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Politik Erreicht Deutschland eigentlich seine Klimaziele?
Nachrichten Politik Erreicht Deutschland eigentlich seine Klimaziele?
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16:11 02.06.2017
Wasserdampfschwaden steigen aus den Kühltürmen des Braunkohlekraftwerkes der Vattenfall AG in Jänschwalde (Brandenburg). Quelle: dpa
Berlin

Fast zeitgleich mit US-Präsident Donald Trump in Washington hielt am Donnerstagabend auch Ulrich Freese im Bundestag in Berlin eine Rede zum Klima. Der SPD-Bundestagsabgeordnete aus der Lausitz kämpfte wieder einmal gegen Deutschlands Ausstieg aus der Braunkohle. Würde Deutschland jetzt die Braunkohleverstromung beenden, würden maximal 200 Millionen Tonnen CO2 aus dem System genommen. „Das ist so ähnlich, wie wenn in China ein Sack Reis umfällt in seiner Wirkung auf das Weltklima.“ Zur gleichen Zeit sagt Trump in Washington: „In zwei Wochen hat China all unsere Einsparungen ausgelöscht.“

Nicht nur die USA halten mit dem Argument, Arbeitsplätze zu erhalten, an klimaschädlichen Energieträgern fest. Auch Deutschland tut dies. Die Ministerpräsidenten von Brandenburg und Sachsen, Dietmar Woidke (SPD) und Stanislaw Tillich (CDU), lehnen es immer wieder ab, einen Zeitrahmen für den Kohleausstieg zu setzen. „8000 Arbeitsplätze hängen direkt und weitere zigtausende Arbeitsplätze indirekt von der Braunkohle ab.“, sagte Woidke zum Jahresanfang. Nicht zuletzt auf Druck aus Brandenburg und Sachsen hatte Deutschland versucht, eine Verschärfung der EU-Grenzwerte für Kraftwerks-Abgase zu verhindern. Diese machen die Braunkohle-Kraftwerke vermutlich bald unrentabel.

„Im bisherigen Tempo können wir nicht weitermachen“

„Entschlossener denn je“ werde Deutschland die Herausforderung durch den Klimawandel angehen, sagte die Kanzlerin in ihrer Reaktion auf den Ausstieg der USA aus dem Pariser Abkommen. Allzu entschlossen war die Bundesregierung bisher nicht: Die selbst gesteckten Klimaziele für 2020 und 2030 wird Deutschland vermutlich nicht erreichen, ergaben aktuelle Zahlen des Umweltbundesamtes (UBA) vor einigen Wochen. 2020 sollten die CO2-Emissionen 40 Prozent geringer sein als noch 1990. Um dies noch zu erreichen, fordert UBA-Leiterin Maria Krautzberger im „Spiegel“ auch „unpopuläre“ Maßnahmen: „Im bisherigen Tempo können wir nicht weitermachen.“ Dazu gehöre eine streckenabhängige Maut, die Abschaffung der Pendlerpauschale und Mindestquote für Elektroautos.

Nach ersten Berechnungen könnte der Ausstieg der USA aus dem Pariser Klimaabkommen eine zusätzliche Erderwärmung um bis zu 0,3 Grad zum Ende des Jahrhunderts bedeuten. Das sagte Deon Terblanche, Direktor der Abteilung für Atmosphärenforschung bei der Weltwetterorganisation. Solche Vorhersagen sind naturgemäß sehr vage. Sicher ist nur: Das wären viele Säcke Reis.

Von Jan Sternberg/RND

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