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Politik Der Horst passt auf uns auf
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16:05 16.02.2018
Vorbild Bayern: Das Heimatministerium in Nürnberg. Quelle: dpa
Berlin


Ein Ministerium für Heimat ist ein geschickter, geradezu genialer Schachzug symbolpolitischer Psychologie. Mit einem einzigen Wort wird eine ganze kulturelle Werteordnung aufgerufen: christliches Abendland, klassisches Familienbild, Leitkultur und Sittlichkeit. Unmittelbar werden so nationalkonservative Sehnsüchte durchaus beträchtlicher Teile der deutschen (Wahl-)Bevölkerung auf höchster Ebene repräsentiert. Symbolpolitisch heißt Heimat: Der Horst passt jetzt auf euch auf, niemand braucht also mehr AfD zu wählen.

Ministriert muss Heimat allerdings etwas ganz anderes leisten als die musealisierende Verwaltung von Tradition. Ein Heimatminister muss Heimat immer wieder aufs Neue herstellen. Er müsste strukturschwache Grenzregionen stabilisieren und das Land flächendeckend digital vernetzen. Er müsste kommunale Jugendzentren erhalten, lokale Bildungspartnerschaften schaffen, Sportplätze ausbauen. Haben Menschen das Gefühl, wertgeschätzter Teil des Ganzen zu sein, lassen sich Landflucht nachkommender Generationen verhindern und das Desaster der Wohnsituation in den überfüllten Großstädten auf natürlichem Wege entschärfen.

Und angesichts der schieren Realität auch künftig unvermeidbarer Migration müsste Heimat als kultureller Prozess definiert werden: dynamisch und offen, damit all jene, die sich im Rechtsgebiet der Bundesrepublik auf das Grundgesetz verpflichtet haben, sich mit ihrer Alltagskultur darin einschreiben können. Teilhabe durch Teilnahme ist nach wie vor die wichtigste Ressource für ein gelingendes Gemeinwohl.

Christian Schüle ist Autor des Buches „Heimat. Ein Phantomschmerz“.

Von Christian Schüle

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