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Politik Erdogan auf großer Einkaufstour bei Putin
Nachrichten Politik Erdogan auf großer Einkaufstour bei Putin
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14:55 01.08.2017
Zwei, die sich wieder gut verstehen: Der türkische Präsident Erdogan (re.) hat mit Russlands Staatschef Putin einen milliardenschweren Waffendeal ausgehandelt. Quelle: AP
Ankara

Seit November 2016 verhandelt die Türkei mit Russland über die Lieferung von S-400 Luftabwehrraketen. Jetzt sind die Gespräche offenbar in der Zielgeraden: „Wir stehen bei dem Geschäft an einem guten Punkt und erwarten einen baldigen Abschluss“, erklärte kürzlich Ibrahim Kalin, der Sprecher des türkischen Staatschefs. Erdogan selbst bestätigte vergangene Woche in einer Rede vor Abgeordneten seiner Regierungspartei: „So Gott will, werden wir die S-400 bald in unserem Land sehen.“ Nach Informationen türkischer Medien will Ankara 2018 zunächst zwei Batterien mit jeweils vier Lenkwaffen aus Russland beschaffen. Zwei weitere Batterien sollen später in der Türkei montiert werden. Das Geschäft könnte ein Volumen von rund 2,5 Milliarden Dollar erreichen.

Die Türkei sucht seit Jahren nach modernen Luftabwehrraketen. Jetzt schrillen in der Nato und in Washington die Alarmglocken. Denn das russische System ist nicht mit der Sicherheitsarchitektur der Allianz kompatibel. Es wäre „generell eine gute Idee, wenn Verbündete kompatible Ausrüstung beschaffen“, sagte Pentagon-Sprecher Jeff Davis am Montag. Das S-400-Luftwabwehrsystem gilt zwar als sehr leistungsfähig. Aber um die S-400 sinnvoll zu nutzen, müsste die Türkei nach Meinung von Militärexperten ein eigenes Radarsystem aufbauen. Das würde weitere Milliarden verschlingen und Jahre dauern.

Langfristig angelegter Technologie-Transfer mit Russland

Erdogan scheint dennoch entschlossen, das Vorhaben durchzuziehen. Jedes Land müsse für seine Sicherheit sorgen, so der türkische Präsident. Lange habe man mit den USA über die Lieferung des Luftabwehrsystems Patriot verhandelt – ohne Ergebnis. „Deshalb planen wir jetzt den Einsatz der S-400, ob es ihnen nun gefällt oder nicht“, sagte Erdogan vergangene Woche in Ankara. Er geht damit einen Schritt weiter auf Distanz zum Westen. Die Beziehungen der Türkei mit den meisten europäischen Nato-Mitgliedern sind wegen Erdogans zunehmend autoritärem Kurs und den „Säuberungen“ nach dem Putschversuch ohnehin gespannt. Auch im Verhältnis der Türkei zu den USA gibt es jede Menge Konfliktstoff – wie die Weigerung Washingtons, den Erdogan-Erzfeind Fethullah Gülen auszuliefern oder die militärische Zusammenarbeit der USA mit der syrischen Kurdenmiliz YPG, die von Ankara als Terrororganisation eingestuft wird.

Während sich die Beziehungen der Nato zu Russland auf dem tiefsten Punkt seit dem Ende des Kalten Krieges befinden, sucht Erdogan die Nähe des Kremlchefs Wladimir Putin. Von der Krise nach dem Abschuss eines russischen Bombers durch die türkische Luftwaffe im syrischen Grenzgebiet Ende 2015 haben sich die Beziehungen schnell wieder erholt. Mitte August 2016 besiegelten Putin und Erdogan bei einem Treffen in Sankt Petersburg die Aussöhnung. Schon damals kündigte Erdogan an: „Wir werden unsere Zusammenarbeit in der Rüstungsindustrie verstärken.“ Putin könnte hoffen, damit einen Keil in die Nato zu treiben. Erdogans Sprecher Kalin unterstreicht, es gehe bei dem Deal nicht nur um den Einkauf eines Rüstungssystems. Die S-400-Beschaffung sei vielmehr der Beginn eines langfristig angelegten Technologie-Transfers zwischen Russland und der Türkei.

Von Gerd Höhler/RND

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