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Panorama Wo ist der mutmaßliche Kindermörder?
Nachrichten Panorama Wo ist der mutmaßliche Kindermörder?
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21:45 08.03.2017
Die Polizei sucht seit Dienstagmorgen den 19-jährigen Marcel Heße, durchkämt Waldgebiete und Stadtteile – bisher ohne Erfolg. Quelle: imago
Herne

Hubschrauber, Wärmebildkameras, Hundestaffeln: Die Polizei sucht im Ruhrgebiet mit unzähligen Beamten nach dem Mordverdächtigen Marcel H., doch noch immer fehlt jede Spur des 19-Jährigen aus Herne. „Der Druck auf ihn muss unmenschlich sein“, sagt ein Polizeisprecher am Mittwoch. Immer wieder durchkämmen Hundertschaften der Polizei im Revier ganze Stadtteile. Helikopter stehen hoch oben in der Luft, um Hinweisen aus der Bevölkerung nachzugehen.

Im nordrhein-westfälischen Herne ist ein neunjähriger Junge umgebracht worden. Als mutmaßlicher Täter gilt ein 19 Jahre alter Mann.

Die grausige Bluttat an einem kleinen Jungen verbreitet im Ruhrgebiet Sorge und Angst. Stolz soll Marcel H. im Netz mit Bildern geprahlt haben, die ihn und das tote Kind zeigen. Wo nur ist Marcel H.? Plant er weitere Verbrechen? Hat er schon wieder getötet?

„Solch ein Fall ist mir noch nicht untergekommen“

Nach Hinweisen eines Zeugen war die Polizei ins Haus des 19-Jährigen eingedrungen und hatte im Keller den getöteten Jungen gefunden. Fast zeitgleich mit den Beamten war der Stiefvater am Tatort eingetroffen. Er wohnt im Nachbarhaus und war auf der Suche nach dem Neunjährigen.

Nach dem Obduktionsergebnis von Mittwoch starb das Kind durch mehrere Messerstiche. Wie viele es genau waren, will die Polizei vorerst nicht sagen. Ein Sprecher des Landeskriminalamtes in Düsseldorf zeigt sich von dem, was auf den Bildern der Tat zu sehen ist, tief getroffen.

„Wir haben hier immer im LKA wieder mit grausamen Bilder wie zum Beispiel Fotos von Gräueltaten des IS aus Syrien zu tun. Solch ein Fall mit im Internet geposteten Fotos ist mir aber persönlich noch nicht untergekommen“, sagt ein Sprecher.

Polizei riegelt eine Schule ab

Die Polizei hält den Flüchtigen für sehr gefährlich. Sie prüft auch Hinweise auf einen weiteren Mord. Marcel H. soll einem Bekannten geschrieben haben, dass er eine Frau gefoltert hat, um ihre Bankdaten zu bekommen. Möglicherweise handele es sich um eine Falschmeldung, erklärte ein Polizeisprecher. Aber sie nehme jeden Hinweis ernst.

Hat sich der mutmaßliche Mörder verletzt?

Der 19 Jahre alte Marcel H. aus Herne hat sich möglicherweise an der rechten Hand verletzt und sucht deshalb medizinische Hilfe. Das berichtete die Polizei Dortmund am Mittwochabend.

„Aufgrund vorliegender Erkenntnisse“ sei nicht auszuschließen, dass sich der Täter an der rechten Hand verletzt habe, erklärten die Ermittler. Sie baten die Bevölkerung deshalb um Hinweise. Sei jemand gesehen worden, der sich wegen einer Verletzung an der rechten Hand behandeln ließ? Am Montagabend oder an den darauffolgenden Tagen? In einem Krankenhaus, einer Apotheke oder bei einem Arzt?

Der mutmaßlicher Kindermörder wird von der Polizei wie folgt beschrieben: Marcel H. sei etwa 1,75 Meter groß und schlank, er tragen eine Brille und habe kurze, blonde Haare.

Und es sind schon einige Hinweise eingegangen, aus ganz Deutschland: Marcel H. soll in einem Fernreisebus nach Frankfurt gesehen worden sein, andere wollen ihn in Berlin und im Ruhrgebiet erkannt haben. Bisher habe sich nichts davon bestätigt, sagte der Sprecher der Bochumer Polizei, Volker Schütte.

Am Mittwochmorgen riegelten die Einsatzkräfte in Wetter, etwa 25 Kilometer von Herne entfernt, eine Schule ab. Ein Zeuge wollte den Gesuchten im Umfeld gesehen haben. 30 Beamte durchkämmen Raum für Raum. „Eine Vorsichtsmaßnahme, wir nehmen jeden Hinweis aus der Bevölkerung ernst“, heißt es von der Polizei. Gleichzeitig der Hinweis, dass die Beamten hier Panik unter Schülern und Lehrer bereits im Keim ersticken wollte.

Kita-Kinder sollen drinnen spielen

An Schulen und Kindergärten werden die Sicherheitsvorkehrungen verschärft. Zwar gebe es keinen konkreten Anlass, aber das Jugendamt habe die Kindergärten aufgefordert, die Außenbereiche nicht zu nutzen und nur in den Gebäuden zu spielen.

„Der Unterricht aber findet überall statt“, sagt Christoph Söbbeler für die Schulaufsicht der zuständigen Bezirksregierung Arnsberg. Die Schulen seien aufgefordert worden, besonders aufmerksam zu sein. In der Schule des getöteten Jungen sind Psychologen und Seelsorger im Einsatz.

Am Mittwoch fehlt den Ermittlern noch die entscheidende Spur. „Jetzt nach über zwei Tagen kann der Tatverdächtige auf der Flucht NRW längst verlassen haben“, sagt Schütte. Eine Hoffnung hat der Beamte noch nicht aufgegeben: „Für alle am besten wäre es, wenn sich der Gesuchte auf einer Polizeiwache selbst stellen würde.“

Von dpa/RND/are/wer