Menü
Dresdner Neueste Nachrichten | Ihre Zeitung aus Dresden
Anmelden
Politik Ekel-Vorwürfe gegen Assange: Hat der Wikileaks-Gründer den Verstand verloren?
Nachrichten Politik Ekel-Vorwürfe gegen Assange: Hat der Wikileaks-Gründer den Verstand verloren?
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
14:53 12.04.2019
Julian Assange, Mitbegründer der Enthüllungsplattform Wikileaks, bei seiner Verhaftung am Donnerstag in London. Quelle: Victoria Jones/dpa
London

Aus dem smarten, rebellischen Hacker von einst ist scheinbar ein ungepflegter alter Mann geworden: Die fast sieben Jahre in der ecuadorianischen Botschaft haben Julian Assange sichtbar zugesetzt. Die ecuadorianische Regierung erhebt nun sogar Ekel-Vorwürfe gegen ihn. Wie konnte es so weit kommen?

Unter welchen Verhältnissen lebte Assange in der Botschaft?

2012 flüchtete Assange in die Botschaft in London, um einer Verhaftung im Zusammenhang mit Vergewaltigungsvorwürfen zu entgehen. Die Botschaft besteht nur aus einigen kleinen Zimmern. Die ersten Monate gab es noch nicht mal eine Dusche, sie musste eingebaut werden, ebenso eine kleine Kochecke. Assange hatte lange ein Zimmer ohne Fenster und Tageslicht. Unterstützer brachten ihm Tageslicht-Lampen. Da er die Botschaft nicht verlassen konnte, stellte man ihm ein Laufband zur Verfügung, um seinen körperlichen Verfall zu stoppen.

Warum verschlechterte sich das Verhältnis zu seinen Gastgebern?

Assange gilt als schwierige und egozentrische Persönlichkeit. Mit dem Botschaftspersonal soll es immer wieder zu Auseinandersetzungen, gekommen sein, unter anderem über die Säuberung des Bads. Ecuadors Präsident Lenin Moreno nannte ihn am Donnerstag einen „verzogenen Balg“.

Fast sieben Jahre lebte Julian Assange in der ecuadorianischen Botschaft in London, um seiner Festnahme zu entgehen. Nun hat das Land ihn vor die Tür gesetzt - und die britische Polizei schlug umgehend zu. Die USA wollen eine Auslieferung.

2018 hatte Assange vor einem Gericht in Ecuador gegen die Bedingungen seiner Unterbringung geklagt – und verloren. Die Botschaft warf Assange unter anderem vor, unerlaubt Elektronik und Störsender installiert zu haben. Außerdem soll er die Außenkameras der Botschaft blockiert haben.

Welchen menschlichen Kontakt hatte Assange in der Zeit?

Wegen des sich zuspitzenden Konflikts mit seinen Gastgebern, durfte Assange immer wieder über längere Phasen keinen Besuch empfangen, telefonieren oder das Internet benutzen. Vereinzelt besuchten ihn Freunde oder Unterstützer, wie 2017 deutsche Politiker der Linken. Für Aufsehen sorgten Besuche des Pop-Stars Lady Gaga und der Schauspielerin Pamela Anderson.

Mit letzterer wurde Assange sogar ein Affäre nachgesagt. Insgesamt führte der Wikileaks-Gründer aber ein eher einsames Leben in der Botschaft. Im Jahr 2016 bekam Assage von Freuden ein kleines Kätzchen geschenkt, um sich die Zeit besser zu vertreiben. Die Samtpfote bekam unter @embassycat sogar einen eigenen Twitter-Account.

Was ist mit der Katze passiert?

Im vorigen Jahr berichteten Medien, Assage habe die Katze weggegeben, da die Botschaft ihn verpflichtet habe, selbst für das Futter und den Unterhalt des Tieres zu sorgen. Nun schrieben die Anwälte von Assange auf Twitter allerdings, sie hätten die Katze nach Assanges Verhaftung mitgenommen und seiner Familie übergeben.

Ein Foto aus dem Jahr 2016: Eine Katze, mit Kragen und Krawatte ausgestattet, schaut aus dem Fenster der ecuadorianischen Botschaft. Quelle: AP Photo/Matt Dunham, File

Was ist von den Ekel-Vorwürfen gegen Assange zu halten?

Ecuadors Innenminister María Paula Romo rechtfertigte die Beendigung des Asyls für Assange unter anderem mit Ekel-Vorwürfen gegen ihn: „Viel zu lange wurden Dinge in unserer Botschaft toleriert, wie beispielsweise, dass Herr Assange Fäkalien an die Wände schmierte und andere Verhaltensweisen dieser Natur. Das ist weit vom minimalen Respekt entfernt, den ein Gast gegenüber einem Land haben müsste, das ihn in so großzügig aufgenommen hat.“

Diese Vorwürfe, die Assange in die Nähe eines Verrückten rücken, sind allerdings mit Vorsicht zu genießen. Die aktuelle, rechts gerichtete Regierung von Präsident Lenin Moreno lehnen sich eng an die USA an, die auf eine Auslieferung Assanges drängen. Asyl hatte Assange unter der linken und USA-kritischen Vorgängerregierung von Rafael Correa erhalten. Der Umgang mit Assange spielt zudem auch im inner-ecuadorianischen Machtkampf eine Rolle.

Wie geht es jetzt für Assange weiter?

Momentan sitzt der 47-Jährige in einem Londoner Gefängnis. Dort wird er auf seine körperliche und psychische Gesundheit hin untersucht. Ihm steht wohl ein langer Kampf gegen seine Auslieferung an die USA bevor – und weitere Monate oder sogar Jahre in einer beengten Zelle.  

Mehr zu Julian Assange

Festnahme in Großbritannien: Assange wird bei drohender Todesstrafe nicht ausgeliefert

Wortloser Protest: Dieses Buch hält Julian Assange in Richtung Kameras

Chronik: Julian Assange – vom Wikileaks-Gründer zum Staatsfeind

Jahre im Exil: Der irre Lebensweg des Wikileaks-Gründers Julian Assange

Leben in der Botschaft: Streit zwischen Ecuador und Assange verschärft sich

Von RND/cb

Kinder einkommensschwacher Familien sollen es zukünftig besser haben. Der Bundesrat hat ein Gesetz verabschiedet, das dabei unterstützen soll. Konkret geht es um bezahlte Mittagessen und Busfahrkarten, sowie Schulmaterialien und Vereinsbeiträge.

12.04.2019

NRW-Innenminister Herbert Reul kämpft in seinem Amt unter anderem gegen kriminelle Clans. Ganz losgelassen hat ihn das Thema offenbar auch nicht in seiner Freizeit.

12.04.2019

Das Beherrschen der deutschen Sprache gilt als Schlüssel zur Integration. Allerdings gelingt es immer weniger Zuwanderern, die geforderten Ziele in den Sprachkursen zu erreichen. Das Innenministerium spricht dennoch von einem Erfolg und verweist auf die fehlende Grundschulbildung vieler Migranten.

12.04.2019