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Politik Erdogan: „Wenn ich will, komme ich morgen“
Nachrichten Politik Erdogan: „Wenn ich will, komme ich morgen“
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22:03 05.03.2017
Der der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan auf einer Veranstaltung am Sonntag. Quelle: Pool Presidential Press Service
Istanbul

„Ich habe gedacht, der Nationalsozialismus in Deutschland ist vorbei, aber er geht noch immer weiter“, sagte Erdogan am Sonntagabend in Istanbul nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur Anadolu. Einige Stunden zuvor hatte Erdogan Deutschland als Reaktion auf das Auftrittsverbot von türkischen Ministern in Deutschland „Nazi-Praktiken“ vorgeworfen. 

Zu Berichten, dass er selbst einen Auftritt in Deutschland plane, sagte Erdogan Anadolu zufolge: „Wenn ich will, komme ich morgen. Ich komme und wenn ihr mich nicht hereinlasst oder mich nicht sprechen lasst, dann werde ich einen Aufstand machen.“ 

Deutsche Politiker reagieren empört

Erdogan strebt ein Präsidialsystem an, das ihm deutlich mehr Macht verleihen und das Parlament schwächen würde. An der Volksabstimmung am 16. April können auch im Ausland lebende wahlberechtigte Türken teilnehmen, darunter rund 1,41 Millionen in Deutschland.

Deutsche Politiker reagierten empört, sprachen von „unverschämten“ und „geschichtsvergessenen“ Entgleisungen und forderten eine Entschuldigung Erdogans. „Das ist ein unglaublicher und nicht akzeptabler Vorgang, dass der Präsident eines Nato-Mitgliedes sich so über ein anderes Mitglied äußert“, sagte Unions-Fraktionschef Volker Kauder (CDU) im ARD-„Bericht aus Berlin“. „Unverschämt, geschichtsvergessen, anmaßend!“, urteilte CDU-Vize Julia Klöckner auf Twitter.

Gabriel will sich mit Cavusoglu treffen

Erdogan konterkarierte damit auch Bemühungen um eine Verständigung zwischen Ankara und Berlin. Ministerpräsident Binali Yildirim sprach am Sonnabend in einem einstündigen Telefonat mit Kanzlerin Angela Merkel (CDU) auch über die Wahlkampfauftritte, wie Anadolu meldete. Die Türkei werde ihre „Taktik beim Wahlprogramm etwas ändern“, sagte Yildirim demnach. Das Gespräch wurde in Berlin bestätigt, Details aber nicht genannt.

In dieser Woche will sich Außenminister Mevlüt Cavusoglu mit seinem deutschen Kollegen Sigmar Gabriel treffen. Der SPD-Politiker warnte vor einer weiteren Eskalation der Lage. „Wir dürfen das Fundament der Freundschaft zwischen unseren Ländern nicht kaputt machen lassen“, schrieb er in der „Bild am Sonntag“.

Von dpa/RND