Menü
Dresdner Neueste Nachrichten | Ihre Zeitung aus Dresden
Anmelden
Politik AKW Fessenheim blickt seinem Aus entgegen
Nachrichten Politik AKW Fessenheim blickt seinem Aus entgegen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
17:23 25.01.2018
Schließung im kommenden Jahr? Das AKW in Fessenheim. Quelle: dpa
Paris/Fessenheim

„Das Atomkraftwerk Fessenheim wird schließen“: Diese klare Botschaft sendete Sébastien Lecornu, Staatsminister für die Energiewende im Umweltministerium bei seinem dreitägigen Ortsbesuch vor einigen Tagen zwar aus. Aber wann und unter welchen Bedingungen? Das blieb weiter offen. Ein Leitungsgremium soll das heikle Thema besprechen und bis Mitte April präzisere Angaben machen.

Ende des Jahres könnte Schluss sein

Beim ältesten französischen Atomkraftwerk, das 1977 ans Netz ging, handelt es sich um eines jener heißen Eisen, an dem sich bereits die vorherigen Regierungen zu verbrennen fürchteten. Die Sorgen um die Pannenanfälligkeit der beiden Reaktoren, der Druck der kritischen Nachbarländer Deutschland und Schweiz sowie der Nukleargegner in der Region stehen auf der einen Seite; auf der anderen verweisen lokale Politiker und Gewerkschafter auf die wirtschaftliche Bedeutung des Kraftwerks für die Region, die 2000 direkt und indirekt davon abhängenden Jobs und die mehr als 14 Millionen Steuereinnahmen, die es im Jahr einbringt. Auch der staatlich dominierte Betreiber EDF kämpfte lange für eine Laufzeit-Verlängerung. Vor einem Jahr sagte der Staat dem Konzern hohe Entschädigungszahlungen zu.

Mit 58 Reaktoren hat Frankreich den zweitgrößten Atompark der Welt; in der Bevölkerung ist dies wenig umstritten, auch wenn seit der Katastrophe in Fukushima 2011 ein Umdenken einsetzt. Bei seiner Wahl zum Präsidenten 2012 hatte François Hollande daher sowohl versprochen, bis 2025 den Anteil der Nuklearenergie in Frankreich von 75 auf 50 Prozent zu senken, als auch das AKW Fessenheim im Laufe seiner Amtszeit zu schließen. Den Wegfall der beiden Reaktoren sollte der Europäische Druckwasserreaktor (EPR) in Flamanville in der Normandie kompensieren. Zwischen 2030 und 2050 will EDF-Chef Jean-Bernard Lévy Frankreichs altersschwache Reaktoren zu modernen EPR umrüsten. Doch Zeitplan und Kosten des ersten EPR-Baus liefen völlig aus dem Ruder. Hätte der Reaktor einer neuen Generation ursprünglich 2012 fertig gestellt sein sollen, so ist nun von Ende diesen Jahres oder Anfang 2019 die Rede.

Hoffen auf deutsche Hilfe

Dessen Einweihung dürfte das Aus für das AKW Fessenheim bedeuten. Während der Gewerkschafter Thierry Raymond eine „wirtschaftliche und soziale Katastrophe“ kommen sieht, versprach Staatsminister Lecornu, es werde eine „neue Seite in der industriellen Geschichte des Elsass“ aufgeschlagen. Zugleich lasse sich die wirtschaftliche Entwicklung einer Region „nicht per Dekret beschließen“. Die 800 dort beschäftigten Mitarbeiter von EDF sollen andere Posten erhalten. Auf die Frage neuer Jobs für die 330 Angestellten der Zulieferer erhoffe man sich eine „deutsch-französische Antwort“, so Lecornu: „Deutschland kann diese Profile brauchen.“ Eine steuerliche Harmonisierung in der Grenzregion sowie der Ausbau der Infrastruktur seien geplant. Lecornu versprach, an dem Standort „dauerhafte Aktivitäten“ anzusiedeln, möglicherweise im Bereich der erneuerbaren Energien.

Deren Anteil erreicht in Frankreich nur 19 Prozent; längst wird das Potenzial nicht ausgeschöpft, gerade bei der Windenergie, die bei 4  Prozent liegt. Noch gibt es keine einzige Windkraftanlage auf See.

Präsident Emmanuel Macron hat zwar erklärt, die Abhängigkeit vom Atomstrom reduzieren zu wollen – zugleich versicherte er, Nuklearenergie habe eine Zukunft in Frankreich. Atomenergie-Gegner reagierten empört, als Umweltminister Nicolas Hulot im Herbst ankündigte, das von Hollande gesetzte Ziel der Reduzierung des Atomstrom-Anteils um ein Drittel bis 2025 sei unrealistisch und nur umsetzbar, wenn die vier bestehenden Kohlekraftwerke länger liefen und 20 neue Gaskraftwerke gebaut werden. Das aber würde den CO2-Ausstoß erhöhen – was man verhindern möchte. Zwar sollen weitere Reaktoren in den kommenden Jahren geschlossen werden. Welche, ist noch nicht bekannt. Das Beispiel Fessenheim zeigt, mit wie viel Widerstand jeweils zu rechnen ist.

Von Birgit Holzer/RND

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!
Politik Präsidentenwahl in Südzypern - Anastasiades wirbt mit alten Versprechungen

Wie geht es weiter in Südzypern? Präsident Anastasiades hat viele seiner Wähler enttäuscht. Ihm gelang entgegen anders als angekündigt nicht die Wiedervereinigung mit dem Norden. Zwar konnte er die wirtschaftliche Lage seines Landes verbessern, doch bei den anstehenden Wahl sitzen seine Konkurrenten ihm im Nacken.

25.01.2018
Politik Speakers’ Corner - Wir bleiben in Afghanistan

Trotz des Anschlags auf ihr Büro will die Kinderhilfsorganisation „Save the Children“ weiter in Afghanistan arbeiten – weil humanitäre Hilfe keine politischen Grenzen kennt, meint ihre Susanna Krüger

25.01.2018

Die spanische Regierung will die Ernennung des Separatisten Carles Puigdemont zum Kandidaten für das Amt des katalanischen Regionalpräsidenten vor dem Verfassungsgericht anfechten.

25.01.2018