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19:28 01.08.2017
Auch Frankfurt am Main buhlt um die begehrten EU-Agenturen. Quelle: dpa
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London

Eines haben alle Bewerber gemeinsam: Jeder ist davon überzeugt, die beste Wahl für die Europäische Arzneimittelagentur EMA sowie die Bankenaufsicht EBA zu sein. Dass es viele Kandidaturen um den zukünftigen Standort der beiden derzeit noch in London ansässigen EU-Agenturen geben wird, war absehbar.

Doch mit einer Auswahl von 27 dürfte die Entscheidungsfindung der ebenfalls 27 verbleibenden Mitgliedstaaten nicht einfach werden. Zumal sich die Bewerber größte Mühe gaben, sich von ihrer besten Seite zu zeigen. Während Luxemburg sich schlicht als „natürliche Wahl“ für die Finanzaufsichtsbehörde sah und dafür sogar ein „mietfreies, modernes Bürogebäude“ bereitstellen wollte, versuchten sich andere Städte mit aufwendigen Bewerbervideos.

Pfiffige Kampagne von Amsterdam

Bonn, Kandidatin für die Medikamentenbehörde, machte darin Gesundheitsminister Hermann Gröhe zum Star. Der Ressortchef präsentierte – auf Englisch – die einstige Bundeshauptstadt als jene mit „den besten Bedingungen in ganz Europa“, immerhin gibt es ein Universitätsklinikum. Selbstredend würde ein völlig neues Gebäude für die EMA geschaffen – „einhundertprozentig auf ihre Bedürfnisse zugeschnitten“.

Pfiffiger trat da schon Amsterdam auf, das damit warb, dass „auch wir eine sehr stylische Königin“ haben und außerdem „Fish and Chips genießen“. Aber auch gemessen an den ausschlaggebenden Kategorien wie der Erreichbarkeit, der Verkehrsanbindung sowie der Infrastruktur wie internationale Schulen für Kinder und Arbeitsplätze für mitgereiste Partner dürfte die niederländische Hauptstadt gute Chancen haben. Vom Amsterdamer Businessviertel sind es nur zehn Minuten zum Flughafen Schipol: „mit der größten Anzahl von Flügen in der EU“.

Auch Brüssel ging ins Rennen und bewarb sich gleich für beide Agenturen – klassisch mit schriftlichem Bewerbungsschreiben, ausgeschmückt mit Bildern aus dem historischen Stadtkern und Statistiken, die belegen sollen, dass die Miet- und Wohnungspreise in Brüssel im Vergleich zu anderen europäischen Metropolen weitaus bezahlbarer seien. Dass das freilich nicht für das teure EU-Viertel gilt, sondern eher für den Großraum der belgischen Hauptstadt, wurde nicht erwähnt.

Ein schlagendes Argument: 1500 Sorten belgisches Bier

Stattdessen verlegte sich die EU-Metropole, in der ohnehin bereits die Hauptsitze der drei wichtigsten EU-Institutionen und einiger ihrer Behörden liegen, auf wirklich durchschlagende Argumente, um die Inselbewohner aufs Festland zu locken: 1500 Sorten belgisches Bier. Und bitte, nicht zu vergessen, belgische Schokolade. Dennoch spricht durchaus noch mehr für die Stadt, die wegen der vielen internationalen EU-Beamten bereits mehrere internationale Schulen sowie unzählige in den Landessprachen der Mitgliedstaaten bietet.

Kopenhagen verlegte sich stattdessen lieber auf die wichtigen Dinge im Leben: Die EMA-Mitarbeiter könnten sich im wahrsten Sinne des Wortes glücklich schätzen, „unter Dänen zu leben, die berühmt dafür sind, die glücklichsten Menschen der Welt zu sein“. Helsinki versuchte es mit praktischen Versprechen: innerhalb eines Jahres, gerechnet ab dem gestrigen Dienstag, sollen die ersten Beschäftigten und ihre Familien der Arzneimittelagentur bereits umgesiedelt werden. Malta verkaufte sich als Feriendomizil, in dem auch noch Englisch gesprochen wird – so dass sich die Beamten aus London nicht erst umgewöhnen müssten. Und: Die Insel ist so klein, dass man praktisch von überall maximal 15 Minuten zum Flughafen braucht und praktisch immer das Meer im Blick hat.

Gewählt wird nach Punktesystem

So groß die Konkurrenz um die etwa 900 Mitarbeiter umfassende EMA war, so übersichtlich gestaltete sich das Bewerberfeld für die Bankenaufsicht. Frankfurt dürfte als Sitz der Europäischen Zentralbank sowie vieler internationaler Geldhäuser durchaus Gewicht in der Waagschale haben. Entscheiden müssen die Mitgliedstaaten nach einer Analyse der Kommission im November.

Gewählt wird nach einem Punktesystem, das drei für den Favoriten, zwei für die ebensolche Wahl und einen für den drittliebsten Kandidaten vorsieht, ähnlich dem Eurovision Song Contest. Vorgesehen sind maximal drei Wahlgänge, zur Not mit Knockout-Runde der beiden stärksten Kandidaten. Großbritannien darf übrigens nicht mitwählen. Das Verfahren stehe „außerhalb der Brexit-Verhandlungen“, stellte die EU-Kommission zur Sicherheit klar und sei einzig und allein Sache der 27 übrigen Mitgliedstaaten. Darüber sind diese sich einig. Bei der Wahl der künftigen Standorte der EU-Agenturen dürfte es anders sein.

Von Mirjam Moll/RND

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