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Politik „Es war eine Tat des Bösen“
Nachrichten Politik „Es war eine Tat des Bösen“
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17:25 06.11.2017
Quelle: AP
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Sutherland Springs

Auffällig ist, dass das Verbrechen an einem düsteren Jahrestag stattfand: Vor genau acht Jahren wurden in Fort Hood 13 Menschen erschossen und 42 verletzt.

Der Gottesdienst hatte gerade begonnen, als der Attentäter mit seinem Auto unweit des Kirchengeländes heranfährt, aussteigt und zu einem halbautomatischen Gewehr des Typs Ruger AR-556 greift. Der 26-jährige trägt einen schwarzen Kampfanzug mit schusssicherer Weste und eröffnet sofort das Feuer. Zwei Menschen sinken vor der Kirchentür tödlich getroffen zu Boden, dann wechselt der Schütze das Magazin, betritt das Gebäude und nimmt die versammelten Gläubigen ins Visier. Wie die Polizei später mitteilt, fallen in den folgenden Minuten weitere 24 Menschen dem Massaker zum Opfer. Als der Täter schließlich die Flucht ergreift, tritt ihm ein bewaffneter Nachbar entgegen, der den Kirchenbesuchern zu Hilfe eilt. Noch ist das Geschehen nicht vollständig rekonstruiert, aber bei dem Schusswechsel wird der Massenmörder nach Polizeiangaben verletzt. Er lässt seine Waffe fallen, schleppt sich zum Auto, rast davon und verliert Minuten später die Kontrolle über seinen Wagen. Wie Sheriff Joe Tackitt dem US-Sender CNN am Montag sagte, hat sich der Täter selbst erschossen.

Am Tatort bietet sich den Polizisten ein erschütterndes Bild: Die Leichen liegen zwischen den Kirchenbänken, im Haupteingang versorgen Ärzte die Verletzten, und Überlebende liegen sich weinend in den Armen. Nachbarn aus der kleinen Landgemeinde eilen herbei und versuchen zu helfen. Die Opfer waren nach Polizeiangaben zwischen fünf und 72 Jahre alt. Unter ihnen befindet sich auch die 14-jährige Tochter des Pastors und eine dreifache Mutter, die mit dem vierten Kind schwanger war.

„Glücklicherweise gab es einen bewaffneten Mann“

Sheriff Joe Tackitt hält sich mit Spekulationen über die Hintergründe der Tat zurück: „Ein Motiv können wir bisher nicht erkennen.“ Eine Verbindung des Täters zu der Kirche sei nicht bekannt. Fest steht, dass der Schütze in den vergangenen Jahren verhaltensauffällig war und straffällig wurde. Wie das Verteidigungsministerium in Washington mitteilt, war Devin K. Soldat der US-Luftwaffe und wurde 2014 wegen schlechten Verhaltens entlassen. 2012 hatte ihn ein Militärgericht wegen Gewalt gegen seine Partnerin und gegen das gemeinsame Kind zu einer einjährigen Haftstrafe verurteilt. Zuletzt lebte K. in New Braunfels.

Texas Gouverneur Greg Abbott spricht vom schlimmsten Massaker eines Einzeltäters in der Geschichte des Bundesstaates. Gegenüber dem Nachrichtensender Fox News will sich Abbott nicht zu den lockeren Waffengesetzen in Texas äußern, sondern fordert die Kirchen auf, ihre Gottesdienste und Versammlungen besser zu schützen. Ähnlich äußert sich Donald Trump, der zurzeit auf einer Asienreise unterwegs ist: „Es war eine Tat des Bösen. Glücklicherweise gab es einen bewaffneten Mann, der den Verbrecher stoppen konnte“, sagte der Präsident bei einem Zwischenstopp in Japan. Schuld an dem Drama sei die schwere psychische Störung eines einzelnen Menschen.

Auch der frühere Präsident Barack Obama kondoliert, fordert aber per Twitter zu einem anderen Umgang mit Waffen und Gewalt auf. Die katholische Kirche meldet sich am Sonntagabend zu Wort und verlangt nach schärferen Waffengesetze. So spricht Kardinal Daniel DiNardo, Vorsitzender der US-Bischofskonferenz, von einem grundlegenden Problem Amerikas: „Eine Kultur des Lebens darf sinnlose Waffengewalt nicht tolerieren.“

Das Massaker von Sutherland Springs ereignete sich nur fünf Wochen nach dem schweren Verbrechen von Las Vegas: Am 1. Oktober hatte ein 64-Jähriger auf Festivalbesucher in der Touristenstadt geschossen, 58 Menschen getötet und mehr als 500 verletzt.

Wenig Chancen auf schärfere Waffengesetze

Mit strengeren Waffengesetzen in Amerika ist nach dem Massenmord in Sutherland Springs nicht zu rechnen. Obwohl es in den vergangenen Jahren in den USA zu mehreren Attentaten mit halbautomatischen Sturmgewehren kam, stellte Ken Paxton, Justizminister von Texas, am Montag klar: „Wir werden keine Hindernisse für gesetzestreue Bürger errichten, die Schusswaffen besitzen wollen.“

Die einflussreiche Waffenlobby „National Rifle Association“ (NRA) sieht sich in ihrer Argumentation durch das jüngste Verbrechen sogar eher bestätigt. Seit Jahren verteidigt NRA-Direktor Chris W. Cox seine Mitglieder mit dem Motto: „Ein schlechter Mensch mit einer Waffe lässt sich nur von einem guten Menschen mit einer Waffe stoppen.“ Auf diese Wortwahl zielt auch Präsident Donald Trump mit seiner Stellungnahme am Sonntag in Japan ab.

Von Stefan Koch/RND

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