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20:08 01.06.2018
Das Fahrrad ist noch viel mehr als ein Mobilitätsgarant. Es ist im Wortsinn das Vehikel für Fortschritt – und für eine nachhaltige ENtwicklung überall auf der Welt. Quelle: istock
Berlin

Jetzt ist die Zeit, in der wir unsere Fahrräder wieder aus dem Keller holen, eine Tour mit der Familie oder Freunden planen, für den Weg zur Arbeit oder zum Einkaufen den Drahtesel nutzen. Manche machen sich sogar für ein Rennen fit. Für die meisten von uns geht es um die Freude am Radeln, um Naturerlebnisse oder sportliche Erfolge. Mit dem Fahrrad kommen wir von A nach B. Fahrräder sind Alltagsgerät und Glücksbringer in einem.

Vermutlich aber haben nur wenige von uns mitbekommen, dass die Generalversammlung der Vereinten Nationen im April dieses Jahres per Resolution den 3. Juni zum Weltfahrradtag erklärt hat. Aber mal ehrlich: Brauchen wir so einen Tag? Ja. Denn das Fahrrad ist noch viel mehr als ein Mobilitätsgarant. Es ist im Wortsinn das Vehikel für Fortschritt.

Fahrräder haben mit der Arbeit der UN viel mehr zu tun, als auf den ersten Blick ersichtlich ist. Vor allem dort, wo wir mit dem ersten Blick eben nicht hinschauen. Die Resolution erkennt das Fahrrad – vor 201 Jahren in Deutschland erfunden – als Mittel zur Förderung nachhaltiger Entwicklung an: Es stärkt Bildung, sorgt für bessere Gesundheit und beugt Krankheiten vor. Es fördert Toleranz, gegenseitiges Verständnis und Respekt, unterstützt soziale Inklusion und eine Kultur des Friedens.

Weltpolitik auf zwei Rädern

Weltpolitik auf zwei Rädern also? Mit dem Beschluss zum Weltfahrradtag fordern die Vereinten Nationen ihre Mitgliedstaaten jedenfalls auf, dem Fahrrad in ihren Entwicklungsstrategien besondere Aufmerksamkeit zu widmen und es in politische Entscheidungen und Programme einzubeziehen – auf internationaler wie auf lokaler Ebene.

Die treibenden Kräfte hinter der erfolgreichen Einführung des Weltfahrradtages sind die beiden Radfahrverbände World Cycling Alliance (WCA) und die European Cyclists Federation (ECF). Ihre Kampagne begründeten sie auch mit den Ergebnissen einer Studie des gemeinnützigen Instituts für Verkehrs- und Entwicklungspolitik (ITDP) und der University of California von 2015.

Der zufolge führt der Einsatz von Fahrrädern – einschließlich E-Bikes – für den Zeitraum von 2015 bis 2050 zu Energieeinsparungen und CO2-Reduzierungen und damit zu Kosteneinsparungen in Höhe von voraussichtlich 24 Billionen US-Dollar.

Mehr Nachhaltigkeit, bessere Entwicklungschancen

Tatsächlich trägt das Fahrrad dazu bei, Konsum und Produktion nachhaltiger zu machen. Aber das Fahrrad ist darüber hinaus ein sehr wirkungsvolles Mittel, um Entwicklung voranzubringen. Die internationalen Radfahrvereinigungen zeigen, dass Fahrräder einen Beitrag zu zwölf der 17 globalen Ziele für nachhaltige Entwicklung leisten können.

Die Arbeit von Hilfsorganisationen wie World Bicycle Relief belegt, wie das Fahrrad beispielsweise zur Reduzierung von Armut (Ziel 1) und Hunger (Ziel 2) beiträgt, die Verbesserung von Gesundheit und Wohlbefinden unterstützt (Ziel 3) und Bildung (Ziel 4), Gleichstellung der Geschlechter (Ziel 5) und Verringerung von Ungleichheiten (Ziel 10) fördert.

Über das Schulprogramm BEEP (Bicycles for Educational Empowerment) wurde bereits erreicht, dass die Anwesenheitsraten von Schulkindern in ländlichen Gegenden Subsahara-Afrikas um 28 Prozent stiegen – nachdem die Kinder Fahrräder für den oft viele Kilometer langen Schulweg erhalten hatten. Die Lernleistungen verbesserten sich um bis zu 59 Prozent.

Niedrigere Schulabbruchraten von Mädchen

70 Prozent der Fahrräder aus diesen Schulprogrammen gehen, ganz im Sinne der Agenda 2030, an Mädchen, weil diese in der Regel größere kulturelle und soziale Hürden zu überwinden haben als Jungen, wenn sie am Unterricht teilnehmen wollen. Häufig heiraten sie früh und bekommen Kinder, bevor sie die Grund- oder weiterführende Schule abschließen. Die Fahrradprogramme helfen, die Schulabbruchraten von Mädchen deutlich zu senken.

Es geht aber nicht nur um Zugang zu Bildung. Auch für Kleinbauern und Gesundheitsfachkräfte im ländlichen Afrika ist Mobilität eine tägliche Herausforderung, wenn sie Märkte und Patienten erreichen müssen. Mit einem Fahrrad können Pflegekräfte dort 45 Prozent mehr Patienten am Tag besuchen als zu Fuß.

Ein Programm von World Bicycle Relief in Sambia hat gezeigt, dass Milchbauern ihre Produktion um 25 Prozent und ihr Einkommen um 23 Prozent steigern konnten, seit sie stabile, robuste Fahrräder für den Transport zu den Märkten einsetzen. Die positive Wirkung eines einzigen Fahrrads kommt nicht nur dem Einzelnen, sondern Familien und ganzen Dörfern zugute.

Ein so wirkungsvolles wie preiswertes Werkzeug

Verschiedene UN-Organisationen haben den Mehrwert des Fahrrads in der Entwicklungszusammenarbeit erkannt und kooperieren deshalb mit Organisationen wie World Bicycle Relief. So hat die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der UN 4500 Räder im Einsatz, um in Sambia ein Projekt zur Steigerung landwirtschaftlicher Produktion umzusetzen.

Über ein Programm des UN-Bevölkerungsfonds wurden mit Unterstützung weiterer öffentlicher und zivilgesellschaftlicher Akteure 250 Fahrräder an in Armut lebende, indigene Mädchen in Chisec im ländlichen Guatemala verteilt.

Auch wenn die Agenda 2030 das Fahrrad nicht explizit erwähnt: Es ist ein so wirkungsvolles wie preiswertes Werkzeug, das einen wichtigen Beitrag auf dem Weg zum Erreichen zahlreicher Entwicklungsziele leisten kann. Fahrräder haben das Potenzial, das Leben von Millionen Menschen und Dorfgemeinschaften zu verändern. Ein guter Grund, den Weltfahrradtag gemeinsam zu feiern.

Brook Boyer Quelle: privat

Zur Person: Brook Boyer ist passionierter Radfahrer und arbeitet für das Ausbildungs- und Forschungsinstitut der Vereinten Nationen Unitar. Er leitet dort die Planungs- und Evaluierungsabteilung.

Von Brook Boyer

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