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Politik China lässt Witwe von Nobelpreisträger Liu Xiaobo ausreisen
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07:39 10.07.2018
Liu Xia, die Witwe des Friedensnobelpreisträgers Liu Xiabobo, darf China verlassen Quelle: dpa
Peking

China hat die seit acht Jahren unter Hausarrest stehende Witwe des chinesischen Friedensnobelpreisträgers Liu Xiaobo ausreisen lassen. Die 57-jährige Liu Xia habe das Land am Dienstagmittag an Bord einer Maschine der finnischen Fluggesellschaft Finnair verlassen und will nach Deutschland weiterfliegen, um sich medizinisch behandeln zu lassen, berichtete ihr Bruder Liu Hui. Hier will sie sich medizinisch behandeln lassen.

Liu Hui teilte die Nachricht in dem sozialen Netzwerk WeChat. Seine Schwester werden „ein neues Leben beginnen“, hieß es. Auch der Bürgerrechtsanwalt Mo Shaoping, der mit Liu Hui gesprochen hatte, bestätigte die Angaben des Bruders. Die Freilassung erfolgte nur einen Tag nach dem Besuch des chinesischen Ministerpräsident Li Keqiang zu deutsch-chinesischen Regierungskonsultationen in Berlin.

Merkel setzte sich für Freilassung ein

Bundeskanzlern Angela Merkel hatte sich wiederholt für die Freilassung und Ausreise von Liu Xia eingesetzt. Die Künstlerin, Fotografin und Dichterin leitet unter schweren Depressionen, wie ihre Freunde berichteten. Die Ausreise erfolgte nur drei Tage vor dem ersten Jahrestag des Todes von Liu Xiaobo, der am 13. Juli 2017 in Haft an Leberkrebs gestorben war.

Weil ihr Bruder Liu Hui nicht mit ausreisen durfte, ist Liu Xia auch nach ihrer Ausreise aber nicht wirklich frei. Nach Angaben ihrer Freunde wird Liu Hui als „Geisel“ zurückgehalten. Die Staatssicherheit wolle Liu Xia damit auch im Ausland zum Schweigen bringen, sagte der Bürgerrechtler Hu Jia. Die Botschaft laute: „Dein Bruder ist hier. Du bist wie ein Flugdrache an der Schnur. Die Grenzen deiner freien Meinungsäußerung sind in den Händen anderer“, formuliert Hu Jia die Drohung dahinter.

Menschenrechtler sorgen sich um Gesundheitszustand

Ob die Künstlerin tatsächlich politisch aktiv werden will, ist allerdings völlig offen - nicht nur wegen ihres Gesundheitszustandes, sondern auch, weil Liu Xia nie als Bürgerrechtlerin aktiv war. Durch ihre Heirat mit Liu Xiaobo geriet sie ins Fadenkreuz der Staatssicherheit. „Liu Xiaobo zu lieben, ist ein Verbrechen“, hatte Liu Xia jüngst noch unter Tränen in einem Telefonat mit dem im Exil in Berlin lebenden Schriftsteller Liao Yiwu gesagt. Ihre Behandlung empfand die 57-Jährige als „lebenslange Haft“.

Nicht nur Freunde, sondern auch Menschenrechtsexperten der Vereinten Nationen waren in Sorge über ihren psychischen Zustand. „Wir sind beunruhigt von Berichten über die Verschlechterung des Gesundheitszustandes von Liu Xia“, hatten die UN-Ermittler im Kampf gegen zwangsweises Verschwinden und willkürliche Inhaftierungen sowie der Sonderberichterstatter zur Lage von Menschenrechtsverteidigern erst vergangene Woche in Genf mitgeteilt.

Erster Friedensnobelpreis für einen Chinesen

Nach Angaben ihres Freundes Liao Yiwu sind ihre Depressionen so schlimm, dass sie auch schon mal bewusstlos zusammenbricht oder unter Herzproblemen und anderen Symptomen leidet. Sie nehme starke Medikamente dagegen, die aber Halluzinationen auslösten. In einem Telefonat am 25. Mai sagte Liu Xia dem exilierten Dichter: „Wenn ich tot bin, falle ich niemandem mehr zu Last.“

Ihr Mann war 2009 wegen „Untergrabung der Staatsgewalt“ zu elf Jahren Haft verurteilt worden. Er war 2008 Mitverfasser der „Charta 08“, in der ein „freier, demokratischer und verfassungsmäßiger Staat“ gefordert wird. Das Nobelkomitee verlieh Liu Xiaobo 2010 als erstem Chinesen den Friedensnobelpreis für „seinen langen und gewaltlosen Kampf für fundamentale Menschenrechte in China“.

Seine Freunden erinnern Liu Xiaobo als großen Vordenker und sanften Kämpfer für Demokratie. Der bekannte Bürgerrechtler Hu Jia lobt dessen Mut und Menschlichkeit. Freunde wie Liao Yiwu sowie der Sänger und frühere ostdeutsche Dissident Wolf Biermann und die Literaturnobelpreisträgerin Herta Müller organisieren am Todestag am Freitag eine Gedenkfeier in der Berliner Gethsemane-Kirche, um an das Leben und Werk Liu Xiaobos zu erinnern.

Von RND/dpa

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