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Politik Die Partei kapert 31 geheime AfD-Facebook-Gruppen
Nachrichten Politik Die Partei kapert 31 geheime AfD-Facebook-Gruppen
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11:12 04.09.2017
Satiriker und Die-Partei-Mitglied Shahak Shapira klärt über die Übernahme der AfD-Fangruppen auf.   Quelle: Screenshot / Video von Shahak Shapira
Berlin

 Es kann als breiter Angriff im Social-Media-Bereich gesehen werden: Die Satirepartei Die Partei hat 31 AfD-Fangruppen bei Facebook unter eigene Kontrolle gebracht. Bekannt wurde das am Sonntag, als Partei-Mitglied und Satiriker Shahak Shapira ein Video unter dem Titel „Die Machtübernahme“ veröffentlichte.

Darin erklärt Shapira, dass er sowie seine Parteifreunde seit elf Monaten jene Fangruppen strategisch infiltriert haben und inzwischen zu Administratoren aufgestiegen sind. Das sei möglich, weil zahlreiche der AfD-Fangruppen durch sogenannte Bots gegründet wurden. Diese Bots sind in der Lage, Fakeprofile anzulegen und diese sowie echte Facebook-Mitglieder in ihre Gruppe einzuladen, in denen die Bots eigenständig durch Algorithmen Beiträge wie „AfD-News, Fake-Artikel und Hetze“ posten, wie Shapira erklärt: „Verstehen Sie? Sie werden von Robotern verarscht - wie in der Matrix“.

Bereits im Herbst 2016 wurde bekannt, dass die AfD im Bundestagswahlkampf auf automatisierte Einträge bei Facebook und Twitter setzen möchte.

Mit der Zeit haben die Bots jener geheimen Facebook-Fangruppen die Admin-Rechte an echte Menschen abgegeben, darunter eben auch an Mitglieder der Partei, die sich über Monate verstärkt ins Gruppengeschehen eingebracht haben. „Nun übernehmen wir die Macht. Das sei gut für die gut 180.000 Mitglieder jener Gruppen, denn „von nun an werden Sie von echten Menschen verarscht“.

„Hummus-Liebe“ statt „Heimat-Liebe“

Die Gruppen, die „Mein Vaterland, „Freunde von Björn Höcke“ oder „AfD 51% – das ist unser Ziel!!!“ hießen, haben die Satiriker umbenannt, so beispielsweise in „Freunde von Bernd Höcke“ – ein Gag, der vermutlich auf die „Heute“-Show zurückzuführen ist – , „I love Antifa“ oder „Hummus-Liebe“ statt „Heimat-Liebe“.

Es gelten zudem neue Regeln ganz nach dem Gusto der Satirikerpartei: „Hetze gegen Muslime ist aber sofort gegen Mekka auszurichten“, sagt Shapira, außerdem gelte für jede Gruppe eine Mindestflüchtlingsquote von 18 Prozent, Kritik am Gender-Irrsinn müsse zudem geschlechtsneutral formuliert werden.

Alle Facebook-Gruppen würden von einer in Bad Dürkheim lebenden Frau, ebenfalls AfD-Mitglied, administriert und von einem weiteren AfD-Mitglied moderiert. Dieser Mann sei Vorsitzender eines Kreisverbandes, also unter dem rheinland-pfälzischen Landesvorsitzenden Uwe Jung, der von den Entwicklungen der Gruppen genaue Kenntnisse zu haben scheint, so Shapira. Das belegt das Video jedoch mit Zitaten, in denen zwar von der Gründung von Facebook-Gruppen die Rede ist, jedoch kein konkreter Zusammenhang zu den von Bots gegründeten Gruppen hergestellt wird.

Der Coup läuft schließlich auf ein zugespitztes Fazit hinaus:“ Wer eine Facebook-Gruppe nicht aufrecht erhalten kann, wird es mit einem ganzen Land erst recht nicht schaffen“, schließt Shapira das Video.

Von RND/Katharina Derlin/HAZ

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