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Politik Der begehrteste Partner des Pentagons heißt Google
Nachrichten Politik Der begehrteste Partner des Pentagons heißt Google
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07:27 02.11.2017
Quelle: LEHTIKUVA
Washington

Es sind turbulente Tage in der amerikanischen Hauptstadt. Der Sonderermittler der Bundespolizei erhebt Anklage gegen Vertraute des Präsidenten, und die gesamte Sicherheitsbranche fühlt sich angesichts des jüngsten Terrorangriffs in New York herausgefordert. In dieser aufgeregten Stimmung ging am Mittwoch ein ebenso bedrückender wie zukunftsweisender Auftritt fast unter. Nur fünf Straßenblocks vom Weißen Haus entfernt ist die neue Symbiose zwischen dem Pentagon und dem Silicon Valley zu beobachten.

Eric Schmidt, Vorsitzender der Google-Muttergesellschaft Alphabet, wirbt in der Denkfabrik „Center for a New American Security“ für eine Neuausrichtung der amerikanischen Rüstungsindustrie. In Zukunft hänge die Sicherheit in entscheidendem Maße von der künstlichen Intelligenz ab. Selbsthandelnde und selbstentscheidende Roboter würden zu einer enormen Herausforderung werden. Und die Vereinigten Staaten, die für sich in Anspruch nehmen, die schlagkräftigste Armee der Welt zu unterhalten, seien in Gefahr, ihren Vorsprung in dieser Technologie zu verlieren. Ganz offen spricht Schmidt den stärksten Mitbewerber an: Das chinesische Militär habe ein Programm zur künstlichen Intelligenz aufgelegt, das bis 2020 auf Augenhöhe mit den amerikanischen Neuentwicklungen stehen soll. „Die chinesische Führung prescht energisch voran. Bis 2025 will sie in dieser Technologie das US-Militär überrunden und ab 2030 den Markt der künstlichen Intelligenz dominieren“, so Schmidt. Es sei daher höchste Zeit, dass die eigene Armee entsprechende Aufträge an die private Industrie vergibt, um in diesem Wettlauf die Nase vorn zu behalten.

Schmidts Appell wird in Fachkreisen aufmerksam registriert, zumal der deutschstämmige Multimilliardär nicht nur einen der größten Hightech-Riesen in Kalifornien mitsteuert, sondern seit 2016 auch im höchsten Beratergremium des Verteidigungsministeriums sitzt. Bereits unter der Regierung von Barack Obama hatte sich der 62-Jährige bereiterklärt, das Netzwerk zwischen den amerikanischen Militärs und dem sonst so unmilitärisch wirkenden Silicon Valley auszubauen.

Googles Flirt mit den höchsten amerikanischen Offizieren kommt nicht zufällig. So übernahm der Konzern bereits 2013 die Firma Boston Dynamics, die spektakuläre Laufroboter entwickelt und intensiv für das Militär forscht. Da die tatsächlich nutzbaren Ergebnisse offenbar länger auf sich warten lassen als zunächst erwartet, verkaufte der Konzern das Tochterunternehmen vor wenigen Wochen. Wie es in Fachkreisen heißt, wolle sich Google mit diesem Schritt aber keineswegs aus dem militärisch-industriellen Bereich zurückziehen, sondern lediglich nach anderen Zugängen Ausschau halten.

„Wir müssen in der Entwicklung schneller werden“

Tatsächlich ist die Suche nach Kooperationsmöglichkeiten gegenseitig: Präsident Donald Trump will den Militäretat um eine Rekordsumme von etwa 50 Milliarden Euro aufstocken und viel Geld in die Forschung investieren. Eine Ankündigung, die bei einigen Softwareentwicklern in Kalifornien für Hochstimmung sorgt: „Es wird Zeit, dass das Militär Aufträge an die Vertragspartner erteilt“, so Schmidt. Es klingt fast wie bei einer Werbeveranstaltung, als der Google-Manager freundlich hinzufügt: „Der Militärapparat ist sehr groß und schwerfällig. Er sollte sich Subunternehmer suchen, die ihm zügig fertige Ergebnisse liefern.“

Als Beispiel neuer Entwicklung führt Schmidt Roboter mit besonderen Fähigkeiten zum Beobachten an: „Es zählt doch zum Markenkern der Soldaten, dass sie auf einem Posten stehen und eine Situation beobachten. Aber wir wissen doch alle, dass unsere Aufmerksamkeit nachlässt, wenn wir eine monotone Lage im Auge behalten müssen. Computer könnten das sicherlich besser.“ Das Geheimnis eines erfolgreichen Einsatzes von künstlicher Intelligenz liege seiner Einschätzung nach in der Kooperation mit dem Menschen. Von weitergehenden Vorhaben will er zunächst nicht sprechen.

So erwähnt Schmidt Begriffe wie Kampfroboter oder selbstkämpfende Drohnen gar nicht erst, zumal sich die US-Industrie zurzeit in einer Phase der Auftragsakquise befindet. Eine schrille Tonlage ist da nicht erwünscht. Der Manager dürfte aber sehr genau im Blick haben, dass andere Firmen längst mit unbemannten Kampfflugzeugen wie dem Typ Northrop Grumman X-47 experimentieren. Auch das israelische Miniaturfahrzeug „Dogo“, das sich mit einer Glock-Pistole bewaffnen lässt und im Häuserkampf oder bei einer Geiselbefreiung einsetzbar wäre, findet das Interesse der US-Militärs.

Auf ethische Fragen zum Einsatz von Kampfrobotern kommt Schmidt in der Diskussionsrunde am Mittwoch nicht zu sprechen. Dem Manager schweben offenbar eher praktische Aufgaben vor: „Wir müssen in der Entwicklung schneller werden.“ Es dürfe nicht zu einem zweiten ‚Sputnikschock’ kommen. Damals, 1957, schossen die Sowjets den ersten künstlichen Erdsatelliten ins All. Im Wettlauf mit den Chinesen will der Technologie-Boss solche Überraschungen möglichst vermeiden.

Von Stefan Koch/RND

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