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Politik „Goldene deutsche Ära“: So würdigen amerikanische Medien Merkel
Nachrichten Politik „Goldene deutsche Ära“: So würdigen amerikanische Medien Merkel
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11:26 07.12.2018
Bundeskanzlerin Angela Merkel spricht vor dem CDU-Bundesparteitag zu den Medienvertetern. Quelle: Kay Nietfeld/dpa
Washington

Die „New York Times“ ist für ihre nüchterne und abwägende Berichterstattung bekannt. Anstatt vorschnell zu urteilen, trägt sie in der Regel unzählige Fakten zusammen, um ein möglichst umfangreiches Bild zu zeichnen. Die Tonlage, die das traditionsreiche Blatt in diesen Tagen mit Blick auf die deutsche Kanzlerin anschlägt, ist allerdings bemerkenswert: In ihrer Regierungszeit habe es eine „goldene deutsche Ära“ gegeben.

Im Nebensatz fügen die renommierten Journalisten zwar mehrere Einschränkungen ein, aber es bleibt zuallererst die Anerkennung einer bemerkenswerten Kanzlerschaft. Merkels Name bleibe in der Welt verbunden mit dem Attribut „Werteorientiert“. In ihrer Regierungszeit habe sie sich für die Stabilität des Euro, den Zusammenhalt der Europäischen Union und für eine humane Regelung der Migrationskrise eingesetzt.

„Alte Dämonen wiedererweckt“

Die Pfarrerstochter habe erheblich dazu beitragen, dass sich Deutschland erstmals seit den zwei Weltkriegen wieder zur führenden Macht in Europa entwickelt habe. Die Wirtschaft sei um mehr als 20 Prozent gewachsen und die Arbeitslosigkeit auf ein geradezu historisches Tief gefallen.

Allerdings seien in ihrer Ägide auch die „alten Dämonen des Nationalismus“ wieder zum Leben erweckt worden. Ihre Entscheidung, mehr als eine Million Asylsuchende aufzunehmen, habe zu anhaltenden Turbulenzen geführt. Auch hätten die südeuropäischen Staaten unter ihrem Sparkurs, den sie gemeinsam mit dem damaligen Finanzminister Wolfgang Schäuble durchgesetzt hatte, zum Teil schwer gelitten. Harte Vorgaben, die letztlich auch den Populismus in den betroffenen Ländern angeheizt hätten. Das Erbe, dass sie Europa hinterlasse, sei daher weitaus fragiler als bei ihrer Vorgängern.

Der CDU-Parteitag im Liveticker: Hier berichten RND-Kollegen live aus Hamburg

Der Macht ein „weibliches Gesicht“ gegeben

Fest stehe aber, dass sie der Macht ein „weibliches Gesicht“ gegeben habe. Zudem habe ihre betont zurückhaltende Art und ihr Verzicht auf Siegerposen dazu beigetragen, dass Berlin zu einem „Leuchtfeuer des Liberalismus“ geworden sei – eine Formulierung, die in der Leserschaft sicherlich als Seitenhieb auf US-Präsident Donald Trump verstanden wird, der sich seit Jahren Auseinandersetzungen mit der „New York Times“ liefert.

Gemessen werde Merkels Leistung allerdings erst an dem, was als nächstes kommt. 2013 hatte sich die AfD zunächst als euroskeptische Partei gegründet. Mit der Flüchtlingskrise 2015 hätten sich die rechten Populisten jedoch in Windeseile im Bundestag und in sämtlichen Landtagen festgesetzt. Dass sich die AfD zur drittstärksten Kraft entwickelt hat, sei sicherlich nicht allein Merkel anzulasten. Aber der starke Auftrieb sei der stramm-rechten Partei in Merkels Regierungszeit gelungen.

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Kampf ums Erbe

Selbstverständlich heben die Autoren zunächst einmal hervor, dass am heutigen Freitag nur die Ära der langjährigen Parteivorsitzenden zu Ende geht. Es sei aber offensichtlich, dass die 1001 Delegierten in Hamburg eine wichtige Vorentscheidung treffen würden, wer in der nächsten Bundestagswahl als Kanzlerkandidat antritt.

Über Merkels Erbe spekulieren auch andere US-Medien. So schreibt die „Washington Post“, dass sich die Kanzlerin gezielt frühzeitig für Annegret Kramp-Karrenbauer ausgesprochen habe, um ihre persönliche Agenda abzusichern.

Von Stefan Koch/RND

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