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Politik Die Atombombe kehrt zurück
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19:50 06.10.2017
Ritt auf der Bombe: Aktivisten von Ican bei einer Protestaktion vor der nordkoreanischen Botschaft in Berlin. Quelle: dpa
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Friedensnobelpreis? Damit haben die Anti-Atom-Aktivisten von Ican nicht gerechnet. Beatrice Fihn zum Beispiel, 34, Schwedin, in Genf ansässige Geschäftsführerin von Ican, twitterte noch am Donnerstag ganz lässig vor sich hin. Zum Beispiel diesen Fünf-Wörter-Satz: „Donald Trump ist ein Trottel.“

Die Ican-Chefin kann sich auch höflicher ausdrücken, differenzierter; sie hat in London Jura studiert, sich eingearbeitet in die Welt der internationalen Abrüstungsabkommen. Doch irgendwann rutschte der Schwedin nun mal dieser Fluch raus, diese Beschimpfung. Es will der jungen Frau nämlich nicht in den Kopf, dass Trump sich einerseits über die nordkoreanischen Raketentests aufregt – andererseits aber selbst eine weltweite atomare Abrüstung ablehnt.

Man kann das alles sympathisch finden, aber auch ein bisschen fragwürdig. Das Nobelkomitee zeichnet jetzt junge Idealisten aus, die sich noch die Hörner abstoßen müssen. War niemand greifbar, der bereits konkret etwas für den Frieden bewirkt hat? Der Preisträger vom vergangenen Jahr, Kolumbiens Präsident Juan Manuel Santos, hatte immerhin einen 50 Jahre währenden Bürgerkrieg zu Ende gebracht.

Der Preis für Ican ist eine wichtige Wegweisung in düsteren Zeit

Doch sobald man über den Tag hinausdenkt, den Blick vom Vergangenen in Richtung des Kommenden wendet, beginnt Respekt zu wachsen für die Entscheidung des Nobelkomitees. In Wahrheit ist der Preis für Ican eine wichtige Wegweisung in einer sehr düsteren Zeit. Das Nobelkomitee stärkt jetzt einen Teil der Zivilgesellschaft, der seine letzten großen Auftritte in den Achtzigerjahren in Westdeutschland hatte, in Zukunft aber in ganz neuer Weise herausgefordert sein könnte: die Anti-Atom-Bewegung.

Die Atombombe kehrt derzeit mit Macht zurück in die Weltpolitik, in militärische Planungen, auch in die Debatten derer, die sich aus gutem Grund Sorgen machen. Die Atommächte steigern derzeit zwar nicht die Zahl ihrer Waffen, aber deren Effizienz. Allein die USA haben zu diesem Zweck für die nächsten Jahre hohe dreistellige Milliardensummen eingeplant. Die Russen, nicht faul, schieben schon mal ihre neue „Monsterrakete“ namens Sarmat aufs Testgelände: Eine einzige dieser Waffen könnte einen großen US-Bundesstaat wie Texas oder ein EU-Land wie Frankreich auslöschen.

Dass die deutsche Bundesregierung in so unübersichtlichen Zeiten erst mal am Nato-Atomschirm festzuhalten versucht, ist verständlich. Verständlich ist aber auch, dass das Nobelkomitee den Gedanken unterstützt, dass sich die Menschheit auf Dauer etwas Neues einfallen lassen muss. Die beängstigende Krise um Nordkorea hätte längst dazu führen müssen, dass die USA, Russland und China zusammenrücken. Stattdessen wachsen die Spannungen zwischen den Mächten – und ihre Investitionen in neue Nuklearwaffen.

Von Matthias Koch

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