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Politik Die Gulliver-Strategie gegenüber Trump
Nachrichten Politik Die Gulliver-Strategie gegenüber Trump
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21:50 10.02.2017
US-Präsident Donald Trump. Quelle: imago/ZUMA Press
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Hannover

Als Donald Trump gewählt wurde, verkündete ein deutsches Wochenmagazin „Das Ende der Welt, wie wir sie kennen“. Inzwischen ahnt man: Der Weltuntergang lässt noch auf sich warten.

Trump unterschreibt nicht mehr jeden Tag ein neues Dekret. Seine juristischen Niederlagen hatten einen dämpfenden Effekt: Den US-Behörden wurde in mittlerweile zwei Instanzen gerichtlich untersagt, eine Anordnung des Präsidenten zu Reisebeschränkungen anzuwenden. Damit haben sich manche Allmachtsfantasien im Trump-Lager erledigt.

Nun beginnt der zweite Teil der Normalisierung: die Einbindung Trumps in einen vernünftigen internationalen Kontext. Niemand in Berlin sagt es laut, aber die Deutschen verfolgen dabei eine Strategie wie die Liliputaner gegenüber Gulliver. Man will den unheimlichen Riesen durch viele kleine Bindungen und Verabredungen fesseln, bevor er irgendeinen Schaden anrichtet – und etwa Handelskriege anzettelt.

Erste Fäden sind bereits gesponnen. Der neue US-Außenminister Rex Tillerson empfing als ersten ausländischen Amtskollegen Sigmar Gabriel. Und US-Verteidigungsminister James Mattis öffnete soeben seine Türen für Ursula von der Leyen – obwohl beide sich auch nächste Woche sehen, bei der Konferenz der Nato-Verteidigungsminister in Brüssel.

Jeder Kontakt dieser Art wirkt unkalkulierbaren isolationistischen Zuckungen der USA entgegen. Zur Gulliver-Strategie passt es, auch mit Vertretern einzelner Bundesstaaten zu reden. „Der Gouverneur von South Carolina wird kein Interesse daran haben, dass BMW dort Arbeitsplätze abbaut“, warnt Berlins neue Wirtschaftsministerin Brigitte Zypries. Das ist „tough talk“ – aber genau die Sprache, die die Trump-Administration versteht: Will man durch Ärger mit den Deutschen Zehntausende Jobs verlieren in den US-Südstaaten?

Angela Merkel will den Riesen Trump nicht nur sicher eingebunden sehen. Sie webt in aller Stille an ihrem ganz eigenen Netzwerk. Letzte Woche war der Präsident von Uruguay, Tabare Vazquez, bei ihr im Kanzleramt; Merkel sagte ihm zu, das EU-Handelsabkommen mit Südamerika (Mercosur) voranzutreiben. Nächste Woche wird Kanadas Premier Justin Trudeau bei ihr sein, zuvor wird das EU-Parlament den sympathischen Sozialliberalen für das Freihandelsabkommen Ceta feiern. Immerhin kamen die Kanadier den Europäern in vielen Punkten entgegen, auch beim Thema Arbeitnehmerrechte. Ende kommender Woche treffen sich die Außenminister der G 20 in Bonn, Mitte März die Finanzminister in Baden-Baden.

Die Deutschen weben schon vor dem G-20-Gipfel im Juli in Hamburg an einer Welt, die weiter zusammenhält – und in der ein Donald Trump nicht mehr die Kraft findet, alles zu zerstören.

Von RND/Matthias Koch

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