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Die Nacht der Entscheidung

Jamaika-Sondierungen Die Nacht der Entscheidung

Wer sich zuerst bewegt, hat verloren: Am Donnerstag kommen die Unterhändler von Union, FDP und Grünen zu ihrer entscheidenden Sitzung zusammen. Ihnen steht eine lange Nacht bevor.

Bereitet sich auf einen Sitzungsmarathon vor: Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU)

Quelle: dpa

Berlin. Helmut Kohl aß pure Butter, um in Nachtsitzungen seine Energiereserven aufzutanken. Auch Angela Merkel neigt in extremen Situationen zur schnellen Kalorienzufuhr. In Brüssel wurde die Kanzlerin unlängst vor der legendären Imbissbude „Maison d’Antoine“ ertappt, wie sie Pommes mit pikanter Sauce Andalouse bestellte. Wenig später musste sie mit den Briten den Austritt aus der Union verhandeln.

Am Donnerstag ist es wieder so weit. Erneut dürfte es fettig werden. Die entscheidende Nacht in den laufenden Jamaika-Sondierungen steht bevor. Die meisten Beobachter gehen davon aus, dass es bis in die frühen Morgenstunden dauern wird, ehe feststeht, ob das Bündnis aus Union, FDP und Grünen überhaupt zustande kommt. Mehr als 90 ungelöste Fragen gilt es noch zu klären. Keine Seite wollte bislang zu früh Kompromissbereitschaft signalisieren, um sich nicht vorzeitig Verhandlungsspielraum zu nehmen.

Ausgeschlafen sollten die Sondierer sein, wenn sie am kommenden Donnerstag zur nächtlichen Runde in der Parlamentarischen Gesellschaft zusammenkommen. Fürs leibliche Wohl ist gesorgt. Neben Butter werden belegte Brote und Obst gereicht. Wer Wein trinken will, muss auch darauf nicht verzichten. Für FDP-Chef Christian Lindner steht Cola Light bereit. Ob die Unterhändler die vielen Stunden am Ende politisch überleben werden, ist unklar. Die Erfahrung lehrt, dass die Verhandler in solchen Sitzungen abschließend auch erste Weichen für das künftige Personal stellen. Nicht ausgeschlossen also, dass am Ende einige Ambitionen wie gebrauchte Servietten und Butterpapier im Abfall landen.

Geht es ums politische Stehvermögen, befindet sich Merkel in der wohl besten Ausgangslage. Ihre Kunst, auch nach quälend langen Stunden, wenn ihre Kontrahenten gegen Morgen längst die Konzentration verloren haben, noch immer hellwach zu sein, ist fast schon sprichwörtlich. Genau das jedoch wird ihr angekreidet. Sie vertraue zu sehr auf diese eine Fähigkeit. Sie setze alles auf eine Karte, auf eine einzige Nacht – auch ihr eigenes politisches Schicksal. Denn scheitert Jamaika, könnte es selbst für die Kanzlerin eng werden.

Von Jörg Köpke/RND

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