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Politik Gauland verharmlost die Rechtsaußen der AfD
Nachrichten Politik Gauland verharmlost die Rechtsaußen der AfD
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10:33 30.08.2017
Am Dienstag beantwortet Alexander Gauland bei der Bundesleserkonferenz Fragen der Leser.  Quelle: Krus
Berlin

Am Tag vor der Bundesleserkonferenz (BLK) hatte Gauland noch mal für Aufruhr gesorgt: Man solle die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, Aydan Özoguz, eine gebürtige Deutsche, nach „Anatolien entsorgen“. Zur Eröffnung der zweiten BLK sprach RND-Chefredakteur Wolfgang Büchner Gauland darauf an. Er redete sich damit heraus, auch andere Politiker hätten sich dieses Begriffs bedient. Zudem habe er ihr lediglich empfohlen auszuwandern, nach Holland zum Beispiel. Die Methodik der AfD ist stets dieselbe: erst provozieren, dann relativieren.

Berichtigung: In einer früheren Version haben wir Alexander Gauland im Kontext der Özuguz-Debatte das Wort "deportieren" statt "entsorgen" zugeschrieben. Das Wort "deportieren" hat Gauland allerdings nie in den Mund genommen. Wir bitten diesen Fehler zu entschuldigen.

Das gilt ganz besonders für Ausritte einzelner AfD-Mitglieder nach rechts außen. Zwar sagt er: „Wir haben kein Problem, uns gegen Rechtsradikale abzusetzen“, dazu zählt er zum Beispiel nicht die sogenannten Identitären.  Aber die notorischen Rechtsausleger, Sachsen-Anhalts AfD-Landeschef André Poggenburg oder Thüringens AfD-Sprecher Björn Höcke, verteidigte Gauland. Er konzedierte hier und da, jemand habe „Mist“ geredet, wenn es etwa um Formulierungen wie „Wucherung am Volkskörper“ gehe, verwies aber stets auf den Kontext und darauf, dass die AfD eine „Graswurzelpartei“ sei, in der es noch gäre – so wie bei den „frühen Grünen“. Gauland prophezeite, der innerparteiliche Streit in der AfD werde sich fortsetzen.

Klare Bekenntnisse machte er zur Ehe: Die AfD sei nicht homophob, aber die Beziehung zwischen Gleichgeschlechtlichen sei keine Ehe. Ebenso deutlich war er in seiner Ablehnung des Euro und der These, Deutschland sei kein Einwanderungsland. Zudem warb er für ein Europa der Vaterländer. Er rechnete aber nicht mit der Durchsetzung, weil mit der AfD eh keine Bundestagspartei koalieren wolle.

Größeren Raum während der gut einstündigen Fragerunde von Lesern der rund 30 Partnerzeitungen nahm die Flüchtlingsdebatte ein. Gauland benutzte den Begriff angebliche Flüchtlinge, die ins Land wollen, in dem Milch und Honig flössen. Und auf einen, so seine pauschale Rechnung, würden immer mindestens vier weitere folgen. Deshalb müsse man die Grenzen dicht machen. Das sei auch kein Problem. Die Pläne hätten schon vorgelegen.

Zur Renten- und Klimapolitik gab Gauland nichts preis. Er bestritt, dass die AfD keine Konzepte habe, sondern verwies auf eine Pressekonferenz der AfD zu diesen Themen.

Was blieb? Ein fades Gefühl, dass Gauland durch rhetorische Volten, Vergleiche und Verharmlosungen gern Kritikern und einigen Fragestellern unter den Lesern den Wind aus den Segeln nahm.

Hier der Newsblog der Bundesleserkonferenz zum Nachlesen:

  • 29.08.17 16:04
    Während Alexander Gauland noch Fragen im persönlichen Gespräch beantwortet.
  • 29.08.17 16:04
    Wolfgang Büchner verabschiedet sich noch von den Leserinnen und Lesern.
  • 29.08.17 16:03
    Die zweite Bundesleserkonferenz ist beendet.
  • 29.08.17 15:59
    Gauland bezeichnet die Formulierung "Wucherung am Volkskörper" als "Mist". Da sei dem Kollegen Poggenburg "die Zunge ausgerutscht". Und relativiert, man müsse auch die Umstände sehen. "Man muss außerdem eine breite Meinung in der Partei haben" fügt er hinzu und verteidigt Björn Höckes Ausfälle als noch demokratisch. In der Politik müsse man manchmal harte und symbolische Begriffe verwenden.
  • 29.08.17 15:57
    Eine Leserin empört sich über die Wortwahl der AfD – namentlich nennt sie Höcke und Poggenburg. Es werde Nazi-Deutsch benutzt. "Davor habe ich Angst!"
  • 29.08.17 15:55
    Leserfrage: Wie deutlich machen Sie, dass Sie keine Rechtsneigungen in Ihrer Partei zulassen?
    Es fällt mir schwer, darauf zu antworten, weil ich nicht weiß, was Rechtsneigungen sind.Was ist denn für Sie rechts, fragt Gauland den Leser zurück. Wir sind für den Rechtsstaat?
    Leser: Für mich ist Höckes Äußerung zum Mahnmal nicht demokratisch, sondern rechts.
    Gauland: Wenn Sie diese Dresdner Rede ansprechen, er hat sich klar zu dem Satz bekannt, dass er es als Mahnmal der Schande bezeichnet hat – und nicht das Gedenken an den Holocaust als Schande. Zudem hat er es öffentlich auf dem Parteitag in Arnstadt in Thüringen bedauert.
  • 29.08.17 15:50
    Leserfrage zur Zerstrittenheit in der AfD:
    "Ich möchte das gar nicht bestreiten. Wir sind eine Graswurzelpartei. Ich habe das mal als gärigen Haufen bezeichnet – so wie die frühen Grünen …
  • 29.08.17 15:47
  • 29.08.17 15:47
  • 29.08.17 15:47
    Leserfrage: Die Umfragewerte sind gesunken. War es ein Fehler, nicht stärker auf Frau Petry zu setzen?

    Gauland: Das müssen Sie Frau Petry fragen. Wir sind von der Partei aufgefordert worden, es zusammen zu machen. Sie wollte keine Spitzenkandidatin werden. Die Umfragewerte sind wieder zweistellig. Wir sind Opposition – wir sind keine Gesichter.
  • 29.08.17 15:45
    Gauland: "Die Beziehung zwischen Mann und Mann oder Frau und Frau ist keine Ehe" – verhaltener Applaus für Gauland.
  • 29.08.17 15:45
    Frage: Als homophobe Partei machen Sie eine offen homosexuelle Frau zur Spitzenkandidatin …
    Wir sind keine homophobe Partei. Aber wo wir eindeutig sind: Die Beziehung zwischen Gleichgeschlechtlichen ist keine Ehe.
  • 29.08.17 15:44
    Welche Haltung haben Sie zu Bürgerentscheiden à la Schweiz?
    Das ist eine unserer Grundüberzeugungen, dass wir das gern in der Verfassung hätten. Aber es gibt viele Vertreter, die sagen, Bürgerbeteiligung nur in Einzelfällen. Wir sind da anderer Meinung, trotz der Erfahrungen in der Weimarer Republik. Aber dass wir das im Bundestag durchsetzen können, nehme ich nicht an.
  • 29.08.17 15:42
    Leserfrage: Wie stehen Sie zum Paragraf 218?
    Das ist eine alte und schwierige Diskussion, die ich noch in der CDU erlebt habe. Ich würde an der Abtreibungsregelung, so wie sie jetzt steht, nichts ändern wollen.
  • 29.08.17 15:40
    Nochmalige Nachfrage Büchners: Das gilt also nicht für Pegida oder die Identitäre Bewegung?
    Das gilt für die DVU und die NPD.
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Alle Informationen rund um die Bundesleserkonferenz finden Sie hier.

Von Daniel Killy/RND

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