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Politik Darum gibt es Zweifel am IS-Bekennerschreiben
Nachrichten Politik Darum gibt es Zweifel am IS-Bekennerschreiben
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18:23 30.10.2016
Am Tatort erinnern Eltern und Freunde an den Jugendlichen. Ein Mann hatte den 16-Jährigen vor zwei Wochen an der Kennedybrücke in Hamburg erstochen. Quelle: dpa
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Hamburg/Berlin

Die Nachricht kam mitten in der Nacht. Ein „Soldat“ des IS, wie die Terroristen so oft schreiben, habe zwei Menschen in Hamburg angegriffen. Das behauptet Amak, das Sprachrohr, über das der IS häufig mit Verbrechen prahlt. Am 16. Oktober soll der Islamist zugeschlagen haben. Dem Tag, an dem tatsächlich ein Unbekannter in Hamburg einen Teenager erstach und seine Begleiterin in die Alster stieß.

Am Tatort liegen immer noch frische Blumen. Auf einem Zettel in Klarsichtfolie steht: „Victor, wir vermissen Dich“. Ein 16-Jähriger wurde erstochen. Hamburg trauert. Der Täter ist unbekannt. Der IS verschickt eine Botschaft. Das ist aber schon alles, was am Sonntag klar ist – die Fragezeichen überwiegen.

Ein IS-Angriff wäre keine Überraschung mehr

Hamburgs Innensenator Andy Grote (SPD) sagte, man nehme die aktuellen Hinweise auf einen möglichen IS-Hintergrund sehr ernst. Allerdings enthalte die Bekennernachricht des IS auch Ungereimtheiten. „Ziel des IS – auch bei Bekennungen – ist regelmäßig, Angst und Verunsicherung zu verbreiten. Deshalb ist es richtig, dass die Ermittlungen mit Hochdruck, aber auch mit professioneller Unaufgeregtheit und in alle Richtungen weiter geführt werden“, teilte Grote mit.

Ein IS-Angriff in Deutschland, das wäre nach den Attentaten von Ansbach und Würzburg keine Überraschung mehr. An Schrecken haben solche Nachrichten aber nicht verloren. Vielleicht im Gegenteil: Die Deutschen wissen inzwischen, dass der Terror auch sie treffen kann. Kann es sein, dass der IS diesmal in Hamburg zugeschlagen hat?

Den Tätern reicht ein Messer

Untypisch wären eine solche Tat und das Muster für den IS nicht. Einzeltäter, vielleicht über Bekannte oder das Internet radikalisiert, planen ihre Tat weitgehend selbst und schlagen zu. Etwas später folgt die Botschaft des IS: Es war einer von uns.

Solche vom IS „ferngesteuerten“ Attentäter seien eine besondere Herausforderung für die Ermittler, sagt Verfassungsschutzpräsident Hans-Georg Maaßen. Sie brauchen keine Sprengstoffgürtel, keine Bomben. Es reicht ein Messer, eine Axt, ein Auto.

Sprang der IS auf einen fahrenden Zug auf?

Sie tun, was der Ende August getötete IS-Propagandachef Abu Mohammed al-Adnani gefordert hatte: Zufallsopfer überall und jederzeit mit den Mitteln töten, die eben gerade zur Verfügung stehen. Je mehr der IS in seinem Stammland Boden verliert, desto stärker versucht er, vor allem im Westen Anschläge zu verüben, fürchten Sicherheitsexperten.

Im Hamburger Fall kann es aber auch ganz anders gewesen sein. Der Täter habe eine „südländischer Erscheinung“ gehabt, sei etwa 23 bis 25 Jahre alt und 1,80 bis 1,90 Meter groß, berichtete die Begleiterin des Opfers der Polizei.

Vielleicht bekam der IS Wind davon, dass es da ein ungeklärtes Verbrechen gibt, bei vom Täter jede Spur fehlt und das Motiv völlig unklar ist, und sprang auf einen fahrenden Zug auf. Denn ungewöhnlich ist es schon, dass sich die Terrormiliz erst zwei Wochen nach der Tat dazu bekennt. „Für gewöhnlich äußert sich der IS nach vergleichbaren Taten innerhalb von rund 48 Stunden“, berichtet der „Spiegel“.

Und in der Mitteilung von Amak ist die Rede von zwei Opfern, wie das Magazin schreibt. „Ein Soldat des ‚Islamischen Staats’ hat am 16. dieses Monats zwei Individuen in Hamburg erstochen“, schreibt Amak, die sogenannte Nachrichtenagentur des IS.

Tatsächlich wurde aber nur der 16-Jährige vom Angreifer mit einem Messer angegriffen, seine Begleiterin dagegen nicht. Aber selbst wenn der IS doch nicht für die Messerattacke in Hamburg verantwortlich sein sollte – selbst mit Falschmeldungen können die Terroristen verunsichern und Behörden alarmieren.

Von dpa/RND/wer

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