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Politik Fall Akhanli: Anwalt rechnet nicht mit Auslieferung
Nachrichten Politik Fall Akhanli: Anwalt rechnet nicht mit Auslieferung
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09:54 21.08.2017
Im Visier von Erdogans Schergen: Der deutsche Schriftsteller Dogan Akhanli. Quelle: dpa
Berlin

Der Anwalt des in Spanien festgenommenen deutschen Schriftstellers Dogan Akhanli, Ilias Uyar, rechnet nicht mit einer Auslieferung seines Mandanten an die Türkei. Dort sei ein rechtsstaatlicher Prozess gegen seinen Mandanten nicht möglich, sagte Uyar der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung". Akhanli selbst erklärte im "Tagesspiegel"-Interview: "Ich bin kein Anwalt, aber als Schriftsteller würde ich behaupten: Das darf doch nicht wahr sein, dass man jemanden an ein Land, in dem immer noch Ausnahmezustand herrscht und in dem der Rechtsstaat mit Füßen getreten wird, ausliefert." Akhanli muss sich am Montag zum ersten Mal bei einem Sondergericht in Madrid melden.

Im Auslieferungsverfahren hat die spanische Regierung das letzte Wort. Die Türkei hat nun 40 Tage Zeit, ihren Auslieferungsantrag zu begründen. Die Bundesregierung will Akhanlis Auslieferung an die Türkei verhindern. Justizminister Heiko Maas (SPD) bekräftigte laut "Bild": "Das rechtsstaatliche Europa darf nicht zulassen, dass jeder Kritiker des türkischen Regimes der willkürlichen Verfolgung ausgesetzt ist."

Er sei stolz und froh, deutscher Bürger zu sein und diese Unterstützung zu haben, sagte Akhanli im "Tagesspiegel"-Interview. "Das ist im Moment die einzige Sicherheit für mich, dass ich Deutscher bin. Es gibt keine andere Sicherheit, aber es ist vielleicht die einzige und beste." Dennoch habe er Angst. "Das ist für mich eine sehr bedrohliche Situation."

Die Festnahme sei ein Schock gewesen. "Das ist wirklich erschreckend, weil ich dachte, dass ich in Europa sicher bin." Die spanischen Polizisten, die an seiner Zimmertür im Hotel klopften, seien offenbar überrascht gewesen, "weil sie einen Terroristen gesucht haben und dann stand ein zierlicher alter Mann vor ihnen. Das Bild passte nicht, da erschreckten sich die Polizisten auch."

Anwalt Uyar betonte, sein Mandant habe von der deutschen Polizei keinen Hinweis darauf erhalten, dass ihm bei einer Auslandsreise Gefahren drohten. Er glaube, dass Akhanli in Spanien von der Türkei bespitzelt worden sei, sagte Uyar dem Bayerischen Rundfunk. "Es war eine zielgerichtete Festnahme, kein Zufallstreffer in dem Sinne, so dass ich nicht daran glauben kann, dass das aufgrund einer guten Polizeiarbeit dazu gekommen ist", erklärte der Anwalt im "radioWelt"-Interview von Bayern 2. Akhanli gehe es nach der Freilassung "eigentlich ganz gut".

Der 60-jährige Kölner Autor schrieb in seinem Buch "Die Richter des Jüngsten Gerichts" über den Völkermord an den Armeniern 1915 und kritisierte den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan.

Der Vorwurf der Türkei laute auf Mitgliedschaft in einer bewaffneten terroristischen Vereinigung, erläuterte Carlos Collado Seidel, Generalsekretär des deutschen Zentrums der Schriftstellervereinigung PEN. Diese Anschuldigungen entbehrten jeder Grundlage.

Von RND/epd