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Politik Das arme Schwein
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23:16 14.01.2018
Wildschwein in Brandenburg. Quelle: dpa
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Hannover


Das Gemetzel kann beginnen. Auf geht’s zur Jagd auf die Afrikanische Schweinepest (ASP). Zahlreiche Länder haben die Jagdvorschriften gelockert; manche setzen Kopfgelder aus. Schonzeiten wurden aufgehoben, dabei sind viele Wildsauen um diese Jahreszeit hochtragend. In Baden-Württemberg wurde sogar beschlossen, das Schießen von führenden Sauen, also Muttertieren mit Nachwuchs, nicht mehr zu ahnden, auch wenn das für die Frischlinge den Hungertod bedeutet.

So beginnt im Winterwald, in dem das Nahrungsangebot ohnehin knapper ist, ein Hetzen und Schießen, das nicht nur Wildschweinen, sondern auch Rehen, kleineren Säugetieren und Vögeln Ruhe und letzte Reserven raubt. Und das alles, obwohl die wahren Verbreiter der ASP nicht die Wildschweine, sondern die Menschen sind. Experten sind sich einig: Mit Essensresten, verschmutzen Kleidungsstücken und Fahrzeugen haben Menschen der Seuche zur schnellen Verbreitung in Europa verholfen. Nur Hygiene hilft hier, nicht schießen.

Im Übrigen weiß jeder Biologe, dass in ein Gebiet, in dem die eine Tierpopulation „dezimiert“ wird, sofort Tiere aus benachbarten Gebieten einwandern. Die Verbreitung einer Seuche wird somit eher beschleunigt. Auch bei der Tollwutbekämpfung versuchte man es lange mit dem Erschießen von Füchsen; erst Impfaktionen drängten die Tollwut zurück.

Aber dies ist keine Zeit für klare Köpfe, sondern ein Fest des blinden Aktionismus. Die deutschen Schweinefleischexporteure fürchten um ihren Ruf bei Großabnehmern unter anderem in China. Und zahlen muss, wie immer: das arme Schwein.

Hilal Sezgin lebt als – vegane – Schriftstellerin auf dem Land.

Von Hilal Sezgin

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