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Politik Der Griff nach dem Strohhalm
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18:07 16.01.2018
Ein Mann sammelt bei Accra (Ghana) nach verwertbarem Material am verschmutzten Korle Gono Strand. Quelle: dpa
Straßburg

Die EU-Kommission hat ein ehrgeiziges Ziel ausgerufen. Bis 2030 sollen sämtliche Plastikverpackungen wiederverwertbar sein. Die Kommissare wollen so die Meere entlasten und die Verbraucher schützen. „Wie atmen Plastik, wir essen und trinken Plastik“, sagte der Vizepräsident der Behörde, Frans Timmermans, am Dienstag in Straßburg. Und er veranschaulichte das Problem mit einem überaus eindrucksvollen Bild: „Wenn Ihr Kind einen Strohhalm zum Trinken benutzt, wird er gerade mal fünf Minuten gebraucht. Aber es dauert 500 Jahre, bis das Material sich zersetzt hat.“

25 Millionen Tonnen Kunststoffmüll fallen jährlich an

Tatsächlich erscheinen die Zahlen dramatisch. 37,4 Kilo Verpackungsmüll aus Plastik produziert jeder Bundesbürger pro Jahr. Trotz intensiver Bemühungen sind die Recyclingquoten bescheiden – sie liegen bei gerade mal 30 Prozent. Der Müllberg dürfte in diesem Jahr sogar noch höher ausfallen, weil China seine bisherigen Aufkäufe von Abfall aus anderen Ländern Ende 2017 eingestellt hat. Vermeiden, eindämmen, verhindern lautet deshalb die große Linie der Kommissions-Strategie. Bis 2030 sollen alle Kunststoffe wiederverwertbar sein. An den großen Häfen müssen Abfall-Sammelstellen für Schiffe geschaffen werden, um die Entsorgung auf hoher See zu stoppen. An Land soll die sortenreine Sammlung von Verpackungsplastik gefördert werden. Dies ist eine wichtige Voraussetzung, um beispielsweise Getränkeflaschen wieder aufzuarbeiten und entsprechend den Hygiene-Anforderungen zu nutzen.

Ein weiterer Schwerpunkt soll der Kampf gegen Mikroplastik-Partikel von einer Größe unter fünf Millimetern Größe sein. Solche Teilchen werden in der Kosmetik-Industrie beispielsweise für Peeling-Präparate, Waschmittel oder Zahncremes benutzt. Aber sie gehören auch zu den besonderen Sorgenkindern des Umweltschutzes. Denn die Partikel wandern durch alle Filter ins Wasser, von dort ins Meer und werden von Fischen gefressen. Auf diesem Weg landen sie am Ende wieder auf dem Teller des Verbrauchers. Forscher konnten Reste davon in Lungen und in der Blutbahn nachweisen. „Die Kunststoffmengen sind viel zu groß, als dass wir das tatenlos weiterlaufen lassen können“, sagte Patrick Hasenkamp vom Verband Kommunaler Unternehmen. 25 Millionen Tonnen Kunststoffmüll fallen jährlich in der EU an, der Anteil des Plastiks im Müll, der an Stränden gesammelt wird, liegt bei 85 Prozent.

Verbraucher könnten Unternehmen unter Druck setzten

Jyrki Katainen, Vizepräsident der EU-Kommission und zuständig für Wachstum, Wettbewerbsfähigkeit und Investitionen, rief gestern die europäischen Unternehmen dazu auf, „eine weltweite Führungsrolle bei neuen Technologien und Materialien zu übernehmen“. Denn: „Die Verbraucher werden sich in Zukunft bewusst im Sinne der Umwelt entscheiden. Das ist ein wirklicher Gewinn für alle Seiten.“ Brüssel will bei notwendigen Investitionen beispielsweise für dringend benötige Recyclinganlagen mit einigen hundert Millionen Euro helfen. Ob der Aufwand am Ende auch die Produkte verteuert, sei noch nicht klar, hieß es gestern bei der EU-Behörde. Derzeit bezahlt jeder deutsche Haushalt pro Jahr zwischen 220 bis 280 Euro im Jahr für Müllabfuhr und Duales System. Sehr viel teurer, so Experten, werde es nicht werden.

Von Detlef Drewes/RND

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