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Politik Das wissen wir über den mutmaßlichen Attentäter
Nachrichten Politik Das wissen wir über den mutmaßlichen Attentäter
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21:03 08.04.2017
Spurensicherung am Tatort des mutmaßlichen Terroranschlags in Stockholm (Schweden). Quelle: Bildbyran via ZUMA Wire
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Stockholm

Nach dem Lkw-Anschlag in der Stockholmer Innenstadt konzentrieren sich die Ermittler auf einen Hauptverdächtigen aus Usbekistan und gehen von einem terroristischen Motiv aus. „Viel spricht zum jetzigen Zeitpunkt dafür“, sagte Staatsanwalt Hans Ihrman bei einer Pressekonferenz in der schwedischen Hauptstadt am Samstag. „Die Umstände weisen auf eine Absicht hin, unserer Bevölkerung zu schaden und für Angst und Schrecken zu sorgen.“

Wie sind die Ermittler auf den Hauptverdächtigen gekommen?

Kurz nach dem Anschlag am Freitag veröffentlichte die Polizei mehrere Bilder, die von einer Überwachungskamera stammten. Auf den Fotos war ein Mann in einer Kapuzenjacke zu sehen. Er soll zur fraglichen Zeit am Tatort beobachtet worden sein. „Mit dieser Person würden wir gern in Kontakt kommen“, sagte Reichspolizeichef Dan Eliasson am Freitagabend. Später wurde ein Mann festgenommen. Der Zugriff soll in einem Geschäft in Märsta nördlich der Hauptstadt erfolgt sein, wie schwedische Medien berichteten.

Quelle: dpa

Was soll der Mann getan haben?

Am Freitag war ein Lastwagen in der Einkaufsstraße Drottninggatan im Zentrum der schwedischen Hauptstadt in eine Menschenmenge und dann in ein Kaufhaus gefahren. Dabei wurden vier Menschen getötet und mindestens 15 weitere verletzt. Acht der Verletzten waren nach Angaben der Ermittlungsbehörden am Samstagnachmittag noch im Krankenhaus.

Stockholm: Lkw rast in Kaufhaus

Auf einer zentralen Einkaufsstraße in Stockholm raste ein Lastwagen in eine Menschenmenge und anschließend in ein Kaufhaus. Vier Menschen wurden getötet, 15 weitere verletzt. Ein Mann wurde festgenommen. Die Ereignisse im Überblick – unseren Liveblog finden Sie hier.

Woher hatte der Täter den Lkw?

Der Lastwagen gehört einer Brauerei. Ein Sprecher des Unternehmens sagte am Freitag einem Radiosender, der Fahrer habe gerade ein Restaurant beliefern wollen. Er habe hinten am Laster gestanden, um ihn aufzuschließen, als ein Maskierter vorne in die Fahrerkabine gesprungen und weggefahren sei. Der Brauerei-Fahrer habe vergeblich versucht, den Mann zu stoppen.

Wer ist der Hauptverdächtige?

Es ist ein 39 Jahre alter Mann aus Usbekistan. Die Polizei geht davon aus, dass er „wahrscheinlich“ den Lastwagen gesteuert hat. Der Mann steht deshalb unter Terror- und Mordverdacht. „Nichts besagt, dass wir die falsche Person festgenommen haben“, betonte Reichspolizeichef Dan Eliasson. Nach dem Anschlag in Stockholm gebe es genügend Verdachtsmomente, um den Mann festzuhalten. Man könne aber noch nicht ausschließen, dass mehrere Menschen an der Tat beteiligt waren. Derzeit würden das Telefon des Verdächtigen und seine Aktivitäten in sozialen Netzwerken untersucht, teilten die Ermittler mit.

Was sagt sein Umfeld?

Eine angebliche Bekannte des Tatverdächtigen bezeichnete den 39-jährigen Usbeken als „ganz normalen Arbeiter“. Er sei „kein religiöser Fanatiker“, sagte die Frau der Tageszeitung „Dagens Nyheter“. Sie gab an, dem usbekischen Landsmann ihre Postadresse zur Verfügung gestellt zu haben. Vor einiger Zeit habe ein gemeinsamer Bekannter sie gefragt, ob der Mann seine Post an ihre Adresse schicken lassen könne, und sie habe zugestimmt. „Wir Usbeken helfen einander“, sagte die Frau dem Blatt. Sie habe in den vergangenen Jahren nur bei der Übergabe der Post Kontakt mit dem Mann gehabt. Zuletzt habe sie ihn im Sommer 2016 gesehen. Demnach soll der 39-Jährige im Baugewerbe gearbeitet haben. Seine Frau und Kinder hätten nicht in Schweden gelebt. „Ich kann nicht verstehen, dass irgendjemand unschuldige Menschen würde töten wollen“, wurde die Frau von der Zeitung zitiert. „Ich habe nie irgendwelche Anzeichen gesehen, dass er ein Extremist war oder sich für Religion interessierte. Im Gegenteil, wie viele Usbeken in Schweden hat er gefeiert und Alkohol getrunken.“

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Mehrere Tote befürchtet:In Stockholm ist ein Lkw in ein Kaufhaus gerast. Ministerpräsident Stefan Löfven sage, alles deute auf einen Terroranschlag hin.

Was ist über das Motiv bekannt?

Das Tatmotiv sei derzeit noch unklar, sagen die Ermittler. „Wir kennen seine Absichten nicht“, erklärte Reichspolizeichef Dan Eliasson. Ob der Hauptverdächtige aus Sympathie für die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) gehandelt habe, werde noch untersucht. Der Verdächtige war der Polizei seit dem Vorjahr namentlich bekannt. „Wir konnten keine Verbindungen zu extremistischen Milieus bestätigen“, sagte Anders Thornberg von der schwedischen Sicherheitspolizei mit Blick auf die damaligen Untersuchungen.

Welche Spuren hat die Polizei gesammelt?

Der Lastwagen wurde in der Nacht zu Sonnabend abgeschleppt und soll nun kriminaltechnisch untersucht werden. Die Polizei teilte mit, dass auf dem Fahrersitz des Tatfahrzeugs „ein technisches Gerät“ gefunden worden sei. Um was es sich genau handelte, solle nun eine Untersuchung klären, Reichspolizeichef Dan Eliasson. Medien hatten spekuliert, es könne eine Bombe sein. Tatort und Umgebung blieben zunächst abgesperrt.

Erstes Opfer identifiziert

Eines der vier Todesopfer des mutmaßlichen Terroranschlags in Stockholm ist identifiziert. Die Ermittler hätten die Angehörigen benachrichtigt, sagte eine Polizeisprecherin am Samstagabend. Zu Geschlecht und Alter des Opfers wollte die Sprecherin keine Angaben machen. Informationen über die anderen drei Opfer werde die Polizei erst herausgeben, wenn die Angehörigen informiert seien.

Von dpa/RND

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