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Politik Der US-Präsident und die Sprache des Hasses
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05:00 29.10.2018
Bei einer Schießerei in einer Synagoge in Pittsburgh starben mindestens elf Menschen. Quelle: imago/ZUMA Press
Berlin

Die Saat der Gewalt geht auf. In Pittsburgh sterben elf Menschen in einer Synagoge im Kugelhagel eines fanatischen Juden-Hassers. Kurz zuvor fängt das FBI buchstäblich in letzter Sekunde Rohrbomben ab. Die Sprengsätze eines Trump-Anhängers sollten demokratische Politiker und Kritiker des US-Präsidenten in die Luft jagen. Die Vereinigten Staaten werden in diesen Tagen von einer beispiellosen Welle aus Fremdenhass, Rassismus und Antisemitismus heimgesucht. Und der US-Präsident sollte nicht so tun, als trage er dafür keine Mitverantwortung.

Es ist Trump, der die Welt mit rassistischen, sexistischen und ausgrenzenden Beleidigungen in der Attitüde eines Autokraten vergiftet. Seine Sprache schürt ein Klima des Hasses. Sie fördert die Bereitschaft zu rechtem Terror. Bereits wenige Stunden nach seiner Wahl steigt die Zahl rechter Hassattacken sprunghaft von zehn auf 27 an. Der 9. November wird laut FBI zum Tag mit den meisten Hassverbrechen im gesamten Jahr 2016. In den folgenden zehn Tagen werden fast 900 rassistische Belästigungen in den USA registriert - ein Fünftel von ihnen im Namen Trumps.

„Sehr feine Leute“ auf beiden Seiten

Im August vergangenen Jahres stirbt eine junge Frau, als sie gegen Neonazis in Charlottesville demonstriert. Statt zu kondolieren, nimmt Trump die Teilnehmer des rechten Marsches auf einer Pressekonferenz in Schutz. Der Präsident setzt die mit Hakenkreuzen und Waffen marschierenden Neonazis, die gegen Juden skandieren, mit den Gegendemonstranten gleich. Es gebe Schuld auf beiden Seiten, sagt er. Nicht alle rechten Teilnehmer seien Nazis oder Rassisten. Es habe auf beiden Seiten „sehr feine Leute“ gegeben. Die Frage eines Journalisten, ob das brutale Überfahren des Opfers Terror gewesen sei, bezeichnet Trump als „juristische Semantik“. Dave Duke, ehemaliger Ku-Klux-Klan-Führer, bedankt sich bei Trump für dessen „Ehrlichkeit und Mut“.

„Sie alle sind verbale Brandstifter“

Für den Neurobiologen Joachim Bauer ist Sprache wie Handeln - nur auf symbolischer Ebene. Die Sprache könne Handlungen nicht nur ersetzen, sondern auch ankündigen und ihnen den Weg bahnen.

Bauers Analyse sei all jenen eine Mahnung, die versuchen, die Grenzen des Sagbaren immer weiter nach rechts zu verschieben; Italiens Innenminister Matteo Salvini von der rechtsextremen Partei Lega, der Flüchtlinge verächtlich als „Menschenfleisch“ bezeichnet; Bayerns Ministerpräsident Markus Söder, der Frauen und Kinder auf der Flucht vor Bomben und Bürgerkrieg „Asyltourismus“ unterstellt; Ungarns Ministerpräsident Viktor Orban, der Migranten vorwirft, sein Land und europäische Großstädte besetzen zu wollen; oder Brasiliens Präsidentschaftskandidat Jair Bolsonaro, der für den Fall seiner Wahl „umfassende Säuberungen“ ankündigt und Linke in Gefängnisse werfen will.

Sie alle sind verbale Brandstifter. Sie alle machen sich mitschuldig, wenn Rassismus, Fremdenhass, Antisemitismus und Gewalt gegen politische Gegner weltweit ungeniert eskaliert.

Von RND/Jörg Köpke

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