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Nachrichten Politik Brüssel will einheitliche Bildungsziele
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17:26 25.01.2018
Die EU will einen einheitlichen Bildungskanon schaffen. Quelle: dpa/Symbolbild
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Brüssel

In Brüssel trafen sich am Donnerstag 450 Experten der EU-Mitgliedstaaten. Ihre Bilanz: In der Union fehlen Initiativen für lebenslanges Lernen und digitale Fähigkeiten. Die Defizite bei Schlüsselkompetenzen dagegen sind groß.

Digitale Fähigkeiten sind europaweit Mangelware

Eigentlich hat die Europäische Union in Bildungsfragen nichts zu sagen. Sie sind Ländersache. Doch schon bevor die Experten gestern in Brüssel zur – bildlich gesprochen – Grundsteinlegung für den künftigen europäischen Bildungsraum zusammenkamen, machte die Kommission klar, wie nötig gemeinsame Initiativen bleiben: Nur einer von zwei Europäern beherrscht mehr als seine Muttersprache. 44 Prozent der EU-Bürger zwischen 16 und 74 Jahren fehlen grundlegende digitale Fertigkeiten – obwohl 90 Prozent der Jobs von morgen genau diese Fähigkeiten verlangen. Nur jede fünfte Fachkraft im IT-Bereich ist eine Frau. Und mehr als 48.000 Schulen in der Union haben bis heute keinen schnellen Breitband-Internet-Anschluss. „Wir müssen die Zusammenarbeit auf EU-Ebene intensivieren, um die Menschen fit zu machen, damit sie die wirtschaftlichen und sozialen Herausforderungen bewältigen“, gab Bildungskommissar Tibor Navracsics die Richtung der Gespräche vor.

Acht Kompetenzen sollen verbindlich werden

Angesichts einer immer längeren Lebensarbeitszeit sei es nötig, das lebenslange Erlenen von Schlüsselkompetenzen zu vertiefen, betonten die Experten in Brüssel. Acht Bereiche haben die Staats- und Regierungschefs sowie die Kommission in vorbereitenden Papieren bereits definiert: Dazu gehören Lesen und Schreiben, Fremdsprachenkenntnisse, ein mathematisches Verständnis und Wissen in Naturwissenschaften und Technik, digitale Fertigkeiten. Aber auch kulturelle Kreativität und unternehmerische Kompetenz. „Dies sind Faktoren, die einen echten europäischen Bildungsraum ausmachen“, sagte Navracsics.

Die EU hat mit ihren Initiativen die Ebene der theoretischen Diskussion längst verlassen. Konkrete Projekte sollen umgesetzt werden. Die „EU Code Week“ ist eines davon. Dabei handelt es sich um eine Art mobiles Lernprogramm, damit alle Bürger das Programmieren und digitale Fähigkeiten auf spielerische Weise lernen können, indem sie Software erstellen und Hardware wie den 3D-Druck, Roboter und sonstige rechnergesteuerte Maschinen ausprobieren dürfen.

Mädchen- und Frauenförderung zum Schwerpunkt machen

Ein besonderer Schwerpunkt gilt der naturwissenschaftlich-technischen Ausbildung von Mädchen. Studien belegen, dass viele von ihnen nach dem 15. Lebensjahr das Interesse an Fächern wie Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften oder Technik verlieren. Nun soll es von der Union spezielle Förderkurse für Frauen im Jugendalter geben. Und da die Zielgruppe bei Erhebungen angab, Frauen als Vorbilder in der digitalen Männerwelt zu vermissen, will Brüssel darauf drängen, gezielt Mentorinnen auszubilden und in die Bildungseinrichtungen zu schicken. Allein das Cybersecurity-Programm der EU soll bis 2020 rund 6000 Lehrerinnen und Lehrer zu Fachkräften rund um das Internet machen. 16.500 Schulen sollen Zugänge zum schnellen Internet bekommen – finanziert aus Strukturmitteln der Gemeinschaft.

„Das Leitmotiv dieses Gipfels lautet: ‚Das Fundament für einen europäischen Bildungsraum schaffen – innovative, inklusive und auf Werte gestützte Bildung verwirklichen“, hieß es gestern in Brüssel. Dazu gehören nach den Aussagen Navracsics‘ übrigens auch Kenntnisse über die Grundlagen und Funktionsweise der EU. Europa als Lehrstoff sei für eine Gemeinschaft, die die junge Generation brauche, ein unverzichtbares Thema in den Schulen.

Von Detlef Drewes/RND

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