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Politik Der Politiker Trump schadet dem Geschäftsmann Trump
Nachrichten Politik Der Politiker Trump schadet dem Geschäftsmann Trump
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19:05 28.10.2016
Bringt die umstrittene Wahlkampagne auch den Geschäftsmann Donald Trump ins Trudeln? Quelle: GETTY IMAGES NORTH AMERICA
Washington

Das historisch wertvolle Old Post Office meint es nicht gut mit seinen Besitzern. Jahrelang wurde das Mammutgebäude unweit des Weißen Hauses von der Stadtverwaltung bewirtschaftet und entwickelte sich zu einem Fass ohne Boden.

Nun, nach dem es Donald Trump für knapp 200 Millionen Euro zu einem Luxushotel umbauen ließ, steht das Geschäft wieder unter keinem guten Stern: Obwohl es in Washington an Gästen aus aller Welt wirklich nicht mangelt, werden die Zimmer weit unter ihren ursprünglichen Preisen verscherbelt.

Forbes: Trumps Vermögen schrumpft

Trump hat zurzeit keinen guten Lauf – weder politisch noch geschäftlich. Nicht allein das neue Hotel in Washington bereitet dem Milliardär Kopfzerbrechen. Auch sein Gesamtvermögen wird deutlich niedriger geschätzt als noch im vergangenen Jahr: Angesichts sinkender Immobilienpreise in New York geht das Forbes-Magazin davon aus, dass sich der Wertverlust für die „Trump Organisation“ auf einen dreistelligen Millionenbetrag summiert.

Zu allem Unglück für den Geschäftsmann wirkt sich offenbar auch seine umstrittene Wahlkampagne auf die Einnahmen aus: So heißt es beim Reisemagazin „Skift“ und beim Buchungsportal „Hipmunk“, dass die Buchungszahlen für Trump-Hotels und Golfanlagen spürbar zurückgehen würden.

„Gäste wollen sich nicht entschuldigen müssen“

Für Ada Pena von der gleichnamigen Washingtoner Reiseagentur kommt diese Entwicklung nicht überraschend: „Die Gäste wollen sich für ihre Hotelwahl nicht entschuldigen müssen. Die politische Atmosphäre ist einfach so aufgeheizt.“ Spätestens seit dem das brisante Video bekannt wurde, in dem sich Trump mit sexuellen Übergriffen brüstet, würden sich viele Besucher abwenden.

Die veränderte Stimmung bekam der Spitzenkandidat der Republikaner auch am Mittwoch zu spüren, als er das Old Post Office offiziell eröffnete: Die erste Garde der Stadtverwaltung, die noch vor zwei Jahren die Vertragsunterzeichnung mit Trump euphorisch gefeiert und gern mit dem Immobilientycoon für Fotos posiert hatte, ließ sich entschuldigen. So gab Bürgermeisterin Muriel Bowser an, sich an diesem Tag um den sozialen Wohnungsbau kümmern zu müssen.

Trumps Hotelzimmer zum Schnäppchenpreis

Dabei müsste Bowser dem umtriebigen Politiker eigentlich dankbar sein: Mit der Kernsanierung der historisch wertvollen Großanlage unweit des Weißen Hauses half der Geschäftsmann der Behörde aus einer prekären Lage. Der wuchtige Bau aus Granit, Stein und Eisen, der jahrelang nur Verluste erwirtschaftete, erstrahlt seit dieser Woche in neuem Glanz. Wie lange die Feststimmung bei dem politischen Quereinsteiger anhält, bleibt allerdings abzuwarten.

Branchenkenner gehen davon aus, dass sich die Investitionen erst rechnen, sobald die feudal eingerichteten Zimmer für mehr als 700 Euro pro Nacht vermietet werden. Mittlerweile wirbt „Trump International“ aber bereits mit Schnäppchenpreisen von weniger als 500 Euro. Vor drei Wochen, als die Weltbank und der Internationale Währungsfonds zum jährlichen Treffen nach Washington einluden und die Hotels der oberen Preisklasse quasi ausgebucht waren, überbot sich das Trump-Hotel mit Preisabschlägen. Und wenige Tage zuvor, als im Ritz-Carlton die Preise auf etwa 1000 Euro pro Nacht kletterten, kamen gutbetuchte Gäste bei Trump bereits für 400 Euro unter.

„Trumps Marke ist am Boden“

Mark Cuban, ebenfalls Milliardär, schätzt Trumps geschäftliche Zukunft überaus düster ein. Gegenüber dem Sender CNBC sagte der Eigentümer der „Dallas Mavericks“: „Die Marke Trump zählte früher zu den fünf stärksten Namen. Heute ist sie am Boden, ähnlich wie der Name des Anlagebetrügers Bernie Madoff.“ Nicht nur mit seinen politischen Ambitionen würde Trump eine Niederlage erleben: „Seine Marke, seine Grundstücke und seine Geschäfte stürzen ab. Er verbrennt alles.“

Nun kommen Cubans harsche Kommentare gegenüber seinem Milliardärskollegen nicht allzu überraschend, zumal der „Self-made man“ bereits vor Monaten Hillary Clinton als Präsidentschaftskandidatin empfohlen hatte. Doch für Cubans Einschätzung, dass sich rüde Wahlkampfmethoden auch auf das Geschäftsleben schlecht auswirken, mehren sich die Anzeichen.

„Trumps Kinder sollten ihren Vater verklagen“

Für Aufsehen sorgt nicht zuletzt der Rechtsstreit zwischen Trump und den populären Chefkochs José Andrés und Geoffrey Zakarian, die eigentlich zwei Restaurants der gehobenen Klasse im Old Post Office eröffnen wollten. Nachdem der New Yorker Immobilientycoon Zuwanderer aus Lateinamerika pauschal als Kriminelle und Vergewaltiger beschimpft hatte, zogen sich die Kochkünstler von dem Vorhaben zurück.

Für Andrés, der 1991 aus Spanien einwanderte, damals nur 50 Dollar und seine Küchenmesser besaß und erst vor drei Jahren die US-Staatsbürgerschaft erhielt, war diese Abkehr eine Frage der persönlichen Ehre. Wie Andrés dem Magazin „Washingtonian“ sagte, zerstöre Trump Senior mit seinem Wahlkampf nicht nur seine Geschäftsgrundlage, sondern auch die seiner Kinder, die ebenfalls an der Hotelanlage in der US-Hauptstadt beteiligt sind: „Sie sollten ihren Vater verklagen. Der hat das gesamte Projekt verseucht.“

Von Stefan Koch

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