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17:26 07.07.2017
Sie wartet auf die Mächtigen: Angela Merkel kurz vor dem Start des G-20-Gipfels. Quelle: AP
Hamburg

Alle sind sie in gepanzerten Luxuslimousinen der deutschen Edelmarken vorgefahren, um Angela Merkel zur offiziellen Begrüßung die Hand zu schütteln. Nur Donald Trump nicht. Er hat seine eigene Staatskarosse mitgebracht, die „The Beast“ genannt wird. Der US-Präsident ist eben immer etwas Besonderes, allemal wenn es um das Äußerliche, um die nationale Geste geht.

Solange Trump da ist, davon ist die Kanzlerin überzeugt, lebt die Welt „in einer Phase der Ungewissheit“. So hat sie es kürzlich in einer Vorbesprechungsrunde zum G-20-Gipfel gesagt. Für den Erfolg des Gipfels – und damit für Merkels Erfolg – ist es wichtig, dass es in Hamburg nicht zu offenem Streit mit dem Amerikaner kommt. Das Gespräch zwischen der mächtigsten Frau und dem mächtigsten Mann der Welt sei in aller Freundschaft abgelaufen, hieß es hinterher in Regierungskreisen. Allerdings habe es auch nicht zu neuen Gemeinsamkeiten geführt.

Mal distanziert, mal mit einem zugewandten Lächeln und beherztem Handschlag, mitunter sogar mit einem zarten Kuss auf die Wange – so empfing Bundeskanzlerin Angela Merkel die Regierungschefs zum G-20-Gipfel.

Bei der Begrüßungszeremonie sprach Merkel in ihrem Eingangsstatement von der großen Verantwortung, den noch größeren Erwartungen und von der Pflicht zur Gemeinsamkeit. Diplomatische Formulierungen, mit denen man es sich mit niemandem verdirbt. Es gab ein Küsschen hier, eines dort, das Lächeln einer zuversichtlichen Gastgeberin war dauerhaft angeknipst. Trotzdem heißt es, es solle „kein Dissens“ unter den Tisch gekehrt werden, gerade auch nicht im Streit um den Klimaschutz, den die USA zu blockieren drohen.

Die Bilder nützen Merkels Image

Merkel hat sich eine schöne Gipfelwelt inszeniert, zweieinhalb Monate vor der Bundestagswahl. Arm in Arm steht sie neben Frankreichs strahlendem neuen Führer Emmanuel Macron. Es wirkt nicht einmal gekünstelt. Wichtig ist das Gefühl, dass mit Frankreich „etwas geht“, jetzt wieder, mit Macron. So hat es die Kanzlerin in den vergangenen Tagen gesagt. Die Bilder mit den versammelten Staats- und Regierungschefs nutzen ihrem Image als der „Führerin der freien Welt“ – so hat der argentinische Staatschef Mauricio Macri Merkel vor einem Monat noch freudestrahlend genannt, als er sie in Buenos Aires empfing. Auf ihr ruhen einige Hoffnungen angesichts solcher Egomanen wie Donald Trump oder demokratisch fragwürdiger Politiker wie Wladimir Putin oder Recep Tayyip Erdogan.

Für Merkel laufe es gerade „wie geschmiert“, findet ein mit der G-20-Gipfelplanung betrauter enger Begleiter der Kanzlerin. Das soll nicht übermütig klingen. Aber die große Außenpolitik, mit der sich Angela Merkel gern vom Klein-Klein innenpolitischer Rangeleien absetzt, ist fast zwangsläufig ein Heimspiel für sie. SPD-Vizekanzler Sigmar Gabriel hat es am Vortag des Gipfels gerade noch als Zweitbesetzung zum Event mit Donald Trump gebracht. Öffentlich wollte er nichts mehr sagen. Vermutlich sollte SPD-Spitzenkandidat Martin Schulz nicht die Show gestohlen werden.

Attac kritisiert aggressive Exportüberschussstrategie

Gipfel-Welt ist Merkels Welt. Sie inszeniert sich, trotz negativer Klimadaten im eigenen Land, als Schützerin von Umwelt, Frieden, Frauen und Finanzmärkten. Beinahe hilflos wirken die Proteste der großen Nichtregierungsorganisationen. Alexis Passadakis von der bundesweiten Attac-Projektgruppe G 20 kritisiert: „Merkels Inszenierung als ‚Anführerin der freien Welt‘ und Verteidigerin ist zynisch.“ Mit einer multilateralen Politik für mehr Freihandel verfolge die Bundesregierung eine aggressive Exportüberschussstrategie, die zu gravierenden globalen Ungleichgewichten führe, zu ökonomischer Instabilität und politischen Spannungen.

Merkel zeigt sich davon unbeeindruckt. Ihr geht es in Hamburg um den Schein, das Richtige zu tun: Getan werden müsse, was gut für das Land sei, lautet ein bekanntes Motto der Kanzlerin. Dafür nimmt sie scheinbar gleichgültig in Kauf, dass andere sie derzeit als „Führerin der freien Welt“ loben. Dazu gehört aber inzwischen auch eine kleine Prise Mut zur Position.

Deutschland müsse sich „aktiver“ um Frieden bemühen

Im Schlusskommuniqué des Gipfels wird sich das vielleicht in der Klima- und in der Friedensfrage zeigen. Deutschland müsse lernen, sich „aktiver“ in den Friedensbildungsprozess global einzuschalten. „Da müssen wir besser werden. Wir sitzen doch nicht in der Kommentatorenloge der Welt.“ So hat sie ihre Gipfelunterhändler schon in den Tagen vor Hamburg ermuntert. Und es gibt auch den Merkel zugeschriebenen Ankündigungssatz: „Da müssen wir uns auch mal die Finger schmutzig machen.“

Von Dieter Wonka/RND

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