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Politik Friedrich Merz beherrscht die Spielregeln noch immer
Nachrichten Politik Friedrich Merz beherrscht die Spielregeln noch immer
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17:38 31.10.2018
Friedrich Merz bei seinem Auftritt in der Bundespressekonferenz: Er hat sichtlich Freude. Quelle: Wolfgang Kumm/dpa
Berlin

Friedrich Merz war wie immer. Federnden Schrittes marschierte der 62-Jährige durch das Atrium der Bundespressekonferenz auf den Saal zu, in dem er jetzt etwas für die Republik nicht ganz Unwichtiges sagen wollte. Kein graues Haar war zu sehen. Stattdessen präsentierte sich der Sauerländer mit braunem Teint und trotz fortgeschrittenen Alters so gertenschlank wie in den frühen Nullerjahren, als er als Unionsfraktionschef zunächst eine bedeutende Rolle spielte, nach der Bundestagswahl 2002 jedoch von der CDU-Vorsitzenden Angela Merkel und dem damaligen CSU-Vorsitzenden Edmund Stoiber gestürzt wurde, schließlich allmählich vom Radar der Öffentlichkeit verschwand und 2009 auch aus dem Bundestag ausschied.

Am Montag hatte Merkel bekanntlich ihren Rückzug vom CDU-Vorsitz angekündigt. Noch am selben Tag ließ Merz verbreiten, er werde sich vielleicht um ihre Nachfolge bewerben. Am Dienstag folgte eine entsprechende Erklärung. Am Mittwoch nun erschien Merz leibhaftig vor Dutzenden Kameramännern und Journalisten, von denen ihn die meisten lange nicht gesehen hatten. Ja, Friedrich Merz ist gewissermaßen der „Schläfer“ der deutschen Politik. Jetzt ist er aufgewacht.

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Zunächst ließ sich der Aufsichtsratschef des Vermögensverwalters BlackRock etwa zwei Minuten bereitwillig filmen und fotografieren. Frische Bilder sind rar. Anschließend hielt er einen Vortrag, warum er den Parteivorsitz anstrebt. Zehn Minuten, das musste reichen. Weitere zehn Minuten standen für Fragen und Antworten zur Verfügung. Ja, Merz weiß, dass Güter auch in der Politik umso begehrter werden, je knapper man sie hält.

„Zu versöhnen gibt es nichts“

Einerseits wurde das Land eines Rückkehrers ansichtig, den die Älteren noch gut kennen. Er sagte kompakte Sätze wie: „Die CDU braucht jetzt Aufbruch und Erneuerung.“ Oder: „Die Wählerinnen und Wähler erwarten einen klaren Kurs.“ Man dürfe sie „nicht mit Floskeln abspeisen“. Das waren Sätze für seine Anhänger: scharfkantig. Zugleich erklärte Merz: „Ich freue mich auf eine lebendige Diskussion“ – und erwarte einen fairen Wettbewerb mit seinen Konkurrenten, CDU-Generalsekretärin Annegret Kramp-Karrenbauer und Bundesgesundheitsminister Jens Spahn. Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Armin Laschet wird, wie man seit Mittwoch weiß, nicht antreten. So hat er die Bezirksvorsitzenden der Landespartei wissen lassen, dass bei der geplanten Trennung von Kanzleramt und Parteivorsitz das Amt des Regierungschefs im größten Bundesland mit dem Bundesvorsitz nicht zu vereinbaren sei. Das dürfte Merz‘ Chancen deutlich erhöhen.

Andererseits unternahm derselbe Merz alles, Vorbehalte gegen ihn zu zerstreuen. Er begann mit der bescheiden klingenden Bemerkung „Mein Name ist Friedrich Merz“, zeigte sich als „überzeugter Europäer und Transatlantiker“, warb für gesellschaftlichen Zusammenhalt, nannte den Klimawandel als zentrales Thema und will sich jungen Menschen ebenso zuwenden wie Frauen. Überdies wies Merz Berichte zurück, er habe einst einen Hartz IV-Satz von 132 Euro für ausreichend gehalten oder sei sonst der sozialen Kälte verdächtig. Nein, der Kandidat will kein Neoliberaler sein, sondern allenfalls ein Wirtschaftsliberaler. Und bei BlackRock sei er zwar Aufsichtsrats-, aber eben kein Vorstandschef. Da gebe es mit seinem angestrebten politischen Amt also überhaupt keinen Konflikt.

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Bleibt die Frage, wie es dieser Friedrich Merz mit seiner langjährigen Kontrahentin hält, der er ehedem so schmerzhaft unterlag: mit Angela Merkel. Hier übte sich der Christdemokrat ebenfalls in Diplomatie. Ziemlich zu Beginn seines Vortrags sagte er: „Angela Merkel verdient großen Respekt und Anerkennung“ – selbst wenn er inhaltlich nicht mit allem einverstanden sei, was sie vertrete. Ja, Merz ging so weit, mit Blick auf seinen 16 Jahre zurück liegenden Sturz als Fraktionschef zu erklären, die Umstände hätten ihm „nicht gefallen“, doch Partei- und Fraktionsvorsitz in einer – sprich: Merkels – Hand zu vereinen, sei richtig gewesen. Eine Garantie, dass es mit ihm als Parteichef und Merkel als Kanzlerin bis zum Ende der Legislaturperiode 2021 gut gehen würde, gab Merz indes nicht. Er sagte bloß: „Ich bin bereit, mich auf das Wagnis einzulassen.“ Und: „Zu versöhnen gibt es zwischen Angela Merkel und mir nichts.“ Das nährt die Zweifel.

Vor der Pressekonferenz hatte es geheißen, der Auftritt werde 20 Minuten dauern, länger nicht. Tatsächlich erhob sich Friedrich Merz nach ziemlich genau 20 Minuten wieder von seinem Platz. Ein Mann, ein Wort. Außerdem: Er hat jetzt zu tun.

Von Markus Decker/RND

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