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Politik 20 Millionen Menschen droht der Hungertod
Nachrichten Politik 20 Millionen Menschen droht der Hungertod
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08:12 11.03.2017
20 Millionen Menschen sind weltweit vom Hungertod bedroht. Die UN warnt vor der größten humanitären Katastrophe seit 1945. Quelle: dpa
New York

Rund 20 Millionen Menschen in vier Ländern sind nach UN-Angaben akut vom Hungertod bedroht. „Bereits zu Beginn des Jahres erleben wir die größte humanitäre Katastrophe seit Gründung der Vereinten Nationen“, sagte UN-Nothilfekoordinator Stephen O'Brien dem Weltsicherheitsrat am Freitagabend. Ohne „gemeinschaftliche und koordinierte globale Anstrengungen werden die Menschen einfach verhungern“, sagte O'Brien.

Milliardenhilfe benötigt

Er forderte eine sofortige finanzielle Hilfe für den Jemen, den Südsudan, Somalia und den Nordosten Nigerias sowie einen sicheren und uneingeschränkten Zugang zu den Ländern für Helfer, „um eine Katastrophe abzuwenden“. Konkret brauche die Nothilfe rund 4,4 Milliarden Euro (rund 4,12 Milliarden Euro) bis Juli. Ohne eine beachtliche finanzielle Zuwendung würden Kinder wegen Unterernährung verkümmern und nicht zur Schule gehen können. Wirtschaftliche Errungenschaften würden rückgängig gemacht und „Existenzen, Zukunftsaussichten und Hoffnung“ zerstört, sagte der Nothilfekoordinator.

Die UN und anderen Organisationen sprechen von einer Hungersnot unter anderem dann, wenn 30 Prozent der Kinder unter fünf Jahren an einer akuten Unterernährung leiden. Die größte humanitäre Katastrophe erleidet nach Angaben O'Briens derzeit der Jemen. Zwei Drittel der Einwohner dort, rund 18,8 Millionen Menschen, benötigten Hilfe. Sieben Millionen Menschen litten Hunger und wüssten nicht, woher ihre nächste Mahlzeit käme. Das seien drei Millionen Menschen mehr als noch im Januar. 48.000 Menschen seien in den vergangenen zwei Monaten vor dem Konflikt geflohen.

Hundertausende sehen als Ausweg nur die Flucht

Bei einem Besuch im Jemen habe er Vertreter der Regierung und der Huthi-Rebellen getroffen, berichtete O'Brien. Alle hätten zugesichert, dass Helfer Zugang zu dem Land erhielten. „Jedoch verweigern alle Parteien des Konflikts einen nachhaltigen Zugang für humanitäre Hilfe und politisieren diese“, sagte der UN-Koordinator. Für die Hilfe im Jemen würden rund 2,1 Milliarden Dollar benötigt.

Er habe auch Südsudan besucht. Dort sei die Situation schlimmer als jemals zuvor. „Die Hungersnot im Südsudan ist von Menschenhand gemacht.“ Dort bräuchten 7,5 Millionen Menschen Hilfe. 3,4 Millionen Südsudanesen seien auf der Flucht, allein 200.000 hätten das Land seit Januar verlassen. O'Brien schätze, dass rund eine Millionen Kinder dort stark unterernährt seien.

Auch in Somalia sei die Lage verheerend, berichtete der UN-Nothilfekoordinator. Die Hälfte der Bevölkerung, rund 6,2 Millionen Menschen, benötigten humanitäre Hilfe. Er habe gesehen, wie dort Frauen und Kinder auf der Suche nach Essen und Wasser für Wochen zu Fuß unterwegs gewesen seien.

Von RND/ap