Menü
Dresdner Neueste Nachrichten | Ihre Zeitung aus Dresden
Anmelden
Politik Eine ganze Szene driftet ab
Nachrichten Politik Eine ganze Szene driftet ab
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
21:32 25.01.2017
Stolz auf seinen Pass: Reichsbürger Joachim Widera zeigt seine Dokument. Quelle: dpa
Hannover, Aus Esoterikern werden Terroristen

Sie wähnen sich noch im Deutschen Reich. Sie erkennen die Bundesrepublik samt ihrer Behörden und Gesetze nicht an. Sie geben sich absurde Titel, hantieren mit längst vergangenen Landesgrenzen und kultischen Ritualen – und nicht selten auch mit rechtem Gedankengut. „Reichsbürger“ leben in einer sehr eigenen, in einer verkehrten Welt. Wer nach einem guten Beispiel für die trumpsche Wortschöpfung der „alternativen Fakten“ sucht, wird bei ihnen reichlich finden.

Doch wer „Reichsbürger“ als Kuriosität abtut, verkennt ihre Gefährlichkeit. Es gibt in Deutschland mittlerweile etwa 10.000 von ihnen. Und es werden jährlich mehr. Viele von ihnen sind bewaffnet – wie auch der „Reichsbürger“, gegen den die Bundesanwaltschaft wegen Terrorverdachts ermittelt. Der polizeibekannte Rechtsextremist plante offenbar Anschläge in Deutschland – auf Juden, Asylbewerber und Polizisten. Er hatte sich bereits Waffen und Sprengstoff besorgt und sich übers Internet mit Mitstreitern vernetzt.

Verfassungsschützer fürchten schon seit Monaten, dass einige der Esoteriker, von denen die meisten vor allem Verwaltungen gern mit seltsamen Klagen und Beschwerden überziehen, irgendwann zu Terroristen werden könnten. Ihr Befund: „Reichsbürger“ werden immer radikaler und gewaltbereiter. Und: Sie verbinden sich zunehmend in die rechte Szene hinein. Die Ablehnung der Gesetze, das Deutsche Reich, Antisemitismus, Fremdenhass, gegen das „System BRD“– die „Reichsbürger“-Ideologie bietet viele Anknüpfungspunkte.

Der unheimliche Aufstieg der „Reichsbürger“ geht deshalb nicht zufällig einher mit einer rechten Welle, die die Republik seit 30 Jahren nicht erlebt hat. Die Grenzen zwischen Populisten und Neonazis, zwischen Pegida und Kameradschaften, zwischen der Rechtsrockszene und „Reichsbürgern“ verwischen an ihren Rändern. Von einer AfD-Rede in Dresden zu einer rechtsextremen Weltanschauung ist es bisweilen nicht mehr weit. Nicht nur die verbale Aufhetzung steigt. Auch die Gewaltbereitschaft in der Szene hat deutlich zugenommen. Täglich greifen Rechtsextremisten Flüchtlingsheime, Politiker oder Helfer an.

Die Gefahr am rechten Rand wächst schnell

Der besondere Fokus auf islamistischen Terror bleibt nötig. Die Gefahr am rechten Rand allerdings wächst mindestens ebenso schnell. Rechte Magazine, Netz-Sender und Internetseiten, Facebook-Gruppen und Twitter-Blasen sorgen für ein zusammenhängendes Info-Biotop, in dem man sich als Bürger des Deutschen Reiches genauso wenig allein fühlen muss, wie als Neonazi oder “praktizierender Druide“, wie sich der gestern verhaftete „Reichsbürger“ nennt. Wer nach Gründen für die Radikalisierung und das Abdriften ganzer Szenen sucht, muss in der verkehrten Welt im Internet ansetzen. Das gilt für IS-Terror und Rechtsterror gleichermaßen.

Von RND/Dirk Schmaler

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Jetzt hat die britische Regierung es eilig: Schon am Donnerstag soll ein Gesetzentwurf für die EU-Austrittserklärung der Briten in das Parlament eingebracht werden. Denn das muss diesem zustimmen, bevor der Brexit vollzogen werden kann.

25.01.2017

Der Grünen-Politiker Jürgen Trittin begrüßt die Ernennung von Martin Schulz zum künftigen SPD-Vorsitzenden und Kanzlerkandidaten. „Die Nominierung markiert den Abschied der SPD aus der Großen Koalition“, sagte Trittin dem RedaktionsNetzwerk Deutschland.

25.01.2017

François Fillon ist der konservative Hoffnungsträger gegen Marine Le Pen. Doch nun gerät er durch eine Enthüllung unter Druck. Am Ende könnte es einen lachenden Dritten geben. Die französische Justiz ermittelt.

25.01.2017