutschland hat beim Lohnniveau die Nase vorn, Hamburg ist im Ländervergleich top und der Osten hinkt nahezu flächendeckend hinterher.

Die Ostdeutschen arbeiten genauso fleißig wie ihre Kollegen im Westen

Dennoch: Fast 30 Jahre nach dem Mauerfall sind 739 Euro Unterschied bei den mittleren Verdiensten zwischen Ost und West erschreckend. Die 739 Euro haben nicht allein eine finanzielle Dimension für den einzelnen Beschäftigten im Osten. Sie haben darüber hinaus eine gesellschaftliche Dimension für die ganze Republik.

Es ist im vergangenen September, nach der Bundestagswahl, viel gedeutet worden, warum die Menschen in den ostdeutschen Bundesländern so gewählt haben, wie sie gewählt haben. Von abgehängten Regionen ist die Rede gewesen, die es in Wahrheit ja auch im Westen gibt. Doch das Problem im Osten tritt eben flächendeckend auf. Und da wirkt die 739 wie in Ziffern gegossene Ungerechtigkeit. Verständlich: Denn die Ostdeutschen arbeiten genauso fleißig wie ihre Kollegen im Westen, nur noch etwas länger in der Woche.

Das Empfinden von Ungerechtigkeit lässt sich nicht durch Verweise auf wirtschaftliche Zwänge oder schwierige Infrastrukturen beseitigen. Es müssten schon erkennbare Verbesserungen her. Aber wie?

Niedriglöhner von heute sind morgen auf staatliche Hilfen angewiesen

Die Krux ist doch, dass die Ost-Bundesländer lange, lange selbst mit dem Argument, bei ihnen seien die Lohnkosten besonders niedrig, Ansiedlungspolitik betrieben haben. Das fast überall zu besichtigende Ergebnis: Geförderte Unternehmen richteten im Osten verlängerte Werkbänke ein, zahlten ihre Steuern im Westen und zogen sich nach Ablauf des Förderzeitraums wieder zurück. Von den Nebenwirkungen – flächendeckende Tarifflucht, lange wirkende Ausnahmeregeln oder milliardenschwere neue Stützen für Firmen – ganz zu schweigen.

Die politische Tragweite dieser Entwicklung ist auch am wachsenden Zuspruch für Rechtspopulisten erkennbar. Und teuer wird es ebenfalls. Die Niedriglöhner von heute sind die auf staatliche Hilfen Angewiesenen von morgen. Hier zahlen dann alle drauf – egal, wo sie wohnen.

Von Thoralf Cleven/RND

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