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10:12 01.08.2017
Emissionsmessungen beim Diesel: Alles nur Schall und Rauch? Quelle: dpa
Hannover

Finde den Fehler: In Kalifornien zelebriert Firmengründer Elon Musk die Auslieferung der ersten Fahrzeuge des neuen Tesla Model 3, in Bayern denkt Ministerpräsident Seehofer über eine Dieselprämie nach. Die beiden Nachrichten vom vergangenen Wochenende zeigen das ganze Dilemma, in dem Politik und Automobilindustrie hierzulande stecken: Während in den USA, China, Japan und Korea mit Hochdruck an Null-Emissions-Fahrzeugen gearbeitet wird, veranstaltet die deutsche Bundeskanzlerin einen Gipfel, um eine Technologie zu retten, die keine Zukunft hat: den Selbstzünder.

Dieselfans und Batterieskeptiker werden bei dieser Feststellung zwar aufjaulen. Doch Fakt ist: Außer in Europa spielt der Diesel weltweit kaum eine Rolle. Und auch in Deutschland wäre der Diesel ohne massive staatliche Subventionen nie so erfolgreich gewesen. Seit 1985 gab es für die Dieselindustrie staatliche Steuergeschenke von insgesamt 140 Milliarden Euro, wie der Automobilexperte Ferdinand Dudenhöffer kürzlich vorrechnete. Hinzu kommt: Auf immer mehr wichtigen Märkten werden Verbrennungsmotoren in den kommenden Jahrzehnten verboten. In Frankreich und Großbritannien sollen ab 2040 keine Autos mit Benzin- oder Dieselmotoren mehr zugelassen werden, in Indien und Kalifornien ab 2030 und in Norwegen und Holland bereits ab 2025. In vertraulichen Gesprächen geben Topmanager der größten deutschen Autobauer unumwunden zu, dass das Überleben ihrer Industrie davon abhängt, wie schnell und erfolgreich ihnen die Transformation gelingt. Auch Verkehrsminister Dobrindt sagte kürzlich in einer Talkrunde, es sei „keine Frage“, dass der E-Mobilität die Zukunft gehöre.

Warum schrecken die Konzerne trotzdem vor dem offenkundig notwendigen radikalen Umbau zurück? Warum zögert die Politik trotzdem mit harten Vorgaben? Weil Deutschlands Spitzenpolitiker und Topmanager alle gemeinsam in der Erfolgsfalle sitzen: Deutschlands Automobilindustrie stand 2016 für mehr als ein Fünftel aller Exporte. Rechnet man die Automobilzulieferer hinzu, hängen mehr als eine Million Arbeitsplätze von diesem Erfolg ab. Es ist die Angst vor dem Verlust Hunderttausender Arbeitsplätze, die dazu führen könnte, dass Deutschland seine automobile Zukunft verspielt.

Doch ein Niedergang der deutschen Automobilindustrie ist ein Szenario, das sich niemand wüschen kann. Genau deshalb sollte die Kanzlerin den unsäglichen Diesel-Gipfel abblasen und rasch einen Runden Tisch einberufen, um die Null-Emissions-Zukunft der deutschen Automobilwirtschaft anzuschieben. Staatliche Milliardenhilfen – und die wird es brauchen, schon um die gewaltigen Veränderungen bei den Automobilkonzernen sozial abzufedern – sollten besser in Zukunftstechnologien investiert werden als in lebensverlängernde Maßnahmen für todgeweihte Maschinen.

Von Wolfgang Büchner/RND

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