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Politik Dutzende Tote bei Explosion nahe deutscher Botschaft
Nachrichten Politik Dutzende Tote bei Explosion nahe deutscher Botschaft
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14:36 31.05.2017
Die deutsche Botschaft wurde bei einem Anschlag in Afghanistans Hauptstadt Kabul schwer getroffen. Quelle: AP
Kabul

Bei der Explosion einer Autobombe im Botschaftsviertel in Kabul sind mindestens 80 Menschen getötet und bis zu 350 weitere verletzt worden. Darunter auch Bedienstete der deutschen Botschaft. Ein afghanischer Sicherheitsmitarbeiter, der das Gelände beschützte, wurde getötet, wie Außenminister Sigmar Gabriel (SPD) in Berlin mitteilte. Gabriel berichtete, der Anschlag sei in „unmittelbarer Nähe“ der deutschen Botschaft verübt worden. Am Vormittag seien alle Mitarbeiter in Sicherheit gebracht worden.

Im Diplomatenviertel der afghanischen Hauptstadt Kabul hat es am Mittwochmorgen einen Autobombenanschlag gegeben. Dutzende Menschen kamen bei der gewaltigen Explosion ums Leben, Hunderte weitere wurden verletzt.

Gabriel verurteilte die Bluttat aufs Schärfste. „Unsere Gedanken sind bei den Familien und Freunden der Opfer.“ Zugleich betonte er: „Solche Anschläge ändern nichts an unserer Entschlossenheit, die afghanische Regierung bei der Stabilisierung des Landes weiter zu unterstützen.“

Merkel: „Wir werden den Kampf gegen den Terrorismus gewinnen“

Wie Gabriel zeigte sich auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) entsetzt über die Terrorattacke. „Meine Gedanken und meine Anteilnahme gelten den Opfern dieses Anschlags und ihren Familien“, sagte Merkel am Mittwoch bei der Hauptversammlung des Deutschen Städtetags in Nürnberg.

„In Momenten wie diesen wird uns einmal mehr klar: Der Terrorismus kennt keine Grenzen. Er zielt auf uns alle – ob in Manchester oder Berlin, Paris, Istanbul, Sankt Petersburg oder heute Kabul. Wir sind heute über alle Grenzen hinweg in Entsetzen und in Trauer vereint.“ Zugleich gab sich Merkel entschlossen: „Wir werden den Kampf gegen den Terrorismus führen und wir werden ihn gewinnen.“

Viertel gilt als sicherstes der Stadt

Wie das Innenministerium erklärte, brachte ein Selbstmordattentäter den mit Sprengstoff gefüllten Wagen am Mittwoch im morgendlichen Berufsverkehr zur Explosion, nicht weit entfernt vom Präsidentenpalast, dem Außenministerium und mehreren ausländischen Botschaften, darunter die deutsche. Das Viertel Wasir Akbar Chan gilt eigentlich als das sicherste der afghanischen Hauptstadt.

Zunächst bekannte sich keine Gruppe zu der Tat. Aber die Terrormiliz Islamischer Staat und die Taliban haben in der Vergangenheit bereits ähnliche Anschläge in Kabul verübt. In einer Erklärung verurteilte das Innenministerium die Tat. „Diese Angriffe zeigen das extreme Ausmaß der Grausamkeit von Terroristen gegen unschuldige Zivilisten.“

Bilder in sozialen Netzwerken zeigten eine meterhohe Staubwolke, die über der Stadt aufstieg. Wem der Angriff galt, war zunächst nicht klar. Die meisten Opfer seien Zivilisten, sagte Nadschib Danisch, Vizesprecher des Innenministeriums. Die Explosion war so massiv, dass mehr als 50 Fahrzeuge zerstört oder beschädigt wurden. Im Umkreis von bis zu einem Kilometer zersprangen Fensterscheiben in Gebäuden.

Immer wieder Anschläge auf Kabul

Die Botschaften in Wasir Akbar Chan sind von hohen Schutzmauern umgeben und werden rund um die Uhr von afghanischen Sicherheitskräften bewacht.

Die Taliban hatten im April den Beginn ihrer Frühjahrsoffensive angekündigt, bei der sie jedes Jahr besonders viele Anschläge verüben. Erst am vergangenen Samstag hatte ein Selbstmordattentäter im Osten von Afghanistan 18 Menschen in den Tod gerissen.

Immer wieder gibt es Anschläge auf die afghanische Hauptstadt. Mindestens acht Menschen starben Anfang bei einem Bombenanschlag auf einen Nato-Konvoi, 25 weitere wurden verletzt. Die Terrormiliz Islamischer Staat bekannte sich zu dem Anschlag, der ebenfalls im morgendlichen Verkehr im Diplomatenviertel stattfand. Die radikalislamischen Taliban, aber auch der IS haben in Kabul seit Januar mindestens fünf große Anschläge begangen und dabei mehrere hundert Zivilisten getötet und verletzt.

Von RND/dpa/ap/epd/are