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Panorama Zehn Kinder, zehn Muttertagsgeschenke
Nachrichten Panorama Zehn Kinder, zehn Muttertagsgeschenke
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19:04 11.05.2017
Das Haus voller Kinder: Claudia und Alexander haben sich für das Leben in einer Großfamilie entschieden. Sie erwarten ihr elftes Kind. Quelle: Foto: iStock | Montage: RND
Hannover

Claudia (38) und ihr Mann Alexander (43) müssen gut organisiert sein: Sie haben zehn Kinder im Alter zwischen zwei und 15 Jahren. Und sie erwarten ein elftes Kind. Die Großfamilie aus der Nähe von Bad Segeberg ist damit eine von etwa 873 000 kinderreichen Familien. Claudia ist zurzeit und wohl auch noch viele Jahre „Familienmanagerin“, wie sie selbst sagt, Alexander arbeitet als Justizbeamter. Ihren Nachnamen möchten sie wegen der Kinder lieber nicht verraten.

Wie sieht der Muttertag einer zehnfachen Mama aus?

Wir fahren vormittags zur Kirche und sind zum Mittagessen wieder hier. Falls es einen Tisch mit Aufmerksamkeiten der Kinder gibt, schaue ich ihn mir morgens an. Vielleicht verschwindet auch noch mal ein Kind, um eine Bastelei – die zweite oder dritte – fertig zu machen, weil es meint, die Geschenke würden noch nicht reichen. Es kann schon vorkommen, dass mir alle einen Moment Pause ermöglichen. Das ist dann schon etwas ganz Besonderes. Die Kinder haben manchmal sehr süße Ideen und besonders die Großen wissen, womit sie mir eine Freude machen können. Ich hab’ schon so manchen Gutschein bekommen – von Fensterputzen bis zum Zubereiten von fünfzig Milchflaschen für das Baby. Ein besonders großzügiges Geschenk war über eine Million Mal Geschirrspüler ausräumen ausgestellt. Von dem habe ich heute noch was …

Schaffen Sie es denn, die vielen Muttertagsgeschenke angemessen zu würdigen?

Wir haben im Flur in mehreren Streifen eine Magnetwand angebracht, wo gemalte Bilder eine Zeit lang hängen. Besonders schöne Exemplare hebe ich für das Fotoalbum auf. Was nicht geht, ist, alle gebastelten Dinge für immer aufzuheben. Ich habe aber auch nicht den Eindruck, dass die Kinder das erwarten.

Ist es einfach, kein Lieblingskind zu haben? Oder haben Sie doch eins?

Bei einigen Kindern fällt es schon leichter, die Zuwendung zum Ausdruck zu bringen, weil sie es einem leichter machen. Weniger Zuwendung ist aber kein Ausdruck von weniger Liebe, sondern von weniger Kraft. Besonders den Babys gegenüber habe ich ein großes Bedürfnis, sie zu knuddeln. Sicher ist das ganz normal. Aber ich muss immer aufpassen, dass das nicht auf Kosten der anderen Kinder geht.

Bald müssen Sie Ihre Aufmerksamkeit noch mehr aufteilen: Sie erwarten Ihr elftes Kind. Wollten Sie immer eine Großfamilie?

Ich wusste schon immer, dass ich viele Kinder haben möchte. Aber ich hatte keine Zahl im Kopf.

Haben Sie mit Vorurteilen zu kämpfen?

Von Vorurteilen bekommen wir tatsächlich wenig mit. Meist ist das Erstaunen über die Anzahl der Kinder sehr groß. Ich habe allerdings oft den Eindruck, dass die Allgemeinheit davon ausgeht, dass bei uns alles besonders leicht sein muss, sonst würden wir nicht so viel Nachwuchs haben. Dass man einen Weg geht, weil man ihn für richtig hält, und nicht, weil er leicht und bequem ist, scheint kaum ein Thema zu sein.

Bequem ist Ihr Alltag wohl nicht. Wie halten Sie alles am Laufen?

Ich organisiere viel. Ich kann nachmittags nur einkaufen, wenn jemand bei den Kindern ist. Natürlich gibt es immer auch spontan Dinge zu entscheiden. Aber letztlich spart es Kraft, frühzeitig zu planen. Ich arbeite viel mit Listen. Für den Tagesablauf habe ich auf einer Magnettafel Bilder für die Programmpunkte der Kinder, die sie dann mit ihrem Magneten nur noch ablaufen müssen. Von Frühstück über Zähneputzen, Brotdosefüllen bis Haarekämmen.

Gibt es bei all der Organisation Momente, die Sie nur für sich haben, also können Sie überhaupt einem Hobby nachgehen?

Oh, ich habe ein Hobby: Das ist aufräumen, strukturieren und Handlungsabläufe optimieren. Schon in der Schulzeit war Aufräumen mein Hobby. Sonst habe ich tatsächlich nicht wirklich Zeit für mich. Letztes Jahr habe ich ein paar Monate einen Steppkurs besucht und vor der Schwangerschaft habe ich regelmäßiger Sport gemacht. Das möchte ich nach der Entbindung auch wieder anfangen. Einmal in der Woche haben wir einen Eheabend. Leider fällt der aber häufig sehr kurz aus, obwohl wir uns beide viel Mühe geben, ihn einzuhalten.

Was bedeutet eine Großfamilie denn generell für die Beziehung?

Eine Großfamilie ist eine Herausforderung für eine Partnerschaft. Das geht nur auf der Grundlage von absolutem Vertrauen in den Partner, absolutem Bemühen von beiden, fast jederzeit sein Bestes zu geben – und dem Verständnis für den anderen, wenn er eine Pause braucht.

Kinder, Kinder!

Wer sich eine Familie vorstellt, hat in der Regel Mutter, Vater und ein bis zwei Kinder im Kopf. Denn in Deutschland gilt dem Bundesfamilienministerium nur jede neunte Familie als „Mehrkindfamilie“: Hier haben die Eltern drei oder mehr minderjährige Kinder.

In insgesamt 873 000 Mehrkindfamilien leben rund 3,5 Millionen Kinder. Vor allem in den alten Bundesländern gibt es viele Großfamilien. Ihr Anteil an allen Familien mit minderjährigen Kindern ist mit 11 Prozent deutlich höher als in Ostdeutschland.

Mehr als die Hälfte der Familien in Deutschland hatte 2013 ein Kind
(53 Prozent), mehr als jede dritte Familie hatte 2013 zwei Kinder (36 Prozent) und 11 Prozent der Familien hatten drei und mehr Kinder.

Interview: Isabell Rollenhagen

Von RND

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