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Politik 12 Tote, 40 Verletzte bei Doppelattentat im Iran
Nachrichten Politik 12 Tote, 40 Verletzte bei Doppelattentat im Iran
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18:13 07.06.2017
In Deckung laufen iranische Polizisten am Mittwoch zum Parlament in Teheran. Quelle: Foto: dpa
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Teheran

Schüsse hallen durch die morgendlichen Straßen Teherans, Menschen kauern zum Schutz hinter Alleebäumen. Die Konfrontation zwischen Sunniten und Schiiten im Nahen Osten ist am Mittwoch spektakulär eskaliert, als sunnitische Terroristen in einer Kommandoaktion das Parlament im Herzen Teherans und das Mausoleum von Staatsgründer Ajatollah Khomeini im Süden der Hauptstadt unter Feuer nehmen.

Nach Angaben der Behörden töten sie bei dem Doppelattentat mindestens zwölf Menschen und verletzen über 40. Einige der Attentäter, darunter eine Frau, sprengen sich in die Luft, andere schießen mit Kalaschnikows und Pistolen um sich. In dem weiträumigen Parlamentskomplex gelingt es der Polizei erst am Mittag, die sechs Angreifer des ersten Kommandos aufzuspüren und zu töten.

„Islamischer Staat“ reklamiert die Tat für sich

Eine zweite Gruppe von Attentätern stürmt das weiträumige Gelände der Khomeini-Gedenkstätte und schießt wahllos um sich, ein Gärtner stirbt. Auch hier dauern die Gefechte zwischen den Terroristen und der Polizei der Nachrichtenagentur Ilna zufolge mehr als eine Stunde.

Der „Islamische Staat“ reklamiert die Bluttat für sich, der erste Anschlag der sunnitischen Terrormiliz auf dem Staatsgebiet der schiitischen Vormacht im Nahen Osten. „Kämpfer des Islamischen Staates griffen das Khomeini-Mausoleum und das Parlamentsgebäude in Teheran an“, heißt es in einer Erklärung auf der IS-Website Amaq, die sich den Anstrich einer Nachrichtenagentur gibt. Das iranische Geheimdienstministerium erklärt, man habe ein drittes Kommando neutralisiert, bevor es seine Terrorpläne ausführen konnte.

Auf Fotos im Internet ist im Fenster eines Parlamentsbüros einer der Angreifer mit einer Kalaschnikow zu sehen, der zu diesem Zeitpunkt offenbar eine Geisel in seiner Gewalt hat. Andere Bilder zeigen Sicherheitskräfte, die Angestellte über die Außenmauern evakuieren.

IS will den Iran erobern

Die Hintergründe der beiden Bluttaten liegen noch im Dunkeln, auch über die Identität der Attentäter wird bis zum Abend nichts bekannt. Doch der IS hatte im März zum ersten Mal auch der Islamischen Republik explizit Terroranschläge angedroht. Man werde den Iran erobern und ihn wieder zu einer sunnitischen Nation machen, hieß es in der Audiobotschaft.

Im syrischen Bürgerkrieg kämpfen iranische Revolutionäre Garden und schiitische Milizen an der Seite des Regimes von Baschar al-Assad gegen die Aufständischen, unter denen sunnitische Extremisten eine immer zentralere Rolle spielen. Im Irak beteiligen sich die iranhörigen Paramilitärs an der Rückeroberung der Metropole Mossul, wo der „Islamische Staat“ kurz vor der militärischen Kapitulation steht.

Aber auch im Inneren des Irans gab es in den letzten Jahren Terrortaten sunnitischer Radikaler, von denen viele mit dem IS sympathisieren. So räumte Geheimdienstminister Mahmoud Alavi ein, sein Land habe bisher 1500 junge Männer an einer Ausreise in das IS-Gebiet gehindert. Im Südosten an der Grenze zu Pakistan gärt es vor allem in der Provinz Sistan-Balutschistan, dessen sunnitische Bevölkerung sich von Teheran diskriminiert fühlt. Die dort operierende Terrororganisation Jaish-ul Adl erschoss zuletzt im April zehn iranische Grenzpolizisten.

Von Martin Gehlen

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