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17:52 21.06.2017
Die Queen in blau und gelb, am Hut gar gelbe Sterne – manche sahen darin ein Bekenntnis zu den Farben und der Flagge der Europäischen Union. Quelle: Foto: dpa
London

Es gehört eigentlich zum Höhepunkt des politischen Kalenders im traditionsverliebten Großbritannien, wenn Königin Elizabeth II. auf dem mit Gold verzierten Thron die Regierungserklärung bei der Parlamentseröffnung verliest. Dieses Jahr aber ist vieles anders. Die Konservativen haben in der vorgezogenen Neuwahl ihre absolute Mehrheit verloren und stecken in Gesprächen über die Regierungsbildung fest, weshalb die Queen’s Speech in einem ungewöhnlichen Schritt um zwei Tage verschoben wurde. Seit Montag verhandelt das Land zudem mit Brüssel die Scheidung.

Die Überraschung hielt sich am Mittwoch deshalb in Grenzen, als die Monarchin in der feierlichen Zeremonie sofort auf den Brexit zu sprechen kam. „Die Regierung wird mit der Europäischen Union daran arbeiten, die bestmögliche Einigung zum britischen EU-Austritt zu erreichen“, las sie den Schwerpunkt der Erklärung vor. Es gehe darum, die „tiefe und besondere Partnerschaft“ zu den europäischen Verbündeten aufrechtzuerhalten. Zu einer der größten Herausforderungen, die London stemmen muss, gehört die Umsetzung des sogenannten Großen Aufhebungsgesetzes, das rund 20  000 EU-Vorschriften in britisches Recht übertragen soll. Zudem wurden Gesetzesvorhaben für Bereiche wie den Zoll, die Einwanderung, Sicherheit, Landwirtschaft, Fischerei oder den Handel vorgestellt.

Regierungsgespräche mit der DUP laufen noch

Viele betrachteten Mays Schritt, die Queen’s Speech für diesen Mittwoch anzusetzen, als gewagt. Immerhin laufen noch immer die Gespräche mit der erzkonservativen, nordirischen Regionalpartei DUP, von denen sich die Tories in einer Minderheitsregierung dulden lassen wollen. Und ein Deal steht noch aus. Die Verhandlungen gingen „nicht in die von der DUP erwartete Richtung“, hieß es.

Traditionell verlas Königin Elizabeth II. bei der Parlamentseröffnung das Regierungsprogramm der konservativen Premierministerin Theresa May. Die Queen kam in blau und gelb, am Hut trug sie gar gelbe Sterne – manche sahen darin ein Bekenntnis zu den Farben und der Flagge der Europäischen Union.

Auch wenn einige Beobachter im Vorfeld noch gemutmaßt hatten, dass Premierministerin Theresa May aufgrund der Wahlschlappe und der Gespräche mit der DUP ihre harte Brexit-Linie verwässern würde – danach klang die Erklärung nicht. Die Konservativen bereiten den Austritt des Königreichs aus der Zollunion und aus dem EU-Binnenmarkt vor, um die Freizügigkeit für EU-Bürger zu beenden. Damit könnten die Briten künftig die Zahl der Migranten kontrollieren – eine der Kernforderungen der Hardliner unter den Brexit-Anhängern.

Kein Wort zu geplantem Besuch von Donald Trump

Die Monarchin ist nur das feierliche Sprachrohr, die Rede stammt stets aus der Feder der Regierung. Die kurze Ansprache konzentrierte sich gestern vor allem auf jene acht Gesetzentwürfe, mit denen der EU-Ausstieg geregelt werden soll. So ließ May mehrere Kernvorhaben, die im Wahlkampf für Kritik gesorgt hatten, fallen. Es wurde weder die Reform der Finanzierung der Altenpflege noch die Streichung des kostenlosen Schulessens oder eine Abstimmung über die Wiedereinführung der kontrovers diskutierten Fuchsjagd erwähnt.

Wirtschaftliche Vorzeichen drehen sich um

Als die Briten 2016 über den Brexit abstimmten, argumentierten die Befürworter, dass die Wirtschaft des Landes von der EU gebremst werde. Jetzt, ein Jahr später, sieht die Lage ganz anders aus. Großbritanniens Wirtschaft wächst langsamer als die Griechenlands. Angesichts steigender Inflation und einer bedrängten Regierung werden die Haushalte ärmer.

Die verbleibenden 27 EU-Mitglieder dagegen haben einen Gang zugelegt und fühlen sich durch jüngste Wahlsiege proeuropäischer Kräfte wie in Frankreich bestärkt. „Die Situation hat sich etwas umgekehrt“, sagt James Nixon, Top-Europa-Volkswirtschaftler bei der unabhängigen internationalen Beraterfirma Oxford Economics.

Traditionell verläuft die Queen’s Speech im Oberhaus vor geistlichen und weltlichen Lords streng nach Protokoll und hat sich seit Mitte des 19. Jahrhunderts kaum verändert. Doch aufgrund der vorgezogenen Wahl und der relativ kurzen Vorbereitungszeit für das Spektakel wurde der traditionelle Pomp und Prunk zurückgefahren. Keine Pferde, keine Kutsche, weniger Feierlichkeit – die Queen fuhr in der Limousine vor. Und anders als sonst üblich schritt Königin Elizabeth II. auch nicht an der Hand von Prinz Philip in einem roten Samtumhang mit Hermelinfutter und Goldbesatz ins Oberhaus, sondern erschien im blauen Tagesdress mit passendem Hut und wurde begleitet von ihrem Sohn, Prinz Charles.

Und noch etwas war ungewöhnlich: Keine Rede war vom geplanten, aber höchst umstrittenen Staatsbesuch von US-Präsident Donald Trump, was Kommentatoren so interpretierten, dass die feierliche Visite nach landesweiten Protesten und einer von mehr als 1,8 Millionen Menschen unterzeichneten Petition erst einmal auf Eis gelegt wurde. Laut Downing Street tauchte dieser jedoch nicht auf, weil es noch keinen festen Termin gebe.

Von Katrin Pribyl/RND

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