Menü
Dresdner Neueste Nachrichten | Ihre Zeitung aus Dresden
Anmelden
Politik Appell an Tsipras wegen Flüchtlingselend
Nachrichten Politik Appell an Tsipras wegen Flüchtlingselend
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
19:05 01.12.2017
Flüchtlingslager auf der griechischen Insel Lesbos. Quelle: AP
Anzeige
Athen


Der Aufruf, den HRW jetzt auf ihrer Internetseite veröffentlichte, ist Teil einer gemeinsamen Kampagne von zwölf internationalen und griechischen Menschenrechts- und Hilfsorganisationen. Sie begann am Freitag und soll drei Wochen dauern, bis zum kalendarischen Winteranfang am 21. Dezember. Das Ziel: Der griechische Premier soll endlich dazu gebracht werden, für menschenwürdige Bedingungen in den Flüchtlingscamps zu sorgen.

Kurz vor dem Einbruch des Winters herrschen auf den Inseln katastrophale Zustände. Die Hotspots auf Lesbos, Chios, Samos, Leros und Kos sind total überfüllt. In den Lagern, die zur Registrierung der ankommenden Flüchtlinge und Migranten dienen, hielten sich nach Angaben von HRW am Donnerstag 12 744 Menschen auf. Ausgelegt sind die Unterkünfte nur für 5576 Personen.

Athen rechtfertigt die Zustände mit dem EU-Flüchtlingsabkommen

„Tausende, darunter alleinstehende Frauen, alleinerziehende Mütter und sehr kleine Kinder leben in Sommerzelten, schlafen im Grunde auf der Erde, sind der Kälte, der Feuchtigkeit und dem Regen ausgesetzt, während sich das Wetter verschlechtert“, heißt es in dem Aufruf der Hilfsorganisationen. „Einige Frauen sind gezwungen, Zelte und Wohncontainer mit fremden Männern zu teilen, was ihre Sicherheit gefährdet“, kritisieren die Helfer. „Es gibt einen Mangel an sauberem Wasser, sanitären Einrichtungen und ärztlicher Versorgung“, so der Hilferuf.

Für viele Flüchtlinge, die in den Hotspots zum Teil seit über einem Jahr auf die Bearbeitung ihrer Asylanträge warten, bricht nun bereits der zweite Winter unter diesen unwürdigen Bedingungen an. Im vergangenen Januar starben bei einem Schneesturm auf Lesbos drei Migranten in ihren Zelten. Bereits im Oktober machten 19 Hilfsorganisationen in einem gemeinsamen Brief an Ministerpräsident Tsipras auf die Missstände aufmerksam und baten um ein Treffen mit dem Premier. Bis heute haben sie keine Antwort erhalten. Tsipras steht wegen seiner Flüchtlingspolitik nicht nur international, sondern auch in der eigenen Partei in der Kritik.

Die Regierung rechtfertigt die Zustände auf den Inseln mit dem EU-Flüchtlingsabkommen, nach dessen Regeln die Menschen so lange in den Hotspots bleiben müssen, bis über ihre Asylanträge entschieden ist. Am Donnerstag ließ die Regierung zwar 250 Flüchtlinge von den Inseln aufs Festland bringen. Aber das ist nur eine geringe Entlastung für die Lager, die mit fast 7 200 Personen überbelegt sind. In einem Brief an Tsipras warnte diese Woche auch die Regionalgouverneurin der Ägäis, Christina Kalogirou, vor „außerordentlich schwierigen Verhältnissen“. Kalogirou fürchtet Gewaltausbrüche in den völlig überfüllten Lagern.

Von Gerd Höhler / RND

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Die Russland-Affäre um die Administration von US-Präsident Donald Trump hat einen vorläufigen Höhepunkt erreicht: Trumps früherer Nationaler Sicherheitsberater, Michael Flynn, hat sich am Freitag schuldig bekannt, das FBI belogen zu haben . Flynn war erst kurz zuvor wegen wissentlicher Falschaussage angeklagt worden

01.12.2017

Tagelang hatte sich die Weltöffentlichkeit gefragt, ob Papst Franziskus auf seiner Südostasien-Reise nach Myanmar und Bangladesch das Rohingya-Thema ansprechen werde. Nachdem er das Schicksal der unterdrückten Minderheit in Myanmar noch verschwieg, bat der Papst die Rohingya am Freitag in Bangladesch um Verzeihung.

01.12.2017

Das Thema Große Koalition ist in der SPD hochumstritten. Dennoch will sich Parteichef Martin Schulz in der kommenden Woche auf einem Parteitag das Okay der Genossen für Gespräche mit der Union geben lassen. Die möglichen Koalitionspartner haben viele Streitthemen – aber durchaus auch Gemeinsamkeiten. Der GroKo-Schnellcheck.

01.12.2017
Anzeige