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22:47 23.08.2018
Der Österreichische Bundeskanzler Sebastian Kurz (l.) und Mike Mohring, Landesvorsitzender der CDU Thüringen. Quelle: Britta Pedersen/dpa
Erfurt

Aus den Lautsprechern dröhnen dramatische Orchesterklänge. Es ist, als kündigten sie einen Boxer an, der gleich in den Ring steigen wird. Aber es ist dann doch Österreichs Bundeskanzler Sebastian Kurz, der in die Erfurter Messehalle schreitet, in ganz und gar friedvoller Absicht. Kurz schüttelt eine Hand nach der nächsten, Thüringens CDU-Chef Mike Mohring macht ihn mit vielen Parteifreunden im Saal bekannt. Am Ende dieses Abends sind alle hier auch Kurz‘ Freunde.

Er sei zuletzt viel in Österreichs Tourismusregionen unterwegs gewesen, sagt Kurz in seiner Ansprache. „Ich habe in Österreich so viele Deutsche gesehen, da war ich in Sorge, ob heute Abend jemand hierher kommen würde“, scherzt er und versäumt es nicht, die Vorzüge seines Landes zu preisen. All jene, die noch nicht da waren, seien herzlich eingeladen. Freudige Lacher im Saal.

Drei Dutzend Menschen protestieren vor der Halle

Der österreichische Bundeskanzler ist am Donnerstagabend auf Einladung der thüringischen CDU-Fraktion nach Erfurt ins Messegelände gekommen. Letzten Sommer war die Kanzlerin zu Gast. Diesmal ist „der zweite Kanzler“ da, wie Mohring es formuliert. Draußen vor der Halle protestieren drei Dutzend junge Grüne und Gewerkschafter gegen Kurz, dem sie den Rechtsruck in Europa anlasten. Drinnen beklatschen 3300 CDU-ler den 31-jährigen Wiener. Das Motto des Abends - „Ein Europa, das beschützt“ – ist gleichlautend mit dem Motto der aktuellen österreichischen EU-Ratspräsidentschaft.

Drei Prioritäten habe er für den halbjährigen Ratsvorsitz, sagt Kurz und listet auf: den Schutz der europäischen Außengrenzen, die Sicherung des Wohlstands und die Hinwendung nach Afrika und zum Westbalkan. „Die Europäische Union ist erst dann komplett, wenn auch die Staaten des Westbalkans Teil der EU sind“, so Kurz.

Zu einer Koalition mit der AfD will Kurz der thüringischen CDU nicht raten

Die Thüringer CDU erhofft sich von diesem Besuch, dass ein bisschen was von Kurz’ Stahlkraft und seinem Erfolg auf sie abfärbt. Denn dieser Tage starten die Christdemokraten ins letzte Jahr vor der Landtagswahl, die im Spätsommer oder Herbst 2019 stattfinden soll. Mohring, Thüringens CDU-Chef, will dann die rot-rot-grüne Regierung des Linken Bodo Ramelow ablösen und selbst in die Erfurter Staatskanzlei einziehen. Seine Chancen stehen nach jetzigem Stand gar nicht schlecht – die Regierung hat in den Umfragen ihre Mehrheit eingebüßt.

Mit wem aber soll die CDU im Falle eines Wahlsiegs in Thüringen koalieren? Wie sehr taugt Österreich zum Vorbild, wo der Christdemokrat Kurz mit der rechten FPÖ regiert? Rät er Mohring zum Bündnis mit der AfD? „Nein, das würde ich ihm nicht raten“, sagt Kurz am Rande seines Besuchs. „In Österreich war die Konstellation eine völlig andere.“ Mohring hat eine Koalition mit der AfD bereits klar ausgeschlossen. Auch im Landtag hat er zwischen seiner Fraktion und der AfD eine Brandmauer eingezogen. Die beiden Oppositionsparteien kooperieren nicht. Die Thüringer AfD und ihr Fraktionschef Björn Höcke vertreten den ganz rechten Flügel der Partei.

„Alles, alles Gute für den Landtagswahlkampf“

Kurz hatte auch mal recht klare Worte für die FPÖ gefunden: „Die FPÖ ist eine Partei, die destruktiv ist, grundsätzlich wenig von der Europäischen Union hält und somit auch nicht auf europäische Lösungen setzt“ – das sagte der damalige Außenminister Kurz 2016 der Zeitung „Standard“. Inzwischen ist diese „destruktive“ Partei Koalitionspartner von Kurz‘ ÖVP, und die Wiener Regierung schiebt ein Vorhaben nach dem nächsten an – 12-Stunden-Tag, Streichung von Sozialleistungen und Mittel für Integrationsprojekte –, ohne dass es im Regierungsgebälk vernehmlich knirschen würde. Die einen bescheinigen Kurz, der seine Karriere als Integrationsstaatssekretär begann, eine unideologische, pragmatische Haltung. Andere werfen ihm Beliebigkeit und Opportunismus vor. Wie dem auch sei, eine Eigenschaft Kurz‘ ist unstrittig: Der junge Politiker im schmal geschnittenen Anzug beherrscht den kontrollierten, glatten Auftritt. Kaum Emotion, keine verbalen Ausschläge, stets darauf aus, smart und charmant rüberzukommen.

„Alles, alles Gute für den Landtagswahlkampf“, ruft er den Thüringern am Donnerstagabend zu. „Netter Bursche“, entgegnet eine Zuhörerin.

Von Marina Kormbaki/RND

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