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18:38 26.03.2017
Überzeugender Sieg: Die saarländische Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer von der CDU. Quelle: dpa
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Berlin

Die Saar-Wahl lehrt: Auf die Kandidaten kommt es an. Wer den Eindruck vermittelt, etwas bewegen zu wollen, der hat gute Chancen. Und sei es auch nur, die Rückkehr des roten Oskar Lafontaine an der Seite einer euphorisierten, aber indifferenten SPD zu verhindern.

Für den SPD-Hoffnungsträger Martin Schulz wachsen zum Glück die Bäume nicht in den Himmel. Eigentlich war ja sein Sieg, also das Ende einer von der CDU geführten Großen Koalition an der Saar, schon eingepreist. Und jetzt wird die SPD die Frage beantworten müssen, wohin der Schulz-Zug denn fahren soll. Immerhin stand nicht er, sondern die eher emotionsfreie Anke Rehlinger am Sonntag für die SPD zur Wahl. Und die CDU-Spitzenkandidatin Annegret Kramp-Karrenbauer hat nicht wegen, sondern wohl schon eher trotz Angela Merkel das Rennen gemacht. Ihr ist es gelungen, viele Nichtwähler zurückzuholen. Es geht also doch, wenn die Spannung da ist.

Alarmiert sein müssen die kleineren Parteien. Die Linke bleibt, trotz Lafontaine, in der beschränkten Rolle des radikalen Betriebsratsflügels. Sie mag den großen Schrecken verloren haben, aber sie definiert sich über alte Personen oder über die bekannte Abhängigkeit von der SPD. Die Grünen verlieren trotz zehnfacher Regierungsbeteiligung in den Ländern an eigenständigem Wert. Die FDP bleibt draußen, aber die Liberalen haben immerhin den Trost, dass demnächst in Kiel und Düsseldorf ihre zwei stärksten Figuren wissen, wie man erfolgreich wahlkämpft.

Glücklicherweise verstärkt das bescheidene Abschneiden der AfD, gemessen am eigenen überheblichen Anspruch, die Strategie des vernünftigen Umgangs mit den Gesellschaftsspaltern von rechts. Nicht Frauke Petrys Agenda bestimmt den Lauf der Dinge, sondern das, was wirklich ist. Wenn die etablierten Parteien sich ihre in jüngster Zeit gezeigte Konfliktbereitschaft bewahren, wenn es den Mut gibt, Emotionen und politischen Streit zuzulassen, lässt die AfD Federn.

Was sich in dramatischer Weise in den USA mit dem Sieg von Donald Trump gezeigt hat, findet im klitzekleinen Saarland seine Fortsetzung en miniature. Ausschlaggebend ist bei Wahlen nun mal die Situation des High Noon.

Kanzlerin Merkel sollte sich hüten, das Saar-Ergebnis falsch zu interpretieren. Sie wird rausmüssen aus der Schläfrigkeit, mit der sie die Union führt und bis zum Sommer ruhigstellen will. Schon die Wahl in Nordrhein-Westfalen in wenigen Wochen bringt die wirklich wichtige Kraftprobe. Dort geht es um die Frage: Er oder sie? Bei Schulz muss sich nun zeigen, ob nach der Phase des „heiligen Sankt Martin“ die SPD schon wieder Substanz genug hat, um nicht nur an sich zu glauben, sondern um es auch wirklich wissen zu wollen.

Von Dieter Wonka

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