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Politik „Die Sicherheit steigt, auch für Frauen“
Nachrichten Politik „Die Sicherheit steigt, auch für Frauen“
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14:28 11.12.2016
Der Kriminologe Christian Pfeiffer. Quelle: dpa
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Berlin

Der Kriminologe Christian Pfeiffer warnt vor einem verzerrten Blick auf Ausländerkriminalität in Deutschland. Zwar gehe von 100 Ausländern mehr Kriminalität aus als von 100 Deutschen, sagte er der „Welt am Sonntag“. Das sei jedoch vor allem darauf zurückzuführen, dass die Zuwanderer im Schnitt jünger seien als die deutsche Bevölkerung und sich unter ihnen mehr Männer befinden.

Anfällig für Kriminalität seien aus seiner Sicht vor allem Menschen aus sozial schwachen und wenig gebildeten Schichten. Wer arbeitslos und sozial nicht integriert ist, werde eher kriminell, sagte der ehemalige Direktor des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen: „Wenn diese Faktoren auf Deutsche zutreffen, steigt auch bei ihnen das Kriminalitätsrisiko.“

„Der Arbeitskollege wird seltener angezeigt“

In Polizeistatistiken wirke sich zudem aus, dass die Bereitschaft höher sei, nach einer Tat einen Ausländer als einen Deutschen anzuzeigen. „Der unter Umständen ausländische Mann, der eine Frau hinter die Büsche zieht und vergewaltigt, hat eine hohe Anzeigequote“, sagte Pfeiffer: „Der vertraute Arbeitskollege, der Chef oder auch der Partner, der das Gleiche tut, wird deutlich seltener angezeigt.“

Pfeiffer sagte weiter der „Welt am Sonntag“: Die Statistik zeigt für die vergangenen zehn Jahre, dass in Deutschland vollendete Vergewaltigungen um 20 Prozent abgenommen haben.“ Das Jahr 2015 habe an diesem Trend nichts geändert – „trotz des gewaltigen Zustroms an Männern“, ergänzte der Kriminologe. „Die Sicherheit in Deutschland steigt, insbesondere auch für Frauen.“

Debatte um Gewaltbereitschaft von Asylbewerbern

Nach der Festnahme eines jugendlichen Flüchtlings aus Afghanistan, der in Freiburg eine Studentin vergewaltigt und ermordet haben soll, war eine neue Debatte um die Gewaltbereitschaft insbesondere von Asylbewerbern entbrannt. Wenige Tage später wurde bekannt, dass in Bochum ein Asylbewerber aus dem Irak gefasst wurde, der zwei chinesische Studentinnen überfallen und eine von ihnen vergewaltigt haben soll.

Pfeiffer warnte vor „kultureller Überheblichkeit“ speziell gegenüber Flüchtlingen. „Sexualmorde wie in Freiburg sind nicht Ausdruck der Männlichkeitskultur, die wir in arabischen Ländern beobachten“, sagte der Kriminologe, der von 2000 bis 2003 für die SPD niedersächsischer Justizminister war. Zwar seien viele in einer „Machokultur“ aufgewachsen, in der von einem Mann ausgehende Gewalt eher toleriert werde. Doch diese Kultur werde verlernt. Bildung sei dabei der entscheidende Faktor.

Gibt es mehr Verbrechen von Zuwanderern?

Wie hat sich die Kriminalität in Deutschland entwickelt?

Die schwere Gewaltkriminalität sinkt in Deutschland laut Kriminalstatistik seit Jahren deutlich. Die Zahl der Straftaten insgesamt war zuletzt stabil, wenn man die ausländerrechtlichen Verstöße durch die illegale Einreise ausnimmt. Zugenommen haben Delikte wie Einbrüche und Diebstähle. Dahinter steckten zum Teil professionelle Banden aus Südosteuropa, sagt Christian Walburg vom Kriminalwissenschaftlichen Institut der Uni Münster.

Wer sind die Täter bei Gewaltverbrechen gegen Frauen?

Bei Sexualmorden sind „90 bis 95 Prozent der Tatverdächtigen Deutsche“, sagt Walburg. „Bei insgesamt elf Verdächtigen wegen Sexualmorden im vergangenen Jahr gab es einen nicht-deutschen Tatverdächtigen. Der Fall jetzt in Freiburg ist also eine Ausnahme.“

Die Mehrheit der Verdächtigen der Kölner Silvesternacht waren allerdings aus Nordafrika. Dort sei das Phänomen der massenhaften Übergriffe auf Frauen unter dem Begriff „Taharrush Gamea“ seit etwa zehn Jahren aus Ägypten bekannt, berichtet das Polizeimagazin „Die Streife“. Gruppendynamik, Alkohol, Frust und Perspektivlosigkeit dürften zu den Gewaltexzessen dieser Gruppe beigetragen haben, sagen die Kriminologen Walburg und Christian Pfeiffer.

Gibt es Zusammenhänge zwischen Flüchtlingskrise und Kriminalität?

Die Polizei Braunschweig hat für ihren Bezirk errechnet, dass nur ganz wenige Straftaten von Flüchtlingen begangen werden. Das Bundeskriminalamt hat dies in einer Auswertung für das erste Quartal 2016 bestätigt. Zuwanderer sind nach Angaben des Bundesinnenministeriums nicht krimineller als Deutsche. Bei syrischen, irakischen und afghanischen Asylsuchenden liege die Kriminalität sogar unter dem Durchschnitt.

Gibt es mehr Verbrechen von Zuwanderern oder werden sie nur mehr beachtet?

Laut BKA-Statistik ist die Zahl der Straftaten von Zuwanderern insgesamt sogar deutlich rückläufig. Unter den Zuwanderern gibt es aber große Unterschiede. „Es gibt – schon seit Jahren – Probleme mit bestimmten Zuwanderergruppen aus Nordafrika und dem Kosovo. Die Politik tut jetzt überrascht, aber da lügt sie“, sagt Ulf Küch vom Bund Deutscher Kriminalbeamter.

„Diese Gruppen sind nicht abschiebbar, weil die Politik ihre Hausaufgaben nicht gemacht hat. Das fällt jetzt anderen – wie den Flüchtlingen – auf die Füße“, kritisiert Küch. Das BKA hält in einem Bericht fest: Von den seit Januar 2015 erfassten Zuwanderern seien Marokkaner, Algerier und Tunesier – aber auch Georgier und Serben – bundesweit überproportional häufig unter den Tatverdächtigen.

Von epd/dpa/RND/wer

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