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Politik Gauck bricht Besuch in Jena ab
Nachrichten Politik Gauck bricht Besuch in Jena ab
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17:46 23.11.2016
Sichtlich angeschlagen: Die Gesprächsrunde mit Wissenschaftlern des Forschungscampus in Jena brachte Bundespräsident Joachim Gauck noch zu Ende, bevor er den Besuch in der Universitätsstadt abbrach. Quelle: dpa
Jena

Wegen eines Infekts hat Bundespräsident Joachim Gauck seinen Besuch in Jena abgebrochen. Er fühle sich unwohl, erklärte der 76-Jährige am Mittwochnachmittag nach einer Gesprächsrunde mit Wissenschaftlern. Daraufhin sagte er seine Teilnahme an den weiteren Terminen in der Stadt ab. Eigentlich hatte Gauck nach seiner Stippvisite zu Spitzenforschung im Gesundheitsbereich noch die Stadtkirche besichtigen und das ehrenamtliche Engagement von Bürgern würdigen wollen.

Bundespräsidialamt: „Nichts Ernstes“

Das Bundespräsidialamt versicherte, dass es sich bei dem Infekt um „nichts Ernstes“ handle. Den Angaben nach sollte Gauck am Mittwoch zurück nach Berlin fliegen. Gauck war erst Ende vergangener Woche von einer Japan-Reise zurückgekehrt.

Am Vormittag hatte sich Gauck in Jena noch einen weißen Kittel übergestreift und im Biotechnikum des Leibniz-Instituts für Naturstoff-Forschung und Infektionsbiologie über die Suche nach neuen Antibiotika informiert. Was er anschließend bei einem Gespräch mit jungen Wissenschaftlern aus dem Ausland hörte, stimmte ihn sichtlich froh. „Manchmal funktioniert das Multikulturelle eben“, konstatierte er. Zuvor hatte ihm eine Wissenschaftlerin aus China von ihrem Alltag in der Stadt berichtet. Ihr Kollege aus Italien erzählte, dass die Stadt sein zu Hause geworden sei und er hier bleiben wolle. An dem Institut selbst arbeiten Wissenschaftler aus rund 30 Ländern.

Gauck machte nach dem Gespräch keinen Hehl daraus, dass er sich so viel Internationalität und Weltoffenheit auch in anderen Bereichen der Gesellschaft wünscht. Doch auch in Jena hatte es dieses Jahr mehrfach Demonstrationen des fremdenfeindlichen Thügida-Bündnisses gegeben – zuletzt mit Fackeln am 9. November, dem Jahrestag des Mauerfalls und der Pogromnacht von 1938. Allerdings hatte sich eine Vielzahl von Bürgern dem entgegengestellt.

Vor diesem Hintergrund bedauerte der Bundespräsident, dass in der medialen Wahrnehmung „problematische Bevölkerungsgruppen“ häufig dominierten. Auch hier in Jena gebe es genug Menschen, die die Gesellschaft aufbauen und für Würde und Respekt eintreten. Deswegen müsse man sich vor destruktiven Teilen der Gesellschaft nicht fürchten.

„Wir brauchen auch das Bewusstsein für welche guten Dinge wir hier im Osten Deutschlands stehen“, sagte der 76-Jährige und führte an, dass mehr als 6000 junge Menschen aus dem Ausland in Thüringen studieren. „Das bedeutet, dass hier auch eine Weltoffenheit herrscht, die in anderen Teilen Deutschlands vielleicht für die hiesige Region so nicht vermutet wird, die aber tatsächlich existiert.“

Gauck wirkte angeschlagen

Gauck hatte gleich bei seiner Ankunft seine Verbundenheit mit Jena deutlich gemacht: „Ich bin Ehrendoktor der hiesigen Universität.“ Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) betonte, dass Jena in der Forschungslandschaft ganz vorn mitspiele. „Wir haben in Jena die höchste Forscherdichte auf 1000 Einwohner in ganz Deutschland.“

Später sprach Gauck noch mit Wissenschaftlern des Forschungscampus InfectoGnostics darüber, wie Forschungsergebnisse in Zusammenarbeit von Hochschulen und Unternehmen schneller in marktfähige Anwendungen überführt werden können. Allerdings wirkte Gauck schon zu Beginn der Runde angeschlagen. Bevor er den Raum verließ, ließ er es sich aber nicht nehmen, mit den Gesprächsteilnehmern für ein Foto zu posieren.

Jenas Oberbürgermeister Albrecht Schröter (SPD) zeigte sich trotz des jähen Endes zufrieden mit dem Besuch des Bundespräsidenten und wünschte ihm gute Besserung. „Jena hat sich als offene und innovative Stadt präsentiert. Der Bundespräsident war zutiefst beeindruckt von Jenas internationaler Ausstrahlung.“ Gauck habe ihm zugesagt, noch einmal nach Jena zu kommen und die ausgefallenen Programmpunkte nachzuholen.

Von RND/dpa

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