Menü
Dresdner Neueste Nachrichten | Ihre Zeitung aus Dresden
Anmelden
Politik Allaa Abasi: „Wir wollen keine Terroristen hier“
Nachrichten Politik Allaa Abasi: „Wir wollen keine Terroristen hier“
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
15:40 11.10.2016
Syrer und Youtuber Allaa Faham (l.) und Abdul Abbasi. Quelle: Samuel Zuder
Anzeige
Hamburg/Hannover

Über Facebook sind syrische Flüchtlinge in Deutschland gut miteinander vernetzt: Sie versorgen sich darüber mit Informationen über Jobs, Wohnungen – und neuerdings auch Terrorverdächtige: Die Fahndungsfotos von Dschaber al-Bakr erreichten über dieses Netzwerk drei Syrer in Leipzig. Erst dadurch erfuhren sie, wen sie mit nach Hause genommen hatten, und überwältigten den 22-Jährigen. Aber nicht alle Syrer sind mit dieser Hilfe einverstanden gewesen, sagt Allaa Faham im Interview. Er hat mit Abdul Abbasi und Fayez Roman den Youtube-Kanal “GermanLifeStyle“ (GLS) gegründet. In Videos erklären die drei syrischen Flüchtlinge, wie sie in Deutschland leben.

Wie halfen syrische Flüchtlinge dabei, dass Jaber al-Bakr entdeckt wurde?

Allaa Faham: Viele syrische Flüchtlinge sind Mitglieder von Facebook-Gruppen, und in diesen Gruppen wurden am Sonntag die Fotos von Jaber al-Bakr geteilt. Diese Gruppen haben zum Teil mehr als 100.000 Mitglieder. Die Fotos haben also viele Menschen erreicht.

Haben die syrischen Flüchtlinge darüber diskutiert, ob sie die Fahndungsfotos teilen?

Allaa Faham: Wir sind vor dem Krieg geflohen, wir wollen so etwas nicht mehr erleben. Wir wollen keine Terroristen hier. Deutschland hat uns geholfen. Wir wollen etwas zurückgeben und gemeinsam mit den Deutschen dafür sorgen, dass man hier sicher leben kann. Deshalb ist die Mehrheit dafür, dass wir bei der Suche nach Jaber al-Bakr geholfen haben. Wir sind gegen Terror und Hass. Eine Minderheit in den Facebook-Gruppen zweifelt aber daran, dass Jaber al-Bakr ein Terrorist ist. Deshalb sind sie auch dagegen, dass wir die Fahndungsfotos geteilt und mitgeholfen haben, dass er festgenommen wurde. Sie sind nicht für Terror. Sie glauben nur nicht, dass Jaber al-Bakr ein Terrorist ist, weil sie den deutschen Medien nicht vertrauen. Und das ist auch nachvollziehbar, da Syrer oft pauschal mit Terror und Problemen verbunden werden.

Glauben Sie, dass die Deutschen nun anders über syrische Flüchtlinge denken?

Allaa Faham: Wir wollen dabei helfen, dass es in Deutschland sicher ist. Aber wir müssen uns nicht rechtfertigen. Wer vernünftig ist, verallgemeinert nicht. Nur weil ein Syrer verdächtigt wird, ist nicht jeder Syrer verdächtig. In jedem Land gibt es blöde Menschen. Das hat nichts damit zu tun, ob jemand aus Deutschland oder aus Syrien kommt.

Von RND-Redakteur Markus Werning

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!
Politik Streit um Syrien-Konflikt - Putin lässt Paris-Besuch platzen

Der Streit um das russische Vorgehen im Syrien-Konflikt führt zu schweren Verwerfungen zwischen Moskau und Paris. Der russische Staatschef Wladimir Putin hat eine für kommende Woche geplante Paris-Reise abgesagt.

11.10.2016
Politik Flüchtlinge überwältigen Terrorverdächtigen - Syrer feiern Festnahme von Dschaber al-Bakr

Der syrische Terrorverdächtige Dschaber al-Bakr soll seinen Landsleuten Geld geboten haben, wenn sie ihn gehen lassen. Trotzdem übergaben sie ihn der Polizei. „Wir konnten nicht zulassen, dass er Deutschen etwas antut“, sagte einer von ihnen.

11.10.2016
Politik US-Republikaner vor Zerreißprobe - Trump kontert Kritik von US-Republikaner Ryan

Selbst der mächtigste US-Republikaner hat genug von Donald Trump: Nach dessen neuestem Skandal will sich Paul Ryan, Vorsitzender des Repräsentantenhauses, nicht mehr für ihn einsetzen. Trump reagiert umgehend – mit scharfer Kritik.

11.10.2016
Anzeige