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21:07 28.05.2017
Donald Tusk, Justin Trudeau, Angela Merkel, Donald Trump, Theresa May, Paolo Gentiloni, Emmanuel Macron, Shinzo Abe und Jean-Claude Juncker beim Gipfel in Taormina. Quelle: imago/Insidefoto
Hannover

Allein die Seitenzahl spricht Bände: Magere sechs Seiten umfasst die Gipfelerklärung von Taormina. 2016, im japanischen Ise-Shima, waren es noch 23. Und nie zuvor war die Sprache so ehrlich. „Wir haben keine Einigung erzielt“, heißt es etwa beim Punkt 32, Klimawandel. Nichts mehr von „Fortschritte“, „allseitiges Bemühen“, „gute Grundlage“.

Es ist nicht das erste Mal, dass ein G-7-Gipfel mit eher magerem Ergebnis endet. Aber es ist das erste Mal, dass am Ende das Eingeständnis steht: So geht es nicht weiter.

Die bedeutendsten Industrieländer können sich zurzeit auf nichts einigen. Weder in Handelsfragen (Japan fühlt sich zwischen den USA und Europa hin- und hergerissen) noch in Flüchtlingsfragen („Euer Problem“, lassen Kanada, Japan und die USA die Europäer wissen) geben die G 7 seriöse Antworten, ganz zu schweigen von der Klimapolitik. Da will Washington erst mal noch ein bisschen nachdenken.

Nein, es liegt nicht an Donald Trump allein, dass Taormina ein Desaster wurde. Aber in den geradezu gespenstischen Gesprächsrunden ließ sich das Offensichtliche nicht länger verdrängen: Die US-Regierung verweigert sich ihrer traditionellen Führungsrolle und ihrer globalen Verantwortung und beschränkt sich auf das Allernötigste. Vielen Amerikanern ist es peinlich, dass sich ihr Staatsoberhaupt bei Autokraten anbiedert und sich kurz darauf im Kreis der Demokraten wie ein Rüpel aufführt. Sie wissen, dass sich damit die Spielregeln dramatisch ändern. 40 Jahre nach der Gründung der G 7 enden viele Gewissheiten.

Pessimisten sprechen bereits vom Ende des Westens und seiner Bündnisse, der Nato, der G 7. Realisten wie der amerikanische Politikwissenschaftler Robert Reich, der britische Historiker Timothy Garton Ash oder die Gelehrten der transatlantischen Carnegie-Stiftung sehen dagegen die Europäer in der Pflicht, die Aufgaben Washingtons zumindest zwischenzeitlich mit zu übernehmen.

Ob es tatsächlich zur Kollision zwischen Trump und seinen engsten Partnern kommt, liegt auch an den Verbündeten: Es gilt, die riskanten Momente zu überstehen, bis die Vernunft nach Washington zurückkehrt. Trumps Thesen zur Handelspolitik und zum Klimawandel provozieren schon jetzt lautstarken Protest quer durch die USA. Auch Barack Obama aber hat stets die ungleiche Lastenverteilung zwischen Amerika und Europa bei der Verteidigung angeprangert.

Bei allem Entsetzen über Trumps grobes Auftreten darf der nüchterne Blick auf eigene Defizite nicht verloren gehen: Aus wirtschaftlicher Stärke und politischer Stabilität erwächst Verantwortung für sich und andere. Das gilt für Europa insgesamt und für Deutschland insbesondere. Die G 7 gehen nicht unter, aber die Rollen verschieben sich.

Von Stefan Koch/RND

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