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Politik Die Eta bittet um Verzeihung
Nachrichten Politik Die Eta bittet um Verzeihung
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15:37 20.04.2018
Ein Bild des Terrors: Eta-Aktivisten in einem Video aus dem Jahr 2011 – Anfang Mai will sich die Organisation auflösen. Quelle: dpa
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Madrid

San Sebastián, 28. Juni 1960: Am Bahnhof Amara explodiert eine Bombe. Dutzende Menschen werden verletzt, die erst knapp zwei Jahre alte Begoña Urroz Ibarrola kommt bei der Explosion ums Leben. Sie war das erste Todesopfer der separatistischen, baskischen Untergrundorganisation Eta. Nun, fast 58 Jahre und Hunderte Opfer später, hat die Eta endgültig die Waffen niedergelegt – und sich für ihre Verbrechen entschuldigt.

Erst am Mittwoch berichtete ein baskischer Sender, dass die Separatisten am ersten Maiwochenende im französischen Teil des Baskenlandes ihre Auflösung bekannt geben wollen. Am Freitag hat die Eta (Euskadi Ta Askatasuna - Baskenland und Freiheit) nun öffentlich um Vergebung gebeten: „Infolge von Fehlern oder falschen Entscheidungen hat die Eta auch Opfer getroffen, die nicht direkt am Konflikt beteiligt waren“, hieß es in einem vom 8. April datierten Schreiben, das von der baskischen Zeitung „Gara“ veröffentlicht wurde. „Es tut uns aufrichtig leid.“ Die Eta sei sich bewusst, dass ihre Handlungen auch Bürgern und Bürgerinnen Schaden zugefügt hätten, die keinerlei Verantwortung trugen. „Diese Menschen und ihre Familien bitten wir um Verzeihung.“

829 Todesopfer in 59 Jahren

Die vor 59 Jahren gegründete Separatistenorganisation hatte in Spanien jahrzehntelang einen blutigen Kampf für ein unabhängiges Baskenland geführt. Bei zahlreichen Anschlägen kamen 829 Menschen ums Leben, darunter auch 342 Zivilisten. Schon 2011 hatte die Eta ihren Gewaltverzicht erklärt und ein Jahr später ihre Entwaffnung und Auflösung in Aussicht gestellt. Damit endete Westeuropas letzter großer bewaffneter Aufstand.

Die öffentliche Entschuldigung sorgte in Spanien für großes Aufsehen. Der spanische Staat und Opfervereinigungen hatten lange gefordert, dass die Gruppe ihrem Gewaltverzicht auch eine Bitte um Vergebung für die entstandenen Schäden folgen lassen müsse. Dennoch gab es unterschiedliche Reaktionen auf das Schreiben.

Kritik von Opfervereinigungen

Die konservative Regierung von Mariano Rajoy betonte, die Erklärung sei „eine Folge der Stärke des Rechtsstaates“, der die Organisation „mit den Waffen der Demokratie“ besiegt habe. Auch Oppositionsführer Pedro Sánchez bewertete die Erklärung positiv: „Dies ist ein großer Schritt, denn für endgültigen Frieden bedarf es einer Anerkennung des schrecklichen Schadens und Schmerzes, die verursacht wurden“, sagte der Sozialist.

Opfervereinigungen kritisierten hingegen, die Eta mache in der Erklärung einen Unterschied zwischen irrtümlich betroffenen Opfern und solchen, die absichtlich getötet worden seien, wie zahlreiche Militärs oder Polizisten. „Die Eta behandelt die Opfer wie Kollateralschäden bei der Durchsetzung ihres totalitären Projektes, auf das weder die Terroristen noch ihr politischer Arm verzichtet haben“, betonte der Opferverband Covite. Eine solche selektive Entschuldigung sei nicht nur eine Beleidigung für die Terroropfer, sondern für die ganze Gesellschaft.

Von dpa/RND

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