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20:32 26.02.2018
Gruppenbild mit Hoffnungsträgerin: Annegret Kramp-Karrenbauer (Zweite von links) zusammen mit Monika Grütters, Angela Merkel, Ursula von der Leyen und Julia Klöckner (von links). Quelle: dpa, ap
Berlin

Am Ende sind es 98,87 Prozent. Annegret Kramp-Karrenbauer atmet tief durch, strahlt übers ganze Gesicht, genießt diesen Moment. Sie wird gefeiert für eine furiose Rede. Sie bedient die Sehnsucht nach „CDU pur”. Sie verspricht einen neuen Stil. Seit Montag ist Kramp-Karrenbauer, die mit der Bezeichnung Kronprinzessin nichts anfangen kann, die neue starke Frau in der Kanzlerinnenpartei. „Der Star ist die CDU, jeder Einzelne”, hatte „AKK” den Delegierten in ihrer Bewerbungsrede zugerufen.

Wahlergebnisse in der Nähe der 100-Prozent-Marke können eine Bürde sein, eine Last. Martin Schulz und die SPD wissen das aus leidvoller Erfahrung. Man wird erdrückt von den Erwartungen, fühlt sich von allen Seiten vereinnahmt, wird zur Projektionsfläche.

Über ein Wahlergebnis von 80 Prozent würde sie sich freuen, hatte Kramp-Karrenbauer beteuert. Konservative Bescheidenheit. Und jetzt das! Annegret Kramp-Karrenbauer ist Heldin und Hoffnungsträgerin dieses Parteitags, der auch mit weniger als drei Prozent Gegenstimmen grünes Licht für Angela Merkels dritte GroKo gibt und trotzdem als der Anfang von etwas ganz Neuem in die Geschichte der Partei eingehen könnte. So viel Emotion war lange nicht in der CDU.

„AKK“ macht Zugeständnisse im Koalitionsvertrag vorerst vergessen

Und Angela Merkel? Die gehört zu den Ersten, die gratulieren. Sie weiß, dass das Verhältnis zwischen ihr und ihrer neuen Generalsekretärin von jetzt an Gegenstand besonderer Beobachtung sein wird. Die Frage wird sein, wie Merkel mit einer Aufsteigerin umgeht, die ihr am Ende selbst gefährlich werden könnte. Aber Kramp-Karrenbauer ist nicht nur mögliche Konkurrenz, sondern erst mal auch Entlastung.

Die 55-Jährige, die jetzt von der Staatskanzlei in Saarbrücken ins Berliner Konrad-Adenauer-Haus wechselt, hilft Merkel, das Wahldesaster vom 24. September und die vielen Zugeständnisse an die SPD aus den Koalitionsverhandlungen in den Hintergrund rücken zu lassen. Zumindest vorübergehend. Zumindest für diesen Parteitag.

Manchmal verlangt die Politik die Kunst des Verdrängens und den unbedingten Willen zum Blick nach vorn. Was nicht heißen soll, dass die Kritiker der Kanzlerin, die sich am Abend zuvor in der Berliner „Station” trafen, einem alten Postbahnhof abseits des Regierungsviertels, geschwiegen hätten.

„Wir haben auch viel umgesetzt”

Sie klagen darüber, dass Werte in Merkels Partei zu Worthülsen verkommen seien. Oder, wie Werner Bahlsen, Chef des CDU-Wirtschaftsrats, dass eine Unternehmenssteuerreform im Koalitionsvertrag fehle und die Rentenpolitik zulasten der Jüngeren gehe. Doch einmal mehr erweist sich die CDU als Machtmaschine. Der Unmut in den eigenen Reihen werde einfach beiseitegeschoben.

Es gibt etwas, das CDU-Bundesparteitage mit der Oscar-Verleihung gemein haben: Der Sieger steht schon fest, ehe es losgeht. Im Vorfeld wird über Unruhe, Ärger, Unzufriedenheit spekuliert – und dann kommt das Event. Bei der CDU redet die Vorsitzende fast so wie immer, lobt „das Team“, findet die verabredeten Koalitionsplanungen „stark“, und die Delegierten stehen auf und klatschen. Die CDU ist nicht die SPD.

Der gerade noch rechtzeitig zum Parteitag vorgelegten Ministerliste signalisieren die Delegierten große Zustimmung. Das Ja zu „AKK“ und zum 177 Seiten dicken Koalitionsvertrag ist allenfalls noch Formsache. „Wir haben hart gerungen, wir mussten Kompromisse eingehen, aber wir haben auch viel umgesetzt”, wirbt Merkel für den schwarz-roten Vertrag.

Neues Grundsatzprogramm für die Suche nach der neuen Leitkultur

Zu erleben sind bei der CDU auch Momente mit Gefühl: Zum Beispiel, als die Parteichefin - selbst erkennbar bewegt – langjährige Weggefährten verabschiedet, für die in ihrer durch und durch verjüngten Kabinettsmannschaft partout kein Platz mehr war: Hermann Gröhe etwa oder Thomas de Maizière. Da erheben sich die Delegierten von ihren Plätzen. Es wirkt wie der Beginn einer neuen Ära. Nur Merkel bleibt. Doch: Wie lange noch?, wird sich mancher gefragt haben.

Es ist ein „Parteitag des Aufbruchs und der Zuversicht“, sagt Parteivize Volker Bouffier. Dieses Bekenntnis zur eigenen Zufriedenheit auf Parteitagen nennen CDU-Strategen stolz „strategische Klugheit“. Damit liegt man weit vor der Konkurrenz.

Es hätte gar nicht Merkels Hinweis bedurft, dass das „selbstbezogene Herummosern“ der letzten Wochen „kein Ruhmesblatt für die Politik“ gewesen sei. Anders, besser, geschlossener sein als die SPD. Das verbindet. Die CDU werde sich dem „klaren Auftrag zur Regierungsbildung“ stellen, mit dem mächtigen Peter Altmaier „das Wohlstandsversprechen erneuern“. Auch ohne Thomas de Maizière werde es gelingen, die neue Ordnung wiederherzustellen. Ein neues Grundsatzprogramm soll die Suche nach der Leitkultur erleichtern.

Lange Zeit war von einer linken, protestantischen Wende unter und mit Merkel geredet werden. Plötzlich kommen überzeugte Katholiken nach vorn: Kramp-Karrenbauer und Jens Spahn sind mit dabei – der eine auf Bewährung, die andere als Heilsbringerin.

„Wir wollen es besser machen“

„AKK“ will sich ein Beispiel an Heiner Geißler nehmen und die Eigenständigkeit der CDU gegenüber der Regierungsmaschinerie betonen. Wie schwierig das ist, zeigt sich schon bei der Tatsache, dass wie selbstverständlich Merkels engster Regierungsvertrauter, Peter Altmaier, auf dem CDU-Parteitag der Antragskommission vorsaß. Zukünftig wird das vermutlich die Generalsekretärin machen.

Es wird wohl auch nicht mehr passieren, dass einer wie Altmaier kommt, um zum Beispiel mal ganz schnell eine Wahlkampagne zu planen . Zukünftig, in der „AKK“-Ära, soll dies wieder eine politische Angelegenheit der Volkspartei werden.

„Ich kann, ich will und ich werde. Und deshalb stelle ich mich gern in den Dienst der Partei”, sagt die Neue. Eine der ersten Maßnahmen in der CDU-Zentrale soll sein, den Apparat wieder schlagkräftig für neue Kampagnen zu machen - mit einem neuen Bundesgeschäftsführer.

Orientierung in schwierigen Zeiten war das Motto vor eineinhalb Jahren auf dem Parteitag in Essen. Nun, beim 30. Parteitag, ist von neuem Aufbruch, neuer Dynamik und neuem Zusammenhalt die Rede. Dazwischen liegt der Verlust von 1,3 Million Stimmen allein an die FDP. Eine Million Stimmen gingen an die AfD verloren.

„Es gibt positive, und es gibt negative Seiten des Bundestagswahlergebnis“, sagt Merkel in ihrer bekannten nüchtern-distanzierten Art. Aber sie verspricht auch: „Unsere Haltung ist: Wir wollen es besser machen.“ Es sind Sätze wie dieser, die signalisieren, dass auch Angela Merkel sich und die CDU durchaus auf dem Weg zur Selbstbesinnung sieht.

Von Rasmus Buchsteiner und Dieter Wonka/RND

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