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Politik Buschkowsky knöpft sich Sarrazin vor – Vergleich mit Trump
Nachrichten Politik Buschkowsky knöpft sich Sarrazin vor – Vergleich mit Trump
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16:03 30.08.2018
Thilo Sarrazin und Heinz Buschkowsky: Zweifel am Realitätsbezug. Quelle: dpa
Berlin

Die Luft ist stickig, der Raum hoffnungslos überfüllt. Thilo Sarrazin kommt spät. Fast regungslos blickt er in die Kameras. Das Klacken der Auslöser und das Surren der Autofokusobjektive machen eine Verständigung kaum noch möglich. Das Blitzgewitter geht erst zu Ende, als ein Verlagsmitarbeiter die Fotografen per Countdown auszählt. Vier, drei, zwei eins…

Enorme Medienpräsenz

Gemessen an der Klage des früheren Berliner Finanzsenators, er solle zur gesellschaftlichen Unperson abgestempelt werden, ist das Interesse an seinem neuen Buch mit dem Titel „Feindliche Übernahme“ gigantisch. Dicht gedrängt sitzen, hocken und stehen die Journalisten bei der offiziellen Präsentation. Die Rezensionsexemplare, die der Verlag zur Verfügung gestellt hat, sind im Handumdrehen vergriffen.

Sarrazin sieht sich vollständig bestätigt

Schon vor der Veröffentlichung hatte das islamkritische Buch für große Aufregung und massive Kritik gesorgt. Rassismus lautet der Vorwurf, den Sarrazin sich nun gefallen lassen muss.

Ihn selbst ficht das – wenig überraschend – nicht an. Vollständig durch die Entwicklung der letzten Jahre bestätigt sehe er sich, sagt Sarrazin. „Wo ich geirrt habe, wurde es nur noch schlimmer.“

Hätte die Politik auf seine Warnung gehört, hätte sie manch aktuelles Problem nicht, glaubt er. Und nein, die SPD verlassen werde er nicht. Manch einer in seiner Partei hatte das im Vorfeld gefordert, unter anderem Generalsekretär Lars Klingbeil.

Sarrazin bittet Buschkoswky um Rezension

Als Erstrezensent hat Sarrazin einen alten Bekannten eingeladen: Der frühere Neuköllner Bezirksbürgermeister Heinz Buschkowsky soll sagen, was er von dem neuen Buch hält. Die Wahl ist naheliegend, auf den ersten Blick überwiegen die Gemeinsamkeiten zwischen Sarrazin und Buschkowsky. Beide sind seit 1973 in der SPD, beide haben viele Jahre Lokalpolitik in der Bundeshauptstadt betrieben, beide interessieren sich für Migrations- und Integrationspolitik, beide sind so streitbar wie umstritten.

Buschkowsky stimmt Sarrazin nur bedingt zu

Doch sollte Sarrazin erwartet haben, dass mit Buschkowsky ein Gleichgesinnter sein Buch bespricht, sieht sich der ehemalige Finanzsenator getäuscht. Buschkowsky denkt gar nicht daran, sich mit Sarrazin gemein zu machen. Zwar räumt er ein, dass der Autor selbstverständlich das Recht habe, ein solches Buch zu schreiben, auch auf die Gefahr hin, dass es von rechten Hetzern missbraucht werde, weil sonst ja die „Pappnasen mit dem Hitlergruß“ diejenigen seien, die die Meinungsfreiheit beschneiden könnten.

Auch findet er aus seiner Sicht in dem Wälzer durchaus zutreffende Beschreibungen gescheiterter Integration in städtischen Problembezirken und teilt auch Sarrazins Meinung, dass muslimische Jungen deutlich weniger Bildungserfolge als andere Jungen erzielten, weil der Anteil derjenigen, „für die Schule und lernen Moppelkotze ist“, unter ihnen bedeutend höher sei.

Buschkowsky lehnt letztendlich Sarrazins Kernthesen ab

Das ist es dann aber auch mit den Gemeinsamkeiten zwischen dem „lieben Heinz“ und dem „lieben Thilo“. Die Kernthesen des Buches, und vor allem dessen Schlussfolgerungen lehnt Buschkowsky ab. Er bestreite zwar nicht, dass muslimische Frauen im Schnitt mehr Kinder gebären würden als nicht-muslimische, hält aber wenig von Sarrazins Vermutung, dass dahinter das Ziel einer demografischen Überwältigung der Mehrheitsgesellschaft stehe.

Buschkowsky sagt es so: „Das ist eine These, lieber Thilo, der ich nicht beitreten möchte.“ Es gebe Verschiebungen in den Mehrheitsverhältnissen, aber diese seien nicht ansatzweise so dramatisch, wie Sarrazin sie beschreibe, sagt Buschkowsky. Und niemand könne seriös vorhersagen, wie lange der Trend anhalte.

Buschkowsky vergleicht Sarrazin mit Donald Trump

Die Forderung, den Zuzug von Muslimen zu verhindern, erinnere ihn stark an das Einreiseverbot Donald Trumps, kritisiert Buschkowsky. Und die von Sarrazin geforderte Abschaffung der Revisionsmöglichkeiten im Asylverfahren widerspreche den Grundprinzipien des Rechtsstaates.

Über die Idee, abgelehnte Asylbewerber in deren Herkunftsstaaten zurückzuführen und bei der Verweigerung der Aufnahme militärische Mittel einzusetzen, macht Buschkowsky sich regelrecht lustig. „Das will ich sehen, wie wir das am Strand von Mogadischu durchsetzen.“

Er sei am Zweifeln, sagt Buschkowsky noch, ob es bei Sarrazins Aussichten für die Zukunft einen Realitätsbezug gebe. Er hätte es auch so sagen können: „Moppelkotze.“

Von Andreas Niesmann/RND

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