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Politik Der US-Präsident als Brandstifter
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20:22 08.06.2017
Erst vor wenigen Tagen schmiedeten US-Präsident Donald Trump (li.) mit Ägyptens Präsident Abdel Fattah al-Sisi (v. r.) und der saudische König Salman eine Anti-Terror-Allianz. Der Feind heißt derzeit Katar. Quelle: Foto: AP
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Berlin

Das Parlament in Ankara billigte ein Abkommen, wonach zusätzliche türkische Truppen in Katar stationiert werden sollen. Zu Beginn der Woche hatten Länder wie Saudi-Arabien, Ägypten, Bahrain und die Vereinigten Arabischen Emirate ihre diplomatischen Beziehungen zu Katar abgebrochen. Sie beschuldigen das kleine Land, Terrorgruppen wie den „Islamischen Staat“ zu finanzieren. Außerdem würde Doha den gemeinsamen Kurs zur Isolation des Nachbarn Iran gezielt unterwandern. Die jüngste Eskalation wirft ein weiteres Schlaglicht auf den jahrzehntelangen kalten Krieg zwischen dem sunnitischen Königreich Saudi-Arabien und der schiitischen Islamischen Republik Iran.

Dass sich nun die Türkei auf die Seite Katars schlägt, ist für den Direktor der Stiftung Wissenschaft und Politik, Volker Perthes, ein Beleg für die Verschiebung bisheriger Bündnisse in der Golfregion. „Katar bemüht sich um neue Beziehungen – insbesondere um ein besseres Verhältnis zum Iran und zu Russland.“

Doch ausgerechnet der Iran wurde am Mittwoch erstmals seit Jahrzehnten Ziel eines Terroranschlags. 18 Menschen – darunter die sechs Attentäter – starben bei dem Doppelschlag in der Hauptstadt Teheran, den kurze Zeit später der „IS“ für sich reklamierte.

„Der sogenannte Islamische Staat hat schon seit Längerem angekündigt, dass er auch Anschläge im Iran durchführen will. In der gegenwärtigen Situation, wenige Tage nach der Zuspitzung der Krise um Katar, gießt dieser Anschlag zusätzliches Öl ins Feuer der regionalen Spannungen“, sagt Perthes. Der Anschlag könne durchaus zu einer Verschärfung der Konflikte im Nahen Osten führen. „Zumal die Iraner jetzt mit ihren Fingern auf Saudi-Arabien zeigen und behaupten, Saudi-Arabien stehe hinter den Anschlägen.“

Die Abneigung beruht auf Gegenseitigkeit: Erst Anfang Mai redete sich der saudische Vizekronprinz Mohammed bin Salman im Staatsfernsehen in Rage, als es um den unbeliebten Nachbarn ging: „Wie können wir in Dialog treten mit einem Regime, das stur an seiner extremistischen Ideologie festhält, dass es über die muslimische Welt herrschen soll?“ Es vergingen keine zwei Wochen und auch Trump machte bei seinem Besuch in Riad den Iran für alles Übel in der Region verantwortlich. Am Donnerstag dann, keine 24 Stunden nach den verheerenden Anschlägen von Teheran, meldete sich der US-Präsident erneut zu Wort und stellte sich auf die Seite Saudi-Arabiens. Den langjährigen Verbündeten Katar, der den wichtigsten US-Militärstützpunkt im Nahen Osten beherbergt, ließ Trump damit öffentlich fallen.

Fachleute warnen vor fatalen Konsequenzen der Krise. Der Nahost-Experte Simon Henderson vergleicht die Lage sogar mit der in Europa vor dem Ersten Weltkrieg. Washington könne eine wichtige Rolle dabei spielen, diese „explosive Situation“ zu entschärfen.

Doch Hoffnung darauf gibt es derzeit wenig: „Wenn wir eine echte amerikanische Außenpolitik hätten, würde der amerikanische Außenminister mit voller Unterstützung seines Präsidenten versuchen, alle Beteiligten zunächst ans Telefon zu bekommen, um auf Beruhigung und Deeskalation zu setzen. Das ist aber schwierig, weil der Präsident mit seinen Tweets zur regionalen Polarisierung beiträgt“, sagt Perthes. Trump sei selbst als Brandstifter unterwegs.

Von Nora Lysk/Martin Gehlen/RND

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